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Bundesliga: Von wegen Geisterspiel: Hunderte Gladbach-Fans feiern ihre Derby-Helden vor dem Stadion

Gladbachs Bundesligastars freuten sich. Nach dem Ende des ersten Geisterspiels der Liga-Geschichte im Borussiapark warteten reichlich Fans vor dem Stadion, um ihre Helden zu feiern. Sinn der Sache ist das nicht.

Gladbach-Fans warten hinter der Nordkurve

Eigentlich nicht Sinn der Sache: Nach dem Spiel feierten Tausende Gladbach-Anhänger hinter der Fankurve doch noch ihre Derbysieger.

Getty Images

Als der Derbysieg gegen den 1.FC Köln in aller Stille eingefahren war, spielte sich im gähnend leeren Mönchengladbacher Borussia-Park eine merkwürdige Szene ab. Die Borussenspieler bewegten sich geschlossen auf die Nordkurve zu - so, als ob sie vor den eingefleischten Fans "die Humba" machen wollten, wie nach so manchem Heimsieg. Doch da es sich um ein Geisterspiel handelte, war da natürlich niemand, mit dem die Derbysieger hätten feiern können.

Was also wollten die Borussen vor der Nordkurve? Es hätte kaum verwundert, hätten sie aus lauter Gewohnheit die leeren Ränge angeklatscht. Denn zuvor hatte man sich schon gefragt, wem eigentlich in einem leeren Stadion die Mannschaftsaufstellungen auf der Videowand präsentiert wurden oder wer beim "Döp, döp, döp"-Tor-Jingle die Treffer der Fohlen feiern sollte. Doch die Gladbach-Stars ließen sich nicht beirren, schnappten sich eine Eckfahne und zogen geschlossen auf den Oberrang hinter die Tribünen, wo jede Menge Fohlen-Fans ihre Derbyhelden feierten - mit Jubel, Transparenten und jeder Menge Pyrotechnik.

Fan-Feier führt Geisterspiel ad absurdum

"Es war dann doch noch ein emotionaler Moment", machte Borussen-Coach Marco Rose vor den "Sky"-Mikrofonen kein Hehl aus seiner Freude über die Aktion der Fans. Allzu sehr hatten alle Beteiligten aus Gladbach und Köln, ja selbst Schiedsrichter Deniz Aytekin unter der gespenstischen Atmosphäre des Geisterspiels gelitten. Die Spieler hatten jedenfalls sichtlich Spaß daran, nach einem stimmungslosen Bundesligaspiel doch noch ihre Freude über den Derbysieg mit den Fans teilen zu können. "Gib mir mal 'ne Schale", soll Christoph Kramer sogar gewitzelt haben. Wie eine Meisterfeier habe sich das angefühlt, berichtete Gladbachs Weltmeister von 2014 später den Agenturen. Auf jeden Fall "ein schöner Moment, alles andere als selbstverständlich", so Kramer.

So schön die kleine Party hinter der Nordkurve des Borussiaparks auch war, so absurd war sie auch. "Ich rufe zur Vernunft auf: Das Untersagen von Zuschauern hat ein Ziel, nämlich Menschenansammlungen größeren Ausmaßes zu vermeiden", hatte Gladbachs Bürgermeister Hans Wilhelm Reiners vor der Partei appelliert. "Jeder wäre gut beraten, das zu tun, wo es möglich ist." Doch etliche Fohlen-Fans fiel das offenbar allzu schwer. 

Ebenso wie übrigens den PSG-Anhängern. Auch die Pariser Superstars zogen nach dem Sieg über den BVB in der Champions League aus dem Stadion, um davor mit einer großen Menge Fans den Einzug ins Viertelfinale zu feiern. Corona-Prävention kann so kaum funktionieren - und Geisterspiele sind so vollkommen sinnlos.

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