HOME

Stern Logo Bundesliga

Götze-Wechsel zum FC Bayern: Eine Katastrophe für den deutschen Fußball

Die Verpflichtung Mario Götzes ist ein großer Erfolg für den FC Bayern. Für den deutschen Fußball sind die Auswirkungen katastrophal. Und der Coup offenbart einmal mehr den scheinheiligen Uli Hoeneß.

Ein Kommentar von Carsten Heidböhmer

Der FC Bayern rüstet weiter auf. Nachdem der Rekordmeister den begehrtesten Vereinstrainer der Welt gewinnen konnte, spendieren ihm die Münchner nun seinen Wunschspieler. Die Verpflichtung Mario Götzes ist fußballerisch durchaus sinnvoll: Mit dem kleinen Edeltechniker kann Pep Guardiola bei Bayern das Offensivsystem des FC Barcelona spielen - mit einem sogenannten falschen Neuner anstelle eines klassischen Mittelstürmers. Mario Götze kann die Position, die bei den Katalanen Weltfußballer Lionel Messi bekleidet, ideal ausfüllen. Bei der Nationalmannschaft hat der 20-Jährige das bereits unter Beweis gestellt.

Mit dem spektakulären Transfer baut der FC Bayern seine Vormachtstellung im deutschen und europäischen Fußball weiter aus. Das ist eine gute Nachricht für alle, die sich über einen deutschen Champions-League-Sieger freuen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der FC Bayern auch in den nächsten Jahren zu Europas Spitzenmannschaften zählt, steigt mit der Verpflichtung Götzes.

Ein Transfer mit Signalwirkung

Gleichzeitig ist es eine schlechte Nachricht für alle Fußball-Liebhaber. Die Bundesliga wird damit auf Jahre hin langweilig. Schon jetzt dominieren die Bayern die Konkurrenz nach Belieben und führen die Tabelle mit 20 Punkten Vorsprung an. Durch den Götze-Transfer schwächen die Münchner nun ihren einzigen ernsthaften Rivalen. Und das gleich doppelt: Der BVB verliert seinen besten Spieler. Was noch schlimmer ist: Der Abgang könnte Signalwirkung haben. Schon längst haben internationale Topclubs ihre Fühler nach anderen Dortmunder Spielern ausgestreckt. Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Marco Reus - wie lange werden sie den Verlockungen standhalten, wenn Mario Götze den Anfang macht? Zudem wird Topstürmer Robert Lewandowski den Club spätestens 2014 verlassen. Der Club, der sich gerade in Europas Spitze etabliert, steht vermutlich vor einem Neuanfang.

Und das ist dann für den gesamten deutschen Fußball schlecht. Ein Champions-League-Halbfinale mit zwei deutschen Mannschaften und der Aussicht auf ein deutsches Finale wird dann auf viele Jahre unmöglich gemacht.

Scheinheiliger Hoeneß

Und auch der FC Bayern schadet sich langfristig. Denn der aktuelle Höhenflug wurde nur möglich, weil der Rekordmeister von der zweijährigen Dortmunder Dominanz angetrieben wurde und sich kontinuierliche verstärkte. Die Erfolge des BVB waren der Stachel, der die Bayern zu Höchstleistungen anspornte.

Uli Hoeneß hat mit der Personalie einmal mehr seine Janusköpfigkeit belegt. So problemlos wie er Gardinenpredigten über Steuermoral hält und gleichzeitig den Fiskus hintergeht, sorgt er sich ohne mit der Wimper zu zucken um angeblich "spanische Verhältnisse" in der Bundesliga - also die Dominanz zweier Clubs. Dabei arbeitet schon längst daran, die Konkurrenz zu schwächen und die uneingeschränkte Bayern-Vorherrschaft zu zementieren. Mehr Doppelmoral geht nicht.

Zwei deutsche Teams im Halbfinale der Champions League: Es hätte eine große Woche werden können für den deutschen Fußball. Doch nun sieht es ganz so aus, als sei diese Konstellation nur ein einmaliger Irrtum der Fußballgeschichte. Das ist schade.

Wissenscommunity