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Aufsteiger: Erstes Bundesliga-Spiel: Fans von Union Berlin nehmen Bilder von Toten mit ins Stadion

Union Berlin steht vor einem historischen Spiel – der ersten Partie des Vereins in der Bundesliga. Die Fans haben einen Weg gefunden, Anhänger symbolisch an diesem Ereignis teilhaben zu lassen, die es nicht mehr erleben können.

Video: Union freut sich auf die Bundesliga

Lange mussten die Anhänger von Union Berlin darauf warten, am Sonntag ist es endlich soweit: Der Verein aus Berlin-Köpenick bestreitet das erste Bundesliga-Spiel in seiner 53-jährigen Geschichte. In der Relegation machte Union gegen den VfB Stuttgart den Aufstieg klar, jetzt freuen sich Fans und Spieler auf die Premiere im deutschen Fußball-Oberhaus. Das Spiel gegen RB Leipzig können aber viele glühende Anhänger, die vor dem langersehnten Aufstieg ihres Klubs verstorben sind, nicht mehr miterleben.

Die Fans der Eisernen haben aber einen Weg gefunden, auch diese symbolisch an dem großen Ereignis teilhaben zu lassen. "Endlich dabei" nennt sich die Aktion, bei der Union-Fans Bilder von toten Anhängern ausdrucken und ins Stadion an der Alten Försterei mitnehmen sollen. 

Fans von Union Berlin

Die Fans von Union Berlin freuen sich auf das erste Bundesliga-Spiel

DPA

Union Berlin: Gedenkaktion "Endlich dabei" für tote Fans

Torsten Eisenbeiner vom Fanclub Alt-Unioner hat die Aktion mitorganisiert. "Wir wollten eigentlich schon beim Relegationsspiel gegen Stuttgart Bilder jener Menschen hochhalten, die wir im Herzen tragen. Dann wollten wir aber ein noch besseres Konzept erstellen", sagte er der "B.Z." Eisenbeiner hat schon das bekannte Weihnachtssingen erfunden, bei dem tausende Union-Fans jedes Jahr im Advent an der Alten Försterei gemeinsam Weihnachtslieder singen.

Mehr als 450 Union-Fans sollen nun beim Spiel gegen RB posthum gewürdigt werden. Fans konnten auf einer Website Porträts hochladen, die dann auf feuerfesten Schwarzweiß-Bannern vor dem Anpfiff hochgehalten werden sollen. Für viele Freunde und Angehörige von schon verstorbenen Fans dürfte das ein hochemotionaler Moment werden. "Das bedeutet alles für die ganze Familie", sagte eine Frau, die ein Bild von ihrem toten Ehemann einsandte, dem RBB.

Ein anderer Fan bringt seinen toten Vater zum Bundesliga-Auftakt mit an die Alte Försterei: "Mich hat es geärgert, dass mein Vater die Hoch-Zeit von Union nicht mehr miterleben kann. Umso mehr freut es mich jetzt, dass wir in der Lage sind, wieder zusammen ins Stadion zu 'gehen'."

Während des Spiels wollen die Union-Fans die ersten 15 Minuten lang schweigen und damit gegen die Kapitalisierung des Fußballs – vor allem durch den Gegner RB Leipzig – protestieren. Der geplante Stimmungsboykott hatte für gespaltene Reaktionen gesorgt: Während Spieler wie Neuzugang Neven Subotic und auch Präsident Dirk Zingler als Repräsentant des Vereins die Idee befürworteten, hatte Torhüter Rafal Gikiewicz die Fans aufgefordert, das zu Beginn des Spiels zu unterlassen, um dem Gegner zu zeigen, wer Herr im Haus sei.

Quellen: "B.Z." / "RBB" / dpa

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