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Analyse

Gehaltsverzicht in der Corona-Krise: Der Fußball begreift nur langsam den Ernst der Lage

Löw, Bierhoff, die Profis von Borussia Mönchengladbach – immer mehr Fußball-Akteure verkünden einen Gehaltsverzicht. Der ist dringend nötig und bringt am Ende vielleicht gar nichts.

Die Profis von Borussia Mönchengladbach verzichten auf einen Teil ihres Gehalts

Die Profis von Borussia Mönchengladbach verzichten auf einen Teil ihres Gehalts

DPA

Die Corona-Krise reißt auch den Fußball mit. Ein heiß diskutiertes Thema ist in diesen Tagen deshalb der Gehaltsverzicht von Fußball-Profis - als vorbeugendes Mittel, um die möglichen finanziellen Engpässe der Vereine besser zu überbrücken. Auf der Insel hat der schottische Club Heart of Midlothian seine Spieler gebeten, die Gehälter bis auf Weiteres um die Hälfte zu kürzen, damit der Verein ohne gesicherte Einnahmen überlebt. Ohne reduzierte Personalkosten funktioniert das nicht.

Auch in Deutschland gibt es die ersten – freiwilligen – Gehaltskürzungen bei der Nationalmannschaft und in der Bundesliga, weil alle Akteure langsam begreifen, wie ernst die wirtschaftliche Lage ist, selbst wenn man die Saison mit Geisterspielen zu Ende spielen könnte.

Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Direktor Oliver Bierhoff gehen mit gutem Beispiel voran, um den Verband zu entlasten. Gegenüber DFB-Präsident Fritz Keller haben Löw und Bierhoff ihre Bereitschaft angedeutet, auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten zu wollen. Das kann der DFB gut gebrauchen, denn er hat sich bereit erklärt, für die Regional- und Landesverbände ein finanzielles Notprogramm aufzusetzen.

Watzke verzichtet, solange der der Ball nicht rollt

In der Bundesliga hat BVB-Chef Hans-Joachim Watzke laut "Kicker" eine Reduzierung seines Gehalts von einem Drittel vorgeschlagen - so lange der Ball in der Bundesliga nicht rollt. Bei Borussia Mönchengladbach haben sich Spieler, Trainerstab und Funktionäre zu einem Gehaltsverzicht bereit erklärt. Es soll um eine Ersparnis von über einer Million Euro im Monat gehen, rechnete die "Rheinische Post" aus. Auch der Torwart von Union Berlin, Rafael Gikiewicz will verzichten.

In der 2. Liga haben sich als erste die Spieler des Karlsruher SC bereit erklärt, weniger zu kassieren. Grundsätzlich wird in allen Klubs über solche Möglichkeiten nachgedacht, auch, wenn sich die meisten vorerst bedeckt halten.

Denn aktuell spielt die Liga auf Zeit. Während die englische Premier League am Donnerstag verkündete, mindestens bis zum 30. April zu ruhen, hat die Bundesliga bislang lediglich bis zum 2. April eine Pause beschlossen. Dass die Frist verlängert wird, ist allerdings sicher – nur für wie lange?

Fortsetzung der Saison hat absolute Priorität

Für die Vereine hat es absolute Priorität, die Saison regulär zu Ende zu bringen. Angedacht sind die ungeliebten Geisterspiele, um wenigstens die TV-Einnahmen einzustreichen. Verzichten müssen die Vereine in diesem Fall nur auf die Zuschauereinnahmen. Doch wie wahrscheinlich die Gedankenspiele sind, lässt sich nicht seriös voraussagen. Was passiert, wenn in der Nachholphase in einer Mannschaft ein Corona-Fall auftritt und das Team oder einige Spieler in Quarantäne müssen? Die Partie müsste erneut abgesagt werden. Und dann endgültig.

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Das könnte den Abbruch der Saison bedeuten – ein Horrorszenario. Gehaltsverzicht würde in so einem Fall wohl auch nicht mehr weiterhelfen. Watzke warnte im Fußball-Magazin "11Freunde" vor den dramatischen Folgen, sollte die Spielzeit nicht regulär zu Ende gebracht werden: "Ansonsten wird es finanziell für zu viele Vereine so dramatisch, dass sich Dinge im Fußball verändern werden, an die man jetzt nicht einmal denken mag."

Quellen: "Kicker", "11Freunde", "Rheinische Post"

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