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Sieg gegen Portugal Endlich mal wieder Recht behalten: Wie Löws Matchplan aufging

Joachim Löw gegen Portugal: Hoch gepokert, viel gewonnen
Joachim Löw gegen Portugal: der Frankreich-Elf vertraut, hoch gepokert, viel gewonnen
© Matthias Schrader / Getty Images
Zwei Außenverteidiger kurbeln beim 4:2 gegen Portugal mit viel Leidenschaft das deutsche Offensivspiel an – zugleich zeigt die Abwehr deutliche Schwächen, sobald die Stammkräfte vom Feld gehen. Einer jedenfalls zeigte es diesmal seinen Kritikern: Joachim Löw.
Der 4:2-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal war nicht nur eine Erlösung für diejenigen, die 90 Minuten auf dem Rasen geschuftet hatten. Nach der Partie ging auch Oliver Bierhoff, der Manager des DFB-Teams, an den Spielfeldrand und warf den Fans auf der Tribüne Kusshändchen zu. Bundestrainer Joachim Löw, sein Assistent Marcus Sorg – sie alle wirkten gelöst an diesem Samstagabend in der Münchener Allianz Arena.
Vor allem Löw. Mit weit aufgeknöpftem Hemd saß er in der Pressekonferenz und sagte: "Wir haben heute das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Ich bin sehr zufrieden."

Joachim Löws Matchplan ging auf

Für Löw war dies wohl die wichtigste Erkenntnis: Dass sein Matchplan aufging, dass die Mannschaft ihre Lehren gezogen hat aus der 0:1-Niederlage gegen Frankreich und vor allem in der Offensive wie ausgewechselt wirkte. Er setzte trotz einiger Kritik unter anderem von Jürgen Klopp und Michael Ballack auf die gleiche Startelf, er schenkte dem Team Vertrauen. Und es zahlte zurück. Ausgerechnet zwei Außenverteidiger kurbelten das deutsche Angriffsspiel an: Joshua Kimmich über rechts, Robin Gosens über links. Eine scharfe Hereingabe von Gosens (35. Minute) führte zu einem Eigentor von Ruben Dias (1:1); spiegelverkehrt flankte Kimmich stramm in den Strafraum, wo Raphael Guerreiro das nächste portugiesische Eigentor schoss (39. Minute, 2:1). Gosens legte später noch für Havertz auf (51. Minute, 3:1), bevor er dann selbst per Kopf traf (60. Minute, 4:1).
Die Defensive ist die neue Offensive, könnte man nach diesem Spiel meinen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Räume auf dem Flügel boten sich für Kimmich und Gosens nur, weil das Angriffstrio Müller, Havertz und Gnabry die portugiesische Abwehr ständig auf Trab hielt. Vor allem Müller war viel unterwegs. Er kam zwar selbst nicht zum Abschluss, was ihn aber nicht zu frustrieren schien. Müller sprintete und grätschte durch Portugals Strafraum, als wäre er noch ein A-Jugendspieler, der sein erstes Spiel bei den Profis macht und mit Fleißarbeit auf sich aufmerksam machen will.

Müller, Gnabry und Havertz schwer dingfest zu machen

Müller, Havertz und Gnabry waren auch deshalb so schwer dingfest zu machen von den portugiesischen Verteidigern, weil sie permanent rotierten – und weil sie viel besser in Szene gesetzt wurden von den beiden Sechsern Kroos und Gündogan als noch im Frankreichspiel.
Zu den Erkenntnissen des Abends gehört aber auch, dass die deutsche Abwehr nur in der Stammbesetzung Ginter, Hummels und Rüdiger verlässlich arbeitet. Als Joachim Löw die beiden Reservisten Süle und Can einwechselte, ging die Präzision verloren. Portugal drehte nochmal auf und verkürzte auf 2:4; freundlich assistiert von der deutschen Defensive. Vor allem Emre Can wirkte verunsichert, und Süle beschränkte sich auf kurze Sicherheitspässe. Ganz anders als Mats Hummels, der zuvor oftmals das Spiel mit weiten Bällen eröffnet hatte.
Die Auswechselungen von Hummels und Gündogan waren nicht auf die Experimentierfreude des Bundestrainers zurückzuführen, sondern hatten ernste Gründe: Hummels klagte über Schmerzen an der Patellasehne, Gündogan über muskuläre Probleme in der Wade. Keine guten Nachrichten für den Bundestrainer, der seine Stammkräfte dringend benötigt. Die Zeit zur Regeneration ist kurz – bereits am Mittwoch (21 Uhr) spielt Deutschland gegen Ungarn. Mit einem Sieg wäre das DFB-Team sicher im Achtelfinale.
tis

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