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Kolumne

Rot-weiß - die Bayern-Fan-Kolumne: Die Konkurrenz hat nur große Töne gespuckt: Schickt die Schale sofort nach München

Die anderen Top-Mannschaften schwächeln und die Bayern spielen gegen Stuttgart ihre bekannten Stärken aus. Wer dachte, die Konkurrenz sei stärker geworden, sieht jetzt klarer: Die Meisterschaft ist schon wieder entschieden.

Von Stefan Johannesberg

An einfachen Stellschrauben gedreht: Die Bayern-Spieler jubeln mit dem Torschützen Robert Lewandowski (3.v.r.) über dessen Tor zum 2:0 gegen Stuttgart

An einfachen Stellschrauben gedreht: Die Bayern-Spieler jubeln mit dem Torschützen Robert Lewandowski (3.v.r.) über dessen Tor zum 2:0 gegen Stuttgart

DPA

"Die ersten 25 Minuten haben wir das ganz gut gemacht“, so Mario Gomez direkt nach dem Spiel vor den Sky-Mikrofonen. Was der unsichtbar in der Luft hängende Stürmer eigentlich sagen wollte: Die ersten 25 Minuten haben die Bayern ihre neue Mittelfeldstruktur mit Thiago statt Martinez auf der Sechs und den zwei Raumschleichern Müller und Goretzka getestet und justiert, um im richtigen Moment die Lücke in Stuttgarts lächerlich-feigem 4:5:1 zu finden. Auf 90 Minuten gesehen gewann Nico Kovac am Samstag in Pep-Manier mit knapp 80% Ballbesitz, während sich die Gegner über ein paar Minuten ohne Großchancen und Gegentore freuten.

Große Töne, nichts dahinter

Dabei war nach den harten Ansagen von Nagelsmann und dem ebenso harten Kampf seines Teams im ersten Saisonspiel Hoffnung aufgekeimt, die Bundesliga hätte endlich ihre Demut der letzten Jahre abgelegt. Wie kleine Fanboys saßen die gegnerischen Trainer ab 2013 regelmäßig neben Trainergott Guardiola auf den Pressekonferenzen und guckten ganz verliebt. Ihre Spieler bestaunten jeden Zuckerpass von Herrn Alonso mit gebührendem Respekt, liefen lahmer an dem 80-jährigen Lahm vorbei als eine Kreisklassen-Diva und attackierten so sanft wie beim Schattenboxen. Selbst ein Mundwinkelzucken des später mittelmäßig erfolgreichen Nachfolgers Carlo Ancelotti wog schwerer als ganze Reden von den anderen Trainern  - vom überraschenden Comeback des Triple H ganz zu schweigen.

Jetzt, 2018, im Jahr des Umbruchs, schienen die Bayern zum ersten Mal angreifbar. Ein junger Coach, fehlende Millionentransfers und vermeintlich satte Nationalspieler sollten doch zumindest für ein wenig Spannung im Titelkampf sorgen. Falsch gedacht - und die Gründe liegen seit dem Wochenende auf der Hand. Tipp: Es liegt nicht nur an fehlenden Eiern.

Kovac, das smarte Schlitzohr

Zuerst belächelt ob seines taktischen Tunnelblicks dreht der Kroate geschickt an den einfachsten Stellschrauben: Fitness, Verteidigung bzw. Gegenpressing und Einsatz. Die Verbesserung in diesen drei Elementen des Spiels ist in den ersten beiden Saisonspielen offensichtlich. Gegen Hoffenheim zogen sich die Bayern ab Mitte der zweiten Halbzeit mit Power selbst aus dem Sumpf. Auch wenn jeder und seine Mutter den allein wegen Nordveidts Dummheit berechtigten Elfmeter thematisierte, so baute Hoffenheim nach der Drangphase körperlich rasant ab, während die Bayern mit voller Wucht weiterspielten.

Das verbesserte, aggressivere Gegenpressing stabilisiert die Defensive merklich und so kann sich Kovac - wie gegen Stuttgart - erlauben, den wundervollen Thiago auf der Sechs das Spiel lenken und ohne seinen schnellsten Innenverteidiger verteidigen zu lassen. Der Spanier als Fixpunkt gibt Kovac im Mittelfeld zudem die Möglichkeit, neben Müller einen weiteren offensiven Spieler (Goretzka) ins klassische 4:3:3 oder 4:1:4:1 einzubauen und Abräumer Martinez Pausen zu gönnen. So wirkte sein Team gegen Stuttgart vertikal zwar noch nicht passsicher wie zu besten Zeiten, doch mit Müller und Goretzka in Strafraumnähe landeten die zweiten Bälle meistens bei den Bayern und jeder Ball in die Mitte war potentiell gefährlich. Das smarte Schlitzohr Kovac dreht also an wichtigen Schrauben, behält aber die klassische Grundordnung des Teams bei.

Der wichtigste, taktische Schachzug dafür gelang ihm bereits im Juli: die Verlängerung von Co-Trainergott Peter Hermann. Es ist nicht überliefert, wer sich die taktische Meisterleistung im Rückspiel gegen Real Madrid ausdachte, doch dass die Bayern mit James, Thiago und Tolisso das Star-Mittelfeld um Kroos und Modric dominierten, steht außer Frage - mit einem großen Anteil von Hermann. Und so hat Kovac einen erfahrenen Kollegen an seiner Seite, der ihn langsam in die Feinheiten des Bayern-Ballbesitzfußball einführt.

Frankc Ribéry (l.) hat im Spiel gegen Hoffenheim einen Elfmeter geschunden

Koan TV-Geld, koane Investoren - koane Chance

Zu guter Letzt treten er und Brazzo so hart und klar auf, als passe zwischen die beiden noch nicht mal ein tödlicher Pass von Uwe Bein. Der gesamte Verein wirkt sportlich - trotz der Probleme zwischen Kalle und Uli - wie eine Einheit (kennen die jungen Leute eigentlich noch den FC Hollywood?).

Keita, Gnabry, Goretzka, Meyer, Kehrer, Henrichs, Batshuayi und beinahe auch Pulisic: Der Aderlass der Bundesliga-Teams nimmt langsam Fahrt auf wie Süle. Schon seit zwei, drei Jahren prognostiziert fegen nun die TV- und Investorengelder-verwöhnten Klubs aus England, aber auch Spanien und Italien die Transfermärkte leer. Das Resultat: Die deutschen Top-Klubs verlieren ihre besten Spieler und ziehen auch im Kampf um die Top-Leute aus der zweiten Reihe oft den Kürzeren. Leipzig zum Beispiel verliert mit Keita das Herzstück und scheitert an den Verpflichtungen von halbwegs vernünftigem Ersatz (Rudy, Lookmann). Der Tabellenzweite, Schalke 04, verliert mit Kehrer, Meyer und Goretzka gleich drei wichtige Spieler und die Liste ließe sich ewig fortsetzen.

 
Die Bayern-Fan-Kolumne

Die aktuelle B-Elf des FCB vom Wochenende wäre daher trotz diverser Abgänge der Münchener immer noch besser als die meisten in Bestbesetzung. Glaubst du nicht?

Ulreich - Rafinha, Süle, Mai, Tolisso - Martinez, James, Sanches - Gnabry, Evina - Wagner

Geld schießt eben Tore und ohne die Aufhebung der 50+1-Regel bleibt die Bundesliga der SC Freiburg der Fußballligen. Eine Durchgangs- und Ausbildungsliga. Nimmt man dazu noch die Trainerwechsel in Dortmund und Leipzig, die kommende Dreifachbelastung oder das Karma der notorischen Vizemeister aus Schalke und Leverkusen, kann Bayern ab kommender Woche bereits Spieler schonen. Also, schickt die Schale nach München, Widerstand gibt es eh nicht.

tis

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