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Im Elfmeterschießen Pokal-Sensation: Holstein Kiel blamiert den großen FC Bayern

Spieler von Holstein Kiel laufen jubelnd auf die Kamera zu
Die Sensation ist perfekt: Kieler Spieler bejubeln den Sieg im Elfmeterschießen gegen den großen FC Bayern.
© Stuart Franklin / Getty Images
Pokal-Sensation durch Holstein Kiel: Der Zweitligist hat den Rekord-Pokalsieger FC Bayern aus dem Wettbewerb geworfen. Zweimal glichen die "Störche" eine Führung der Münchner aus. Im Elfmeterschießen behielten die Kieler die Nerven.

Der FC Bayern München ist sensationell aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Gegen den Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel verlor der Triple-Gewinner am Mittwochabend im Elfmeterschießen. Kiels Finn Bartels verwandelte den entscheidenden Elfmeter gegen Nationaltorwart Manuel Neuer. Zuvor war Münchens Marc Roca an Holstein-Keeper Ioannis Gelios gescheitert.

Für die Münchener war es das erste Aus in der zweiten Runde seit über 20 Jahren und das erste gegen ein klassentieferes Team seit 17 Jahren. "Das ist ein außergewöhnliches Erlebnis. Das ist etwas, an was man sich noch in vielen Jahren erinnert", sagte Holsteins-Trainer Ole Werner im TV-Sender Sky. "Wir haben immer daran geglaubt, dass wir hier die Überraschung schaffen können", ergänzte Matchwinner Bartels in der ARD. Im Achtelfinale treffen die Kieler nun Anfang Februar auf den Ligarivalen Darmstadt 98.  

FC Bayern: Abwehr erneut nicht sattelfest

Nach 90 Minuten und der Verlängerung hatte es 2:2 (1:1) gestanden. Serge Gnabry (14.) aus nicht geahndeter Abseitsposition und Leroy Sané (48.) per herausragendem Freistoß hatten den Pokal-Rekordgewinner zweimal in Front gebracht. Den mehr als gleichwertigen Kielern gelang durch Fin Bartels (37.) und Kapitän Hauke Wahl in der fünften Minute der Nachspielzeit jeweils der Ausgleich.   

Das Starensemble aus München hatte im Schneeregen gegen den Zweitliga-Dritten mehr Mühe, als ihnen lieb war. Immer wieder deckte der Außenseiter aus dem hohen Norden die Schwächen in der Abwehr des deutschen Rekordmeisters auf, die sich wie schon in den letzten Bundesligaspielen als wackelig erwies. "Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir mit irgendwelcher einer Larifari-Einstellung das Spiel abgeschenkt hätten", wehrte sich Thomas Müller aber gegen Kritik an einer mangelnden Einstellung.

Gnabry trifft aus dem Abseits

Bayern-Trainer Hansi Flick setzte in Kiel auf Rotation. Er veränderte seine Startelf im Vergleich zum 2:3 bei Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga gleich auf fünf Positionen. Unter anderen ließ er Weltfußballer und Torjäger Robert Lewandowski und Abwehrchef David Alaba zunächst auf der Bank. Dafür rückte Gnabry nach seiner Schienbeinprellung wieder ins Angriffszentrum. Mittelfeldspieler Leon Goretzka hatte nach einem Schlag auf die Wade auf die Reise in den Norden kurzfristig verzichtet. 

Trotz der Umstellung hatten die Gäste von Beginn an mehr Spielanteile. Doch für klare Torchancen gegen die stabile Defensive der Kieler fehlten ihnen zu oft die Ideen. Die Führung fiel daher überraschend - und mit Glück. Holstein-Keeper Ioannis Gelios bugsierte nach einem Kopfball von Thomas Müller den Ball unglücklich zu Gnabry (14.). Allerdings stand der Stürmer bei seinem Treffer im Abseits. Schiedsrichter Robert Schröder erkannte dennoch auf Tor. Ein Videobeweis ist in der 2. Runde des DFB-Pokals nicht vorgesehen. 

Kieler ließen Rückstände unbeeindruckt

Die von Trainer Werner exzellent eingestellten Kieler ließ der Rückstand unbeeindruckt. Sie versuchten, auch mit spielerischen Mitteln dagegen zu halten. Müller (35.) hatte noch eine gute Möglichkeit vor der Pause, um zu erhöhen. Doch zwei Minuten danach ließ Bartels nach einem langen Pass von Jannik Dehm die lückenhafte Bayern-Deckung stehen und Nationaltorwart Manuel Neuer keine Chance. "Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft", sagte Kiels Vizepräsident Wolfgang Schwenke in der Pause im TV-Sender Sky. 

Die zweite Halbzeit begann für die Gastgeber mit einem Rückschlag: Sané traf per Freistoß aus 20 Metern zur erneuten Führung. Aber auch diesmal ließen sich die Kieler nicht entmutigen und brachten die Bayern-Abwehr regelmäßig in Verlegenheit. Alexander Mühling vergab nur zwei Minuten nach dem Rückstand die Ausgleichschance. 

Klassenunterschied war nicht zu bemerken

Von einem Klassenunterschied war nichts zu sehen. Nur Jamal Musiala (67.) prüfte Kiels Schlussmann Gelios, der den Ball noch an den Pfosten lenkte. Ansonsten bestimmte der Außenseiter das Geschehen im Schneeregen. Nach 74 Minuten reagierte Bayern-Trainer Flick und brachte unter anderen Torjäger Lewandowski. Die Kieler ließen nicht nach und belohnten sich in der Nachspielzeit durch den Treffer von Wahl. 

In der Verlängerung wurde der Favorit aus dem Süden dominanter, scheiterte jedoch an den aufopferungsvoll kämpfenden Kielern und an Torwart Gelios. Die Entscheidung musste im Elfmeterschießen fallen. Dort verwandelten alle Kieler Schützen souverän.

dho DPA

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