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Europa League-Playoffs: Halbzeit-Tumulte bei Frankfurt gegen Straßburg: "Der Trainer hat auch zugeschlagen"

Aufgeheizte Stimmung auf den Rängen, Provokationen auf dem Platz: Es war eine heiße Europapokal-Nacht in Frankfurt. Zu heiß für manchen – speziell nach der Roten Karte für Ante Rebic. Eintracht-Sportdirektor Hübner erhebt schwere Vorwürfe.

Theatralisch oder berechtigt? Wurde Straßburgs Torhüter Matz Sels tatsächlich so schwer von Ante Rebic (im Hintergrund) getroffen wie es hier den Anschein hat? Nach der unfairen Aktion wurde Rebic vom Platz gestellt.

Theatralisch oder berechtigt? Wurde Straßburgs Torhüter Matz Sels tatsächlich so schwer von Ante Rebic (im Hintergrund) getroffen wie es hier den Anschein hat? Nach der unfairen Aktion wurde Rebic vom Platz gestellt.

Getty Images

Ob die Rote Karte für Eintracht Frankfurts Stürmer Ante Rebic kurz vor der Halbzeit berechtigt war oder nicht, darüber wird auch am Tag danach noch lebhaft diskutiert. Klar scheint: Die Aktion des durch eine vorangegangene Trainer-Schelte möglicherweise übermotivierten kroatischen Nationalspielers war unfair und der sich anschließende Platzverweis - durch ein mutmaßlich übermäßig ur Schau gestelltes Leiden von Straßburgs Torhüter Matz Sels zusätzlich provoziert - ließ die Situation in der ohnehin aufgeheizten Stimmung des entscheidenden Playoff-Spiels um die Teilnahme an der Europa-League-Gruppenphase eskalieren.

Der Sportdirektor der Eintracht, Bruno Hübner, erhob nach dem Spiel gegenüber dem TV-Sender RTL Nitro jedenfalls schwere Vorwürfe den Straßburger Coach Thierry Laurey: "Die Offiziellen von Straßburg müssen sich schon überlegen, was sie da machen. Der Trainer der gegnerischen Mannschaft hat auch zugeschlagen", sagte Hübner, der die zweite Hälfte von der Tribüne verfolgen musste. Zuvor soll übereinstimmenden Medienberichten zufolge allerdings Eintracht-Spieler Filip Kostic im Kabinengang auf den sich Minuten zuvor auf dem Rasen wälzenden Sels losgegangen sein. Von Schubsereien, Rangeleien und Beleidigungen ist die Rede. "Auch die Schiris bekamen ihr Fett weg", sagte der Frankfurter Sebastian Rohde ins Sport-1-Mikrofon. Schließlich soll der Coach der Elsässer handgreiflich geworden sein.

Eintracht-Keeper Trapp: "Das geht einfach nicht"

"Was in der Halbzeit los war, geht eben einfach nicht", urteilte Eintracht-Torwart Kevin Trapp gegenüber RTL Nitro über die tumultartigen Szenen. Von Anfang an, so die Lesart der Frankfurter, habe die Straßburger Mannschaft auf dem Platz provoziert. "Ich weiß nicht, wer sie glauben, wer sie sind. So wie sie sich aufgespielt haben, hatte man das Gefühl, dass sie die Champions League gewonnen haben", so Trapp weiter. "Wir müssen trotzdem fair bleiben."

Das klappte dann allerdings auch nicht so ganz. Zehn Minuten nach der Pause flog auch der Straßburger Profi Dimitri Lienhard vom Platz - wegen einer Tätlichkeit gegen Dominik Kohr. Das passierte allerdings wohl nicht ganz zufällig. "In der Halbzeit wurde besprochen, dass einige Spieler Gelb hatten von den Gegnern; ja, es hat funktioniert, dass einer dann 'ne rote Karte bekommen hat", gab der gefoulte Kohr auf Sport 1 zu Protokoll. "Und ja, man hat das Gefühl gehabt, dass die Gegner heute Angst hatten vor uns."

Provokation als legitimes Mittel

"Dominik hat das natürlich auch ein bisschen provoziert", machte Eintracht-Sportdirektor Fredi Bobic nach dem Spiel keinen Hehl aus der aggressiven Taktik seiner Mannschaft. "Er ist ein bisschen härter eingestiegen, da bekommt er ja auch die gelbe Karte für. Was dem Straßburger Spieler passiert ist, ist eigentlich das, was dann nicht mehr passieren darf, dass du dich da provozieren lässt." Planen lasse sich eine solche Szene nicht, aber es habe zur Taktik gehört, auf eine solche Szene hinzuarbeiten, indem "wir weiter hart rangehen".

"Es gibt in der Europa League ja keinen Videobeweis", gibt Bobic bei Sport 1 weitere Einblicke in die Überlegungen der Frankfurter. "Das tut mir manchmal ja fast schon leid, aber das ist der Fußball, den wir lieben. Auch mit Fehlern. Aber das haben wir natürlich sehr gut ausgenutzt." Eintracht-Coach Adi Hütter, der selbst mit einer gelben Karte verwarnt wurde, ließ ebenfalls wissen, dass Provokation durch hartes Einsteigen zum Matchplan für die zweite Hälfte gehörten. Das Fazit des Österreichers: "Der Gegner hat das von der ersten Minute an gemacht. Gott sei Dank, ist es alles zu unseren Gunsten ausgegangen."

Quellen: Sport 1, RTL Nitro, "Bild"

dho

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