VG-Wort Pixel

Protest gegen Kollektivstrafen Hass-Plakate gegen Hopp: Fanprojekt-Sprecher befürchtet "Spirale der Eskalation"



Bayern-Fans sorgen beim Auswärtsspiel in Sinsheim für einen Eklat.


Aus Solidarität mit BVB-Anhängern, die nach Schmähungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp mit Kollektivstrafen belegt wurden, zeigen auch die Münchner Ultras beleidigende Spruchbänder.


Schiedsrichter Dingert unterbrach die Partie daraufhin zweimal.


Nach fast 20-minütiger Pause kehrten die Teams auf den Rasen, schoben sich in Absprache mit Dingert aber nur noch den Ball hin und her.


Die Reaktionen im Netz fallen sehr unterschiedlich aus.


Einen nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag zur Güte macht dieser Fußballfan ...
Mehr
Durch die deutschen Stadien rollt eine Protestwelle gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, der sich auch gegen Kollektivstrafen durch den DFB richtet. Experten befürchten eine "Spirale der Eskalation".
<br/>

Die Protestwelle deutscher Ultragruppen gegen den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp und die Kollektivstrafen durch das DfB-Sportgericht für BVB-Anhänger weitet sich aus. Neben den Bayern-Ultras beteiligten sich am Wochenende auch Anhänger von Union Berlin, dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund daran, zum Teil mit Spruchbannern ("Hurensohn"), in Berlin-Köpenick und in Sinsheim beim Auswärtsspiel der Bayern auch mit dem Plakat, das Hopp in einem Fadenkreuz zeigt.

Aber wie geht es jetzt weiter? Michael Gabriel, Chef der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), ist pessimistisch und befürchtet "eine Spirale der Eskalation". "Ich glaube, dass alle Beteiligen schauen müssen, dass man diese Spirale stoppt", sagte der Diplom-Sportwissenschaftler der Deutschen Presse-Agentur. Man müsse nach Möglichkeiten suchen, miteinander ins Gespräch zu kommen. "Wenn das nicht passiert, dann steht tatsächlich die Befürchtung, dass wir auf sehr unruhige Zeiten zusteuern", warnte Gabriel. 

Gabriel: Ultras ärgern sich über Vergleich mit Rassismus

"Die Plakate stellen eindeutig eine Beleidigung in einer unangemessenen Ausdrucksform dar", sagte Gabriel. "Ich habe aber den Eindruck, dass die Kategorien da ein bisschen durcheinander geraten sind. Diese Beleidigungen in den Kontext mit dem rassistischen Anschlag von Hanau zu setzen oder mit Diskriminierung gleichzusetzen, das stößt in den Fanszenen auf sehr viel Unverständnis und Irritationen."

Christian Arbeit, Pressesprecher von Union Berlin, warnt ebenfalls vor heißen Wochen: "Wir befinden uns erneut im Bereich einer weiteren symbolischen Auseinandersetzung, die sich löst von den ursprünglichen Kontexten. Es wird sehr schwer damit umzugehen sein in den nächsten Wochen", sagte Arbeit nach dem 2:2 gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag. "Das haben wir im Bereich der Pyrotechnik seit vielen Jahren erlebt. Das ist eine ähnlich symbolische Ausdrucksform. Wir werden alle damit in den nächsten Wochen zu tun haben und müssen damit umgehen."

Arbeit kritisiert wie Gabriel, dass einige Dinge vermischt werden, die seiner Meinung nicht zusammengehören: "Es ist ein Thema, dass wir in eine Situation kommen, wo alles durcheinander gerät", sagte er. "Wie ist das Vorgehen, wenn es eine allgemeine Schmähkritik ist. Man sieht wie die Dinge verschwimmen auch durch die Häufung und die Zuspitzung."

Im Stadion An der Alten Försterei halten Union-Fans Banner mit dem Schriftzug "Hurensohn" und dem Abbild von Dietmar Hopp hoch
Im Stadion An der Alten Försterei halten Union-Fans Banner mit dem Schriftzug "Hurensohn" und dem bekannten Bild von Dietmar Hopp im Fadenkreuz hoch
© Andreas Gora / DPA

Hopps Anwalt fordert bundesweites Stadionverbot

In einer Stellungnahme hatte sich die Union-Ultra-Gruppierung "HammerHearts 2004" gerechtfertigt. Genau wie die Bayern-Ultras am Samstag weisen sie ausdrücklich darauf hin, dass der Protest mit Hopp im Fadenkreuz "keine Morddrohung sei. "Er ist aber ganz klar provokant und kritisiert eine Person und eine stetige Entwicklung. Heute steht er jedoch vor allem entgegen schleichender Zensur und für die Ausdrucksfreiheit der Kurven."

Dietmar Hopps Anwalt Christoph Schickhardt sieht das anders: Er hat ein bundesweites Stadionverbot für die Übeltäter ins Gespräch gebracht. "Das Verbandsrecht kann ein Stadionverbot aussprechen, ein bundesweites Stadionverbot. Das ist ein sehr scharfes Schwert", sagte der 64-Jährige aus Ludwigsburg am Sonntagabend in der SWR-Fernsehsendung "Sport im Dritten". 

Der Jurist hat in den vergangenen Jahre verschiedene Bundesligisten bei Verhandlungen vor dem DFB-Sportgericht vertreten. Schickhardt sprach sich für Modelle wie das "Kick it out" in Großbritannien aus, wo zum Beispiel rassistische Vorfälle angezeigt werden können. "Das Muster aller Lösungen ist die Selbstreinigung. Die Fans müssen diese Leute ausschließen. Die Fans sind die Lösung", sagte er.

tis DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker