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Übernahme der Polizeikosten: Klage gegen DFL: Rummenigge kritisiert Werder Bremen scharf

Werder Bremen will gegen die DFL klagen – und wird dafür von anderen Vereinen scharf kritisiert. Die DFL-Mitgliederversammlung hatte zuvor fast einstimmig beschlossen, dass Werder die Polizeikosten für Hochrisikospiele allein trägt.

Spiele wie gegen den HSV sind in Bremen Hochrisikospiele, die einen größeren Polizeieinsatz erfordern

Spiele wie gegen den HSV sind in Bremen Hochrisikospiele, die einen größeren Polizeieinsatz erfordern  - und das kostet viel Geld.

DPA

Nach der krachenden Niederlage bei der Abstimmung über einen Solidarfonds im Profi-Fußball schaltete Werder Bremens Führungsriege umgehend in den Angriffsmodus. Die deutliche Abfuhr der Erst- und Zweitligisten für den auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga eingebrachten Werder-Vorschlag, die Beteiligung an den Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen auf alle Schultern zu verteilen, stachelte den Kampfgeist der Bremer nur noch mehr an. 

"Um die Interessen von Werder zu vertreten, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als den Rechtsweg zu beschreiten. Wir hätten diese Situation gerne vermieden. Aber wir müssen alles dafür tun, dass der Schaden, den das Land Bremen uns aufbürdet, so gering wie möglich ausfällt", erklärte Klaus Filbry, Werders Vorsitzender der Geschäftsführung, in einer Vereinsmitteilung. 

Es geht darum, dass das Land Bremen dem Verein die Kosten für aufwendige Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen in Rechnung stellt. Werder wollte, dass die Kosten auf alle Klubs der 1. und 2. Bundesliga umgelegt werden, weil sich der Verein durch die Zahlungen benachteiligt sieht.

Rummenigge: Kostenbeteiligung wäre falsches Signal

"Wir haben heute gemerkt, dass es keine Solidarität mit Werder Bremen gibt. Werder steht isoliert da", resümierte Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald beim Verlassen des noblen Tagungshotels vor den Toren Frankfurts. 

Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl Heinz Rummenigge begründete den DFL-Beschluss: "Wir können mit Werder Bremen nicht solidarisch sein, weil es das völlig falsche Zeichen wäre. Wenn wir einen Fonds gründen würden, wäre das eine offene Tür und ein Muss für alle Länder, die Bundesliga zur Kasse zu bitten." 

Gleichzeitig kritisierte Rummenigge die Drohung der Bremer, den Rechtsweg zu beschreiten. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass der SV Werder Bremen die Deutsche Fußball-Liga jetzt sogar verklagen will. In der 19-jährigen Geschichte der DFL, seit ihrer Gründung im Jahr 2000, stellt dieser Schritt ein absolutes Novum dar", sagte er. "Es war ja ein fast einstimmiges Votum aller anwesenden Vereine der Bundesliga und zweiten Liga gegen den Bremer Antrag. Der Solidargedanke war immer eine Stärke aller Mitglieder der DFL, die Werder Bremen auch in dieser Angelegenheit nicht in Frage stellen sollte", sagte Rummenigge.

Hans-Joachim Watzke: Bremer Senat ist auf dem Holzweg

Unterstützung erhielt er von Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Es gibt keinen Grund, den Alleingang der Bremer Landesregierung von Seiten der DFL zu subventionieren. Ich bin der Meinung, dass sich das Land Bremen auf dem Holzweg befindet."  

Von den 34 anwesenden Vereinen – nur die Vertreter der Zweitligisten Hannover 96 und VfL Osnabrück fehlten bei der rund zweistündigen Versammlung in Neu-Isenburg – votierten 32 gegen den Bremer Antrag. RB Leipzig enthielt sich der Stimme.

Die Rechnungen, die zunächst von der DFL beglichen wurden, werden nun an Werder weitergeleitet. Die Hälfte der Gesamtsumme wird dem Bundesligisten allerdings bis zur abschließenden juristischen Klärung gestundet. 

Nationalspieler Joshua Kimmich trägt sein Trikot lieber in der Hose.

DFL will ebenfalls klagen – vor dem Bundesverfassungsgericht

Die DFL will in dem Rechtsstreit auf jeden Fall vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Wann dies geschehen wird, ist offen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte im März entschieden, dass die Bundesländer die zusätzlichen Polizeikosten bei Hochsicherheitsspielen grundsätzlich der DFL in Rechnung stellen dürfen. 

Bis es so weit ist, müssen auch künftige Gebührenbescheide vom betroffenen Verein allein getragen werden. Werder erwägt daher, bei Hochrisikospielen künftig keine Tickets mehr an Gäste-Fans zu verkaufen. "Das ist keine Drohung von uns. Wir sind schon im April von der Polizei Bremen mit diesem Thema konfrontiert worden", sagte Hess-Grunewald. Wäre es damals im Halbfinale des DFB-Pokals zum Nord-Derby gegen den Hamburger SV gekommen, hätten die Bremer 1200 Gäste-Karten nicht verkaufen dürfen. 

Derzeit werden Gebührenbescheide nur vom Bremer Senat erhoben. In Rheinland-Pfalz und Hamburg soll es aber zumindest Überlegungen für eine ähnliche Regelung geben. "Ich glaube, wenn auch andere Vereine davon betroffen wären, müsste man die Situation noch einmal neu bewerten", sagte Werder-Präsident Hess-Grunewald.

tis / DPA

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