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Formkrise des WM-Helden: Das Drama um Mario Götze: am Tiefpunkt der Karriere - und wie er es nicht wahrhaben will

Mario Götze steckt wie sein Team in einer Formkrise. Der 25-Jährige verspielt möglicherweise seine WM-Nominierung - und scheint es nicht wahrhaben zu wollen.

Mario Götze BVB

Mario Götze musste sich die bittere Niederlage von der Ersatzbank aus ansehen. Während sein Team einen blutleeren Auftritt im Revier-Derby gegen den FC Schalke 04 zeigte, war er zur Untätigkeit verdammt. Wieder mal. Wie schon eine Woche zuvor im Spiel gegen Stuttgart gehörte der 25-Jährige nicht zur Startformation. Gegen den VfB kam Götze gar nicht zum Einsatz, im Derby wechselte ihn Trainer Peter Stöger in der 86. Minute ein – beim Stand von 0:2, als die Partie schon längst verloren war. Zuvor hatte Stöger André Schürrle und Jadon Sancho gebracht. Selbst bei den Einwechslungen ist Götze in diesen Tagen nicht erste Wahl.

Dazu passten die Worte Stögers nach dem Derby: "Natürlich ist Mario ein talentierter Spieler, aber nach dem Sieg gegen Stuttgart war klar, dass wir dieser Formation das Vertrauen geben." Auch wenn Stöger die Worte kurz nach einem aufwühlenden Derby vielleicht ein wenig unüberlegt sagte, ist allein die Wahl des Wortes "talentiert" im Zusammenhang mit Götze eine Beleidigung für einen 63-fachen Nationalspieler, der Deutschland vor knapp vier Jahren mit seinem Tor gegen Argentinien zum vierten WM-Titel schoss. Nach dem Aus in der Europa League gegen Red Bull Salzburg hatte Stöger Götze sogar direkt als einen der Hauptschuldigen ausgemacht ("Mit Mario waren wir überhaupt nicht einverstanden").

Mario Götze steht kurz vor dem Tiefpunkt seiner Karriere

Das wäre aus Sicht Götzes alles nicht so dramatisch, wenn nicht die Weltmeisterschaft in Russland anstünde. Im Moment sieht es so aus, als wenn das lange Zeit Undenkbare eintritt und Joachim Löw einen seiner früheren Lieblingsspieler zu Hause lässt. Zu den Testspielen gegen Italien und Brasilien erhielt Götze keine Einladung. Zudem gab es die klare Ansage Löws, dass sich Götze steigern müsse. Nur wie soll er sich zeigen, wenn er nur auf der Ersatzbank sitzt?

Das einst größte Talent des deutschen Fußballs steht vor dem Tiefpunkt seiner Karriere. Dabei war er nach seinen enttäuschenden Jahren bei den Bayern und seiner überwundenen Stoffwechselkrankheit wieder in Form gekommen. Unter Peter Bosz und unter Stöger hat Götze gute Spiele gezeigt, auch wenn er nie unverzichtbarer Stammspieler war. Er sollte nach seiner Erkrankung langsam wieder in Form kommen. In einigen Partien war er bester Mann auf dem Platz. Er zeichnete sich durch Spielübersicht, Ballsicherheit und präzise Pässe aus, sein läuferischer Einsatz stimmte. Was ihm fehlte und noch fehlt, sind Tempo und die Explosivität, die ihn in den glücklicheren Tagen unter seinem großen Förderer Jürgen Klopp ausgezeichnet hatten. Doch auch das schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Es sah so aus, als wäre er wieder auf dem Weg, ganz der Alte zu werden.

Aber nach dem kleinen Zwischenhoch steckt Götze nun wieder mitten in der Krise. Seine Leistungen sind genauso schwankend wie die der gesamten Mannschaft. Ein Tiefpunkt waren seine Auftritte gegen Salzburg. Für einen Spieler seiner Qualität, der um einen Platz im WM-Kader kämpft, waren sie desolat. Und das liegt nicht an den Folgen der Stoffwechselerkrankung. Laut eigener Auskunft ist die Krankheit überwunden und er hundertprozentig fit.

Götze scheint die Realität zu verweigern

Götze selbst scheint eine andere Sicht der Dinge zu haben, oder unfreundlicher ausgedrückt: die Realität zu verweigern. Er verweist gern auf die Formkrise der ganzen Mannschaft: "Es gab den Anschlag, verschiedene Trainer, Leistungsträger haben den Verein verlassen oder waren lange verletzt. Dies sind nur ein paar Gründe dafür, wieso es schwer ist, in dieser Saison eine Stabilität zu erreichen", sagte er in einem Interview. Warum ein Spieler wie er sich aber nicht gegen die Formkrise stemmt und versucht, seine Mitspieler mitzureißen, sagte er nicht. Vielleicht ist das ein Problem: Götze war nie ein Lautsprecher und hat sich als Führungsspieler hervorgetan.

In der Frage, ob er noch an eine WM-Nominierung glaubt, setzt er darauf, dass Löw wisse "welche Erfahrung und Qualität ich habe". Da scheint sich einer auf seine Verdienste in der Vergangenheit zu verlassen. Es hört sich fast so an, als will da einer nicht wahrhaben, dass er seine zweite WM-Teilnahme gerade verspielt. Es ist diesem formidablen Fußballer zu wünschen, dass er irgendwann wieder zu messi-artiger Form findet - am besten noch vor der WM. 

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