Neunter Spieltag Trainer auf der Abschussliste


Huub Stevens, Friedhelm Funkel, Kurt Jara: Welcher Trainer fliegt zuerst, heißt die spannende Frage vor dem neunten Spieltag. Daneben gibt es noch das Spitzenspiel der Bremen gegen Stuttgart.

In der Bundesliga wackeln die Trainerstühle. Nachdem mit Ewald Lienen (Borussia Mönchengladbach) und Armin Veh (Hansa Rostock) bereits zwei Fußball-Lehrer vorzeitig den Dienst quittierten, stehen weitere Kollegen am Wochenende gehörig unter Druck. Huub Stevens (Hertha BSC) und Friedhelm Funkel (1. FC Köln) droht im Falle einer Niederlage die Entlassung. Und auch das direkte Duell der beiden Wackelkandidaten Erik Gerets (1. Kaiserslautern) und Kurt Jara (Hamburger SV) birgt jede Menge Brisanz. Diese Trainer- Diskussionen drängen selbst das Spitzenspiel zwischen Tabellenführer Werder Bremen und dem Dritten VfB Stuttgart in den Hintergrund.

Stevens muss gegen Leverkusen gewinnen

Obwohl es im Vorfeld die branchenüblichen Treueschwüre aus den Chefetagen gab, läuft vor allem für Stevens und Funkel alles auf ein Ultimatum hinaus. Das Erstrunden-Aus im UEFA-Cup bei Groclin Grodzisk und die bisher indiskutable Bundesliga-Bilanz ohne Sieg haben die Stellung des ehemaligen Schalker Trainers vor dem schweren Heimspiel gegen den Zweiten Bayer Leverkusen erheblich geschwächt. "Unsere ganze Konzentration gilt jetzt der Bundesliga, und da müssen wir am Samstag endlich Punkte machen. Dann reden wir weiter", meinte Hertha-Präsident Bernd Schiphorst.

Der neunte Spieltag im Überblick

Werder Bremen

VfB Stuttgart

1860 München

Eintracht Frankfurt

Bor. M'gladbach

Bayern München

1. FC Köln

SC Freiburg

Borussia Dortmund

Hannover 96

VfL Wolfsburg

Hansa Rostock

Hertha BSC

Bayer Leverkusen

1. FC Kaiserslautern

Hamburger SV

FC Schalke 04

VfL Bochum

Kölns Funkel muss auf die Gnade der Fans hoffen

Nicht minder vertrackt ist die Lage für Friedhelm Funkel. Zwar übte die Kölner Clubführung zumindest öffentlich keinen Druck auf den Coach aus und stellte eine weitere Zusammenarbeit in Aussicht, wird aber im Fall eines Misserfolgs vor eigener Kulisse gegen den SC Freiburg wohl dem Druck der protestierenden Fans nachgeben müssen. Fast inständig bat der ehemalige SC- und heutige FC-Manager Andreas Rettig die zunehmend verärgerten Anhänger um Geduld: "Unsere Fans müssen uns helfen und nicht schon nach 20 Minuten ihren Unmut äußern."

Jara bei HSV-Fans unter durch

Zunehmend dünn wird auch die Luft für Kurt Jara. 90 desolate Minuten im UEFA-Cup gegen Dnjepropetrowsk (0:3) reichten aus, um die zuletzt positive Bilanz mit sieben Punkten aus drei Bundesliga- Spielen vergessen zu machen. Ähnlich wie in Berlin und Köln formiert sich bei den Fans eine Fraktion, die dem Coach die Gefolgschaft verweigert. "Unser Fußball ist schlecht, darum muss der Trainer weg", skandierten in die Ukraine mitgereiste HSV-Anhänger vor dem Abflug zurück in die Heimat. "Wenn wir in Kaiserslautern eine Klatsche kriegen, muss man sehen, was passiert", entgegnete der HSV-Vorsitzende Bernd Hoffmann am Donnerstag auf die Frage, ob Jara weiter fest im Sattel sitzt.

Auch Gerets Stuhl in Lautern wackelt

Dritter im Bunde der UEFA-Cup-Geschädigten ist Erik Gerets. Nach dem frühen Aus gegen den FK Teplice geht Kaiserslautern erneut stürmischen Zeiten entgegen. Für den Trainer dürfte die Partie gegen den HSV eine der letzten Bewährungsproben sein. Noch gibt er sich jedoch optimistisch: "Da müssen wir wieder raus kommen und das werden wir wie in der Vergangenheit auch schaffen."

Spitzenspiel in Bremen

Den höchsten Unterhaltungswert verspricht jedoch das Schlagerspiel des 9. Spieltages zwischen Bremen und Stuttgart im Weserstadion. Dafür ist nicht nur die interessante Tabellenkonstellation verantwortlich: Von besonderem Interesse dürfte sein, wie die Werder- Fans die «Abtrünnigen» Mladen Krstajic und Ailton begrüßen werden. Beide Profis unterschrieben in der Länderspiel-Pause überraschend Verträge beim Konkurrenten Schalke 04 und lösten damit einen Streit zwischen beiden Vereinen aus. Werder-Coach Thomas Schaaf glaubt dennoch nicht an einen Leistungseinbruch von Krstajic und Ailton: «Sie wissen schließlich, dass sie unter besonderer Beobachtung stehen.» Werder kann mit einem Erfolg seinen bisher besten Bundesliga-Start aus der Saison 1987/88 toppen und zudem den Rekord von VfB-Keeper Timo Hildebrand (825 Minuten ohne Gegentor) knacken.

DPA

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