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P. Köster: Kabinenpredigt Plan für die Super League ist ein Frontalangriff auf den europäischen Fußball

Ihre beiden Klubs wollen die Super League: Toni Kroos von Real Madrid und Trend Alexander-Arnold vom FC Liverpool
Ihre beiden Klubs wollen die Super League: Toni Kroos von Real Madrid und Trend Alexander-Arnold vom FC Liverpool
© Shaun Botterill / Getty Images
Zwölf große Klubs planen eine eigene Liga. Ein Plan, der den europäischen Fußball in seinen Grundfesten erschüttert und am Ende allen schaden wird – auch den großen Klubs. Sagt stern-Stimme Philipp Köster.

Es muss zwei Andrea Agnellis geben. Einen, der als Präsident des italienischen Branchenführers Juventus Turin am Sonntag den Plan vorstellte, gemeinsam mit dem FC Liverpool, Real Madrid und anderen Großklubs eine Superliga jenseits der Champions League zu gründen. Und einen, der am Montag als Präsident der europäischen Klubvereinigung ECA verlauten ließ, dass "ein geschlossenes Superliga-Modell von der ECA klar abgelehnt wird".

Die bizarre Doppelrolle des schwerreichen Industriellen Agnelli steht sinnbildlich für die Parallelwelt, in die die Platzhirsche des europäischen Fußballs schon seit längerer Zeit abgedriftet sind. Denn die Pläne für eine Liga außerhalb der klassischen Uefa-Wettbewerbe sind ja nicht neu, sondern werden schon seit Jahren in den feineren Kreisen ausgearbeitet. Entsprechende Berichte wurden bislang halbherzig dementiert, nun wurden sie endlich einmal von den Strippenziehern aus Liverpool, Barcelona und Manchester bestätigt. Eine Liga mit 20 Teams soll gebildet werden, neben den zwölf Gründungsmitgliedern sollten natürlich bitteschön auch noch deutsche Topklubs wie Bayern München, aber auch der französische Meister PSG dabei sein. Jeder der beteiligten Klubs soll das Vierfache dessen erhalten, was bisher der Gewinner der Champions League mit nach Hause brachte. Die bisherige Königsklasse wäre dann nur noch ein Wettbewerb zweiter Klasse, ein Abtropfbecken für all die Klubs, die nicht in den erlesenen Kreisen der Topklubs Aufnahme gefunden haben.

Frontalangriff auf sämtliche Strukturen des europäischen Klubfußballs

Es ist dies ein Frontalangriff auf sämtliche Strukturen des europäischen Klubfußballs, nicht nur auf die europäischen Wettbewerbe, sondern auch auf die nationalen Ligen. Das Prinzip, dass die sportliche Leistung in den nationalen Ligen die Basis für die Teilnahme an den internationalen Wettbewerben ist, ist der wichtigste Grundpfeiler des ganzen Systems. Zumindest theoretisch muss jeder Klub diese Chancen besitzen. Mögen die großen Klubs auch spätestens ab dem Viertelfinale der Champions League unter sich sein – das System ist bislang bis zu einem gewissen Maß durchlässig auch für kleinere Klubs wie Borussia Mönchengladbach oder Bayer Leverkusen.

Eine hermetisch abgeschlossene Superliga hingegen dient allein einem Zweck, nämlich die unstillbare Gier der Topklubs nach immer noch mehr Geld. Die angedeutete Möglichkeit, dass sich jedes Jahr weitere fünf Teams qualifizieren könnten, ist nichts mehr als eine lächerliche Farce. Worum es geht, ist eine geschlossene Veranstaltung, in der nicht sportliche Leistung, sondern gute Vermarktbarkeit wichtig ist.

Deshalb sind diese Pläne entlarvend, Da mögen sich Klubs wie der FC Liverpool oder Manchester United auch mit aufwendigen Image-Kampagnen als große Volksvereine inszenieren – die nun veröffentlichten Pläne sprechen eine völlig andere Sprache. Sie dokumentieren, dass den Klubs die anderen Klubs, die Interessen der Fans völlig egal sind. Die Aussicht auf Milliardenerlöse vernebelt zudem die Sicht auf die immensen Risiken einer solchen Liga. Etwa der Frage, wie denn in einem klassischen Ligabetrieb Spannung aufkommen soll, wenn der 12. gegen den 14. oder der 9. gegen 15. in der Tabelle kickt? Und das alles obendrein bei einem nicht vorhandenen Abstiegskampf? Schon die vergleichsweise überschaubaren Gruppenspiele in der Champions League langweilen derzeit die Leute, wie soll das erst bei bedeutungslosen Spielen einer künstlich geschaffenen Superliga sein?

Es braucht eine klare und knallharte Ablehnung der Pläne

Es ist ein gutes Zeichen, dass die deutschen Klubs bislang nicht dabei sind. Es zeugt davon, dass zumindest in den Chefetagen des FC Bayern und von Borussia Dortmund noch nicht alles der Gier nach immer mehr Kohle untergeordnet wird. Es muss aber mehr kommen als nur beredtes Schweigen.

Es braucht eine klare und knallharte Ablehnung der Pläne. Die Verbände, sowohl die Uefa als auch die Nationalverbände, müssen klar machen: Wer sich in einer Superliga zusammenschließt, wird nicht nur aus den europäischen Wettbewerben, sondern auch aus den nationalen Ligen ausgeschlossen. Es ist an der Zeit, dem Größenwahnsinn einiger Klubs eine entschlossene Position entgegenzusetzen, anstatt immer wieder aufs Neue das Knie zu beugen.

Heute ist eine gute Gelegenheit dazu. Am Montag soll nämlich eine Reform der Champions League beschlossen werden, die den großen Klubs ohnehin noch mehr Geld bescheren wird. Die Pläne für eine neue Superliga dienten deshalb auch dazu, maximalen Druck auf die Uefa auszuüben. Diesem Druck muss der Verband standhalten, im Interesse des Fußballs, wie wir ihn kennen.

tis

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