HOME

Vor Fußball-Länderspiel: Gestörte Schweigeminute: "Halt die Fresse"-Rufer wird im Stadion und im Netz gefeiert

Viele TV-Zuschauer hatten wohl den Ton abgeschaltet. Sie kritisierten Serge Gnabry, weil er zum Ende der Schweigeminute vor dem Fußball-Länderspiel grinsen musste. Dabei reagierte er auf einen Mann, der einen Störer zum Schweigen brachte – wie viele andere.

Die Nationalmannschaft gedenkt den Opfern von Halle

Als sich Stille über das weite Rund des Dortmunder Stadions legte, passierte es: Kurz vor dem Fußball-Länderspiel am Mittwochabend wurde eine Schweigeminute für die Opfer der Attacke von Halle an der Saale abgehalten. Plötzlich intonierte mitten in die Ruhe hinein ein Zuschauer laustark die Nationalhymne – deutlich hörbar im weiten Rund ebenso wie in den TV-Aufzeichnungen. Und in diesem Moment völlig unpassend, zumal der Täter von Halle aus rassistischen Motiven handelte, wie Innenminister Horst Seehofer (CSU) früher am Abend festgestellt hatte.

Wenig später verstummte der Mann wieder. Nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil ein mutiger Zuschauer sich ein Herz fasste und den Störer zum Schweigen brachte: "Halt die Fresse!" Beifall brandete auf, gemischt mit kurzem Gelächter vieler Fans. Der Applaus hielt an, bis der Schiedsrichter mit einem schrillen Pfiff die Gedenkminute beendete.

Schweigeminute: Auch Serge Gnabry muss grinsen

Im Mittelkreis hatten sich während des Gedenkens die beiden Mannschaften versammelt und standen Arm in Arm. Groß im TV-Bild: Torhüter Marc-André ter Stegen mit einem Gesichtsausdruck zwischen höchster Konzentration und einem Sich-zusammenreißen. Daneben stand Serge Gnabry, der sich nicht so im Zaum halten konnte. Er musste grinsen, als die Zuschauer das "Halt die Fresse!" mit Applaus unterstützen, und senkte seinen Kopf. 

Obwohl der Nationalstürmer nur reagierte wie viele andere im Dortmunder Stadion und zudem sichtlich versuchte, sein Grinsen zu verbergen, ließen die Twitter-Reaktionen nicht lange auf sich warten: "Gnabry lacht während der Schweigeminute?", heißt es beispielsweise verständnislos in einem Tweet.

Doch die Sache wurde von anderen Usen rasch zurechtgerückt:

Gnabry selbst äußerte sich nach Ende des Spiels nicht zu der Episode. An den Reportern in der Mixedzone soll er wortlos vorbeigelaufen sein. Während des Spiels hatte sich der Profi des FC Bayern in guter Form gezeigt und ein Tor zum 2:2 der deutschen Elf gegen Argentinien beigetragen.

dho

Wissenscommunity