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Meinung

Champions-League-Achtelfinale: Tuchels Rückkehr nach Dortmund: Der BVB hätte ihn besser nie gehen lassen!

Die Trennung von Thomas Tuchel im Jahr 2017 ist beim BVB immer noch ein Thema, das gerne totgeschwiegen wird. Denn aus sportlicher Sicht ergibt der damalige Abgang des Trainers, der mit PSG am Abend in Dortmund antritt, bis heute keinen Sinn.

Was haben Hans-Joachim Watzke und Joe Biden gemeinsam? Nun, beide sind in öffentlicher Rede geübt – und beide wenden seit Jahren denselben rhetorischen Kniff an: Sowohl der Geschäftsführer von Borussia Dortmund als auch der ehemalige US-Vizepräsident und aktuelle Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten beziehen sich andauernd auf einen ehemaligen Weggefährten, um in dessen Licht selbst ein bisschen heller zu strahlen.

Während Biden im Vorwahlkampf kaum eine Gelegenheit auslässt, von der Freundschaft zu seinem ehemaligen Vorgesetzten Barack Obama zu erzählen, macht Watzke immer wieder gerne deutlich, wie sehr er bis heute nicht nur der erfolgreichen Zeit des BVB unter Trainer-Halbgott Jürgen Klopp nachtrauert, sondern vor allem seinem Kumpel Klopp höchstpersönlich.

Thomas Tuchel und das brisante Wiedersehen

Aktuelles Beispiel: Vor der Rückkehr des damaligen Klopp-Nachfolgers Thomas Tuchel in den Signal-Iduna-Park streitet Watzke jegliche Brisanz dieses Wiedersehens ab. Es komme ja nicht Jürgen Klopp zurück, und: "Wir werden sicherlich keine großen Freunde mehr im Leben."

Der letzte Zusatz ist bezeichnend, gilt doch das zerrüttete Verhältnis zwischen dem BVB-Boss und dem heutigen Trainer von Paris Saint-Germain als ausschlaggebend für die Trennung im Jahr 2017, die aus sportlicher Sicht so unglaublich wenig Sinn ergab: In seiner zweijährigen Amtszeit ab 2015 führte Tuchel die Dortmunder immerhin zweimal in die Champions League und gewann zudem den DFB-Pokal.

Von nackten Zahlen ganz zu schweigen: Im Fußball-Podcast "MML" erleidet Moderator Micky Beisenherz im Rahmen eines running gags regelmäßig einen kleinen Nervenzusammenbruch, wenn er sich ob der aktuellen Diskussionen um den immer mal wieder umstrittenen BVB-Coach Lucien Favre daran erinnert, dass Tuchels Truppe 2016 mit satten 78 Punkten am Ende trotzdem nur Zweiter hinter den übermächtigen Bayern unter Pep Guardiola wurde. Einen besseren Vizemeister hat es in der Bundesliga nie gegeben.

Kurz: Tuchels sportliche Bilanz in Dortmund war über jeden Zweifel erhaben – weshalb sie als Indiz gelten muss, dass der frühere Mainzer aus anderen Gründen nie wirklich eine Chance beim BVB hatte. Einerseits, weil die Ära Klopp bei den Schwarz-Gelben nicht zu Unrecht von Mythen und Legenden umrankt wird wie keine zweite Zeit der Vereinsgeschichte. Andererseits aufgrund der Männerfreundschaft zwischen Klopp und Watzke, die letzterer bis heute gerne als Maßstab für alles Mögliche anlegt.

Zum endgültigen Bruch mit Tuchel war es kurz nach dem Sprengstoffanschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus im April 2017 gekommen: Es hatte unterschiedliche Auffassungen zwischen dem Trainer und Watzke bei der Frage gegeben, ob die Champions-League-Partie gegen Monaco nur einen Tag nach dem Attentat hätte ausgetragen werden dürfen.

BVB zuletzt unter Tuchel im Viertelfinale

In jenem folgenschweren Frühjahr stand der BVB unter Tuchel letztmals im Viertelfinale der Königsklasse. Dort will der Verein in dieser Saison wieder hin. Der Weg unter die letzten Acht führt ausgerechnet über Tuchels PSG. Watzke glaubt, dass diese ironische Pointe "überhaupt keine Rolle" spiele.

Wenn er sich da mal nicht täuscht. Schließlich könnte heute Abend so manchen Dortmunder Fan, erst recht im Vergleich zu den letzten Trainern von Bosz über Stöger bis Favre, die bittere Erkenntnis ereilen: Den hätte ich besser nie gehen lassen! Das ist zwar nach einer Trennung selten ein gesunder Gedanke. Was das gescheiterte Verhältnis zwischen Tuchel und dem BVB betrifft, hält er aber jeder sachlichen Betrachtung stand.

tim

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