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Fußball-WM 2018: Löw geht zuversichtlich ins Turnier - "Wir werden die richtigen Lösungen finden"

Joachim Löw hat mit seinem Kader die Geschäfte in Moskau offiziell aufgenommen. Der erste Gegner Mexiko beunruhigt ihn nicht. Begleitet wird der Bundestrainer allerdings von einer Debatte, die einfach nicht verebben will. 

Jogi und seine Jungs: Bundestrainer Joachim Löw spricht mit der Mannschaft während des Trainings in Watutinki

Jogi und seine Jungs: Bundestrainer Joachim Löw spricht mit der Mannschaft während des Trainings in Watutinki

DPA

So sieht er also aus, der Platz, an dem der Weltmeister sich in den nächsten Wochen wieder zwischen den Spielen die Form für die Titelverteidigung holen will: Unberührt und plan liegt das Grün da, eingebettet ins Trainingsgelände des sogenannten Armeesportclubs ZSKA Moskau. Neu einsäen ließen die Gastgeber den Untergrund, damit es der deutschen Nationalmannschaft auch wirklich an nichts mangele.

Jogi und seine Jungs: Bundestrainer Joachim Löw spricht mit der Mannschaft während des Trainings in Watutinki

Jogi und seine Jungs: Bundestrainer Joachim Löw spricht mit der Mannschaft während des Trainings in Watutinki

DPA

Die Deutschen betraten also gestern in jeder Hinsicht Neuland, doch wie das so ist bei Neubezügen, der Teufel steckt im Detail: "Wir haben heute festgestellt, dass der Rasen ein paar Zentimeter zu hoch ist, der Platz war etwas stumpf", erklärte Bundestrainer Joachim Löw nach dem Training im großen Saal des Medienzentrums. "Der Julian ist einmal kurz im Training hängen geblieben, konnte aber weiter trainieren, es besteht keine Gefahr fürs Wochenende."

Fußball-WM 2018: Bundestrainer Joachim Löw bei Pressekonferenz in Russland

DFB-Präsident Reinhard Grindel (M.) und Bundestrainer Joachim Löw (r.) bei einer Pressekonferenz in Moskau (Russland)

Getty Images

Die erste Trainingseinheit in ihrer neuen Heimat in der Fremde haben die Deutschen also alles in allem unfallfrei überstanden, und es gibt ja auch kaum Grund zur Beanstandung. Ihr weißes Fitnesszelt schmiegt sich auch dieses Mal an den Trainingsplatz, das Feld ist umschlossen von blickdichten Planen, alles wie gehabt.

Vom brasilianischen Paradies in die russische Realität

Man weiß all das so genau, weil das Training öffentlich zu bestaunen war, ein seltenes Privileg. Die kleine Haupttribüne war dann auch gut besucht von ein paar Hundert Medienvertretern, die eine Anfahrt von fast 40 Kilometern auf sich genommen haben, um den Weltmeister zu bestaunen. Vorbei an riesigen Plattenbausiedlungen fuhren sie in die Peripherie im Süden Moskaus. Wie mächtige Betonfelsen erheben sich die Wohnblöcke überall in den Himmel, auch Watutinki selbst geizt nicht mit Spritzbeton.

 

Des Nationalspielers Auge mag im Teamhotel auf Bäumen ruhen, umschmeichelt wird es dieses Mal nicht, wenn sich Neuer und Kollegen aus dem hermetisch abgeriegelten Komplex zum Trainingsgelände bewegen. Wo die Spieler sich im schon zur Legende aufgestiegenen Campo Bahia in Brasilien vier Wochen zwischen Sandstrand und offenen Hütten in einer Oase paradiesischen Zuschnitts bewegten, schlägt die harte Lebensrealität hunderttausender Russen dieses Mal einem jeden ins Auge, der das Haus verlässt.

Löw vor WM-Start: "Wir haben alles, was wir brauchen"

Doch sie sind ja nicht zum Vergnügen hier, der Bundestrainer hat das in seiner Antrittspressekonferenz noch einmal betont. "Wir haben kein Campo Bahia, wir sind nicht am Meer, das haben wir der Mannschaft vermittelt. Das hat hier den Charme einer guten schönen Sportschule“, erklärte Löw und fügte an: "Das müssen wir annehmen." Keine Energie sollten seine Spieler vergeuden, "man kann das ohnehin nicht ändern." Es fehle ja auch an nichts. "Wir haben alles, was wir brauchen, auch der Koch hat viele Ideen."

Die nächsten Tage sollen dann ohnehin nicht dem Müßiggang gelten, vielmehr soll seine WM-Mannschaft den letzten Schliff verpasst bekommen. Im taktischen Bereich will Löw hierzu den Hebel ansetzen, in Sachen Ausdauer werde man "nicht mehr so umfangreich trainieren". Ab sofort rücke der Gegner Mexiko in den Blickpunkt.

Keinen Zweifel ließ Löw daran, dass seine Elf dann bereit sein wird, gegen das Team aus Mexiko anzutreten. Das sich seit Tagen mit einer handfesten Affäre um eine teaminterne Feier vor dem Abflug nach Moskau herumschlägt, angeblich mit bezahltem Damenbesuch. "Die Mannschaft wird sich noch einmal steigern, das wird ein schwieriges Spiel, aber wir werden die richtigen Lösungen finden", erklärte Löw und klang so selbstbewusst, wie er das im Turnier immer tut.

Keine Pfiffe für Özil und Gündogan - bis Sonntag?

Gut ließ sich die Reise in die russische Hauptstadt in sportpolitischer Hinsicht an. Wie nicht anders zu erwarten bei Journalisten und ein paar hundert dankbaren Kindern, durften sowohl Mesut Özil als auch Ilkay Gündogan gestern in der Öffentlichkeit einmal ohne Pfiffe ihr Tagwerk verrichten. Eine Erwähnung verdient dies allemal, nachdem noch beim Testspiel gegen Saudi-Arabien in Leverkusen ein Pfeifkonzert bei jeder Ballberührung Gündogans erschallte. Die Folgen eines Fotos, das beide mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zeigte. "Für mich als Trainer ist dazu alles gesagt in der Öffentlichkeit", erklärte Löw nun zum wiederholten Male. Er wolle nun dafür sorgen, dass seine beiden Spieler wieder "in den Flow" kämen. Er wolle die Spieler so weit in Form bringen, dass sie "einen Mehrwert" für die Mannschaft hätten. 

Wirklich weisen wird sich erst am Sonntag gegen Mexiko, ob der deutsche Fan die Debatte über Moral und Sinnhaftigkeit des Fotos für beendet erklärt. 79.000 Tickets hat die Fifa nach Deutschland verkauft. Es sind diese Fans, die mit ihren Lippen darüber abstimmen, ob die Elf das Thema auch auf dem Platz weiter verfolgen soll. Dass sie Kosten und Mühen auf sich genommen haben, um in Moskau einen lautstarken Wortbeitrag in dieser so verwinkelten sportpolitischen wie gesellschaftspolitischen Debatte abzugeben, ist eher nicht zu erwarten. Sie werden beim DFB den Moment herbeisehnen, wie das erste Tor.

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