HOME

WM 2018: Löws Truppe für Russland - Wie gut ist der deutsche Kader wirklich?

In weniger als einem Monat beginnt die Mission Titelverteidigung für Deutschland, seit gestern steht der vorläufige Kader für Russland. Hat Deutschland das Zeug dazu?

Der 27 Mann starke vorläufige Kader für die WM 2018 in Russland steht

Der 27 Mann starke vorläufige Kader für die WM 2018 in Russland steht

Getty Images

Bundestrainer Jogi Löw will bei der WM in den Titel verteidigen. Das hat er bei der Vorstellung des vorläufigen Kaders nochmal unterstrichen. Ob ihm das gelingt, wird von der Leistung der 27 Spieler abhängen, die er gestern in Aufgebot berief - oder besser: der auf 23 Kicker geschliffenen Version davon. Wie gut sind Deutschlands Chancen? Die Mannschaftsteile im Überblick.

Tor

Vier Spieler wird Löw am 4. Juni nach Hause schicken müssen, einer davon wird ein Torwart sein. Trapp ist das Backup, falls Neuer nicht fit wird. Ohne vorherige Spielpraxis werde der Kapitän nicht ins Turnier gehen können, sagte Löw. So oder so wird aber einer der besten Keeper der Welt im deutschen Tor stehen. Sollte Neuer ausfallen, ist ter Stegen vom FC Barcelona gesetzt. Bei beiden Szenarien gehört also sicher zu den besten des Turniers auf dieser Position. Die WM 2014 hat aber gezeigt, dass Neuer zu weit mehr fähig ist, als ein normaler, sehr guter Torhüter. Gegen Algerien übernahm er kurzerhand die Aufgaben der gesamten Defensive. Auch als Kapitän ist er auf dem Platz wichtig, sofern er per Kaltstart seine Normalform abrufen kann.

Abwehr

Auch hier ist Deutschland weitgehend erstklassig besetzt - zumindest in der ersten Reihe. Die Optimalbesetzung Kimmich, Hummels, Boateng, Hector gehört zu den besten Viererketten der Welt. Kimmich schlägt sich bereits beim FC Bayern extrem gut darin, das Riesenloch nach Lahm zu stopfen. Auch im DFB-Dress gelingt ihm das. Sollte Boateng in der Mitte nicht fit werden stünden mit Ginter, Rüdiger, Süle oder Tah zwar Alternativen parat - allerdings keine vergleichbaren. Auch auf den Flügeln mangelt es dem Kader an qualitativer Breite: Plattenhardt für links und einer der oben genannten für rechts sind keine rosigen Aussichten. Solange die Optimalbesetzung fit ist, steht Deutschland hier gut da, bei einem oder zwei Ausfällen wird es hier arg eng.

Mittelfeld

Seit Jahren das Prunkstück der deutschen Nationalmannschaft, die Namen sagen alles: Kroos, Gündogan, Özil, Reus, Müller, Khedira, Draxler, Sané. Im Vergleich zu 2014 fehlt hier natürlich Bastian Schweinsteiger, dafür sind dieses Mal die verletzungsanfälligen Künstler Gündogan und Reus fit und am Start. Reus stehe "bei uns für außergewöhnliche Dinge", sagte Löw über den bisherigen Turnierpechvogel. Auch Gündogan hat sich bei Manchester City endgültig zum Weltklasse-Kicker gemausert. Deutschland ist hier stark besetzt, hat erfahrene Spieler wie Özil, Müller und Kroos dabei, dazu junge Wilde wie Goretzka, Brandt oder auch noch Draxler. Die Mischung stimmt.

Angriff

Nirgends klafft das Loch nach 2014 wohl so groß und deutlich wie hier. Klose war schlicht einer der besten Angreifer, die dieses Land je hatte. Mannschaftsdienlich, laufstark und dazu die klassischen Tugenden seiner Position in Reinform (mit 16 Toren ewiger WM-Rekordtorschütze). Gesetzt wird hier Werner sein. Der ist schnell und torgefährlich, gefühlt aber kein echter Mittelstürmer. Müller oder Reus könnten die Position im Zentrum übernehmen, sind aber ebenfalls über die Außen besser. Um den Platz des echten Mittelstürmers, oder wohl besser des Jokers, werden sich Petersen und Gomez streiten. Wenn man so will, ist der Sturm vielleicht die Problemzone des Kaders.

Fazit

Die von Löw nominierte Truppe hat sicher die theoretische Klasse, um den Titel in Russland zu verteidigen. Deutschland gehört - wie eigentlich immer vor Turnieren - zu den Favoriten. Dass dieses Kunststück aber erst zwei Mannschaften überhaupt gelang, nämlich Italien (1934/1938) und Brasilien (1958/1962), zeigt, wie schwer die Aufgabe werden wird. Mit Spanien, Brasilien und ganz besonders Frankreich stehen andere Favoriten bereit, Deutschland den Pott abzujagen. Auch Argentinien, Europameister Portugal, oder Belgien und England sind nicht zu unterschätzen. Dazu kommen in der Regel immer Überraschungsmannschaften, die sich im Turnierverlauf hervorheben. Keine leichte Aufgabe für Löw und die 23 Spieler, die er Anfang Juni übrig lassen wird.

Mario Götze Bank
tkr

Wissenscommunity