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WM 2022 Ewig lange Nachspielzeiten bei der WM in Katar: Schiri-Boss Pierluigi Collina erklärt den Hintergrund

Pierluigi Collina: Der Schiri-Boss äußerte sich zu den Nachspielzeiten.
Pierluigi Collina: Der Schiri-Boss äußerte sich zu den Nachspielzeiten.
© AFP
Ein Spiel dauert 90 Minuten – netto jedenfalls. Bei der WM 2022 in Katar kommen immer wieder etliche Minuten on top. Dass das kein Zufall ist, erklärt nun auch Schiri-Boss Pierluigi Collina.

Pierluigi Collina war lange Zeit selbst FIFA-Schiedsrichter, und vielleicht sogar der beste überhaupt: In seiner Karriere wurde er sechs Mal in Folge zum Weltschiedsrichter des Jahres gewählt – seitdem hat das nie wieder ein Schiri erreicht. Inzwischen ist Collina bei der FIFA der oberste Schiri-Boss und bestimmt somit auch über strategische Fragen und Entscheidungen bei großen Turnieren mit.

Einer dieser Punkte ist die Nachspielzeit: Die fiel zuletzt bei den Gruppenspielen der WM 2022 in Katar immer wieder erstaunlich hoch aus. Wo sich Fans schon auf die Halbzeitpause oder das Spielende einstellen, kommen plötzlich noch fünf oder mehr Minuten hinzu. Irans Mehdi Taremi schoss sein Tor gegen England sogar in der 13. Minute der Nachspielzeit – ein so spätes Tor hatte es bislang bei Weltmeisterschaften noch nie gegeben.

Nachspielzeit bei der WM 2022: Warum so lang?

Nachvollziehbar, dass sich Fußballfans nun fragen: Ist das alles Auslegungssache der Schiris? Oder eine neue Richtlinie der FIFA? Genau zu diesem Punkt hat sich Pierluigi Collina nun ausführlicher geäußert: Bei "verlorener Zeit im Spiel" müsse man unterscheiden zwischen Zeit, die durch die Spieler absichtlich vertrödelt wurde (also durch Zeitspiel), und Zeit, die durch das Spiel selbst verloren gegangen ist.

Zu letzterem zählt Collina auch Punkte, die vielleicht nicht jeder Fußball-Fan als Zeitverlust sehen würde: Alleine die Einwürfe in einem Spiel würden laut FIFA zu einem Verlust von 9 Minuten bei der Spielzeit führen. Auswechslungen und Torjubel würden ebenfalls für Verzögerungen sorgen. Schon bei der WM in Russland hätten die Schiedsrichter daher wesentlich mehr Nachspielzeit gegeben. Dieses Prinzip führt die FIFA nun auch in Katar wieder durch und muss dabei natürlich auch die Verzögerungen durch den VAR mit einberechnen.

Die FIFA selbst zitiert Collina mit den Worten: "Es gibt schon seit längerem ein Problem von Spielen mit weniger als 50 Minuten tatsächlicher Spielzeit", so Collina. "Die Leute wollen Fußball sehen, mehr Fußball. Und wir, die FIFA und der IFAB, werden seit Jahren aufgefordert, etwas dagegen zu unternehmen." Einfach ausgedrückt: Nur wenn der Ball tatsächlich rollt, ziehen es die Schiris auch von der Spielzeit ab. Alles andere wird nachgespielt.

Quelle:  FIFA

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