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30 Jahre nach Hillsborough: 96 Liverpool-Fans totgetrampelt – Jury spricht Einsatzleiter der Polizei frei

30 Jahre nach der Katastrophe im Hillsborough-Stadion von Sheffield hat eine Jury befunden: Der damalige Einsatzleiter der Polizei ist unschuldig. Damit bleibt der Tod von 96 zumeist Liverpooler Fußballfans ungesühnt.

Blick auf die völlig überfüllte Tribüne im Hillsborough-Stadion von Sheffield

96 Menschen verloren bei der Katastrophe von Hillsborough vor 30 Jahren ihr Leben

DPA

Es ist grau und regnerisch an diesem Novembertag in Liverpool. Und so traurig und trübe wie das Wetter sind auch die Gesichter derer, die am Morgen den Preston Crown Court betreten – und das Gericht am Nachmittag wieder verlassen. 30 Jahre nach der verheerenden Katastophe im Hillsborough-Stadion von Sheffield entscheidet eine zehnköpfige Jury: Nicht schuldig. Der damalige Einsatzleiter David Duckenfield darf das Gericht als freier Mann verlassen – freigesprochen vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung von 95 Menschen. Nach dem Urteil fließen Tränen. Angehörige der größtenteils jungen Opfer des 15. April 1989 sind fassungslos. Und auch Duckenfield, mittlerweile 75 Jahre alt, verlässt den Gerichtssaal als gebrochener Mann.

FC Liverpool teilt Frust der Hinterbliebenen

Im vergangenen April war die Jury – sieben Frauen und drei Männer – bezüglich Duckenfield zu keinem Urteil gekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin ein Wiederaufnahmeverfahren angestrebt, das am 7. Oktober am Preston Crown Court begonnen hatte und nun mit dem Freispruch für den 75-Jährigen endete.

Vor allem die Angehörigen der verstorbenen Liverpool-Anhänger hatten jahrelang dafür gekämpft, die ihrer Ansicht nach Schuldigen vor Gericht zu sehen. Entsprechend enttäuscht fielen nun nach dem Urteil die Reaktionen aus. "96 Menschen sind gestorben. Ich möchte wissen, wer für den Tod meines Vater verantwortlich ist, denn irgendjemand muss es sein", sagte Christine Burke, Tochter des in Sheffield umgekommenen Henry Burke. "Wir teilen den Frust der Angehörigen und Betroffenen", heißt es in einem offiziellen Statement des FC Liverpool. "Unsere Gedanken sind bei den Überlebenden und 96 Liverpool-Fans, die ihr Team gesehen und nicht wieder nach Hause kamen."

Jahrelanger Streit um Schuldfrage

Beim Fußball-Pokalspiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest am 15. April 1989 im Hillsborough-Stadion von Sheffield waren 95 Menschen im Gedränge auf einer völlig überfüllten Zuschauertribüne ums Leben gekommen. Ein weiterer Mann starb später an den Folgen seiner Verletzungen. Zudem wurden 766 Fans verletzt. Die meisten Opfer waren Fans des FC Liverpool. Nach jahrelangem Streit um die Schuldfrage entschied 2016 ein Gericht nach einer unabhängigen Untersuchung, dass die Katastrophe kein Unfall war, sondern auch durch das Fehlverhalten der Polizei verursacht wurde. Und dennoch: 30 Jahre nach der Massenpanik in Sheffield scheint klar: Es wird wohl niemand für den Tod der 96 Menschen zur Rechenschaft gezogen.

js / DPA

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