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Rekordversuch im Wiener Prater: Marathon am Reißbrett: Wie Eliud Kipchoge die Zwei-Stunden-Schallmauer durchbrechen will

Der Kenianer Eliud Kipchoge will am Wochenende in Wien Geschichte schreiben. Unterstützt von 41 Topläufern soll der Marathon-Olympiasieger von Rio die berühmten 42,195 Kilometer als erster Mensch der Welt in weniger als zwei Stunden bewältigen.

Eliud Kipchoge nach seinem Sieg beim London Marathon 2019

In 2:02:37 Stunden gewann Eliud Kipchoge im April den London Marathon. Am Wochenende will er die berühmten 42,195 Kilometer in Wien noch gut zweieinhalb Minuten schneller laufen.

DPA

100 Meter in 17 Sekunden. Klingt machbar – und das ist es auch. Selbst durchschnittlich trainierte Teenager schaffen das. Ein, vielleicht auch zwei oder drei Mal. Für Eliud Kipchoge, Marathon-Olympiasieger von Rio und schnellster Mann der Welt über die berühmten 42,195 Kilometer, ist das ein Kinderspiel. Der 34-jährige Wunderläufer aus Kenia plant einen Coup, den Experten noch vor wenigen Jahren für unmöglich hielten. Am Wochenende will Kipchoge in Wien die Schallmauer von zwei Stunden durchbrechen. Dafür muss er fast 422 Mal 100 Meter laufen – in 17 Sekunden.

Marathon im Labor: 2 Steilkurven, 41 Pacemaker

Es ist angerichtet im Wiener Prater. Der nicht unumstrittene britische Chemieriese Ineos hat keine Kosten und Mühen gescheut, um Kipchoge die Bühne zu bieten, auf der er als erster Mensch der Welt, einen Marathon in weniger als 120 Minuten laufen kann. Der 9,6 Kilometer lange Rundkurs im Herzen der österreichischen Hauptstadt wurde frisch asphaltiert. Eine kleine Steilkurve an den beiden Wendepunkten soll etwa 13 Sekunden bringen. Doch das ist längst noch nicht alles.

Insgesamt 41 Hasen, allesamt hochdekorierte Weltklasseläufer, haben die Veranstalter für die sogenannte "Ineos 1:59 Challenge" ins Boot geholt. Darunter Weltmeister und aktuelle Olympiasieger wie Matthew Centrowitz, Bernard Lagat und Paul Chelimo (alle USA), die norwegischen Newcomer Henrik, Jakob und Filip Ingebrigtsen, den Schweizer Topläufer Julien Wanders sowie Eric Kiptanui und Marius Kipserem aus Kipchoges Heimart Kenia. Sie alle sollen dem Mann, der 2018 in Berlin in 2:01:39 Stunden den bisher schnellsten Marathon aller Zeiten lief, bei seinem Rekordversuch unter Laborbedingungen helfen. Allein das Wetter könnte den Plan nun noch durchkreuzen. Zur Sicherheit wurde das Event vom Ineos-Hauptsitz London in den Wiener Prater verlegt.

Marathon-Wetter: Neun Grad, wenig Wind, null Regen

Eine Temperatur zwischen sieben und elf Grad wäre perfekt. Dazu darf der Wind Kipchoge mit maximal 1,2 Metern pro Sekunde um die Nase wehen. Die Luftfeuchtigkeit sollte unter 80 Prozent liegen. Exakt diese Bedingungen sagen Meteorologen für kommendes Wochenende in Wien voraus. Fest steht: Der Startschuss fällt zwischen fünf und neun Uhr morgens. Erst Mittwochnachmittag wollen die Organisatoren festlegen, ob Kipchoges Rekordversuch am Samstag oder Sonntag steigt. Dann ist es am Kenianer selbst, Geschichte zu schreiben. 

2017, bei Kipchoges erstem Anlauf, fehlten auf dem Formel-1-Kurs im italienischen Monza läppische 26 Sekunden. Hochgerechnet auf die 422 100-Meter-Läufe entspricht das etwa sechs Hundertstel Sekunden – pro 100 Meter.

Wichtig: Sollte Kipchoge tatsächlich als erster Mensch die Zwei-Stunden-Marke knacken, würde die Leistung wegen "irregulärer Bedingungen" nicht als Weltbestzeit anerkannt werden.

Der möglicherweise historische Lauf wird in mehr als 200 Ländern live übertragen. Die aufwändige TV-Produktion kann als Livestream auf YouTube verfolgt werden.

js / DPA

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