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Mixed-Martial-Arts: Großmaul vor Comeback: Käfig-König McGregor muss liefern

Er ist der Prototyp eines Großmauls - und ganz nebenbei einer der bestbezahlten Sportler der Welt. Nach über einem Jahr steigt Käfigkämpfer Conor McGregor wieder in den Ring.

Conor McGregor

Conor McGregor ist der Superstar unter den Mixed-Martial-Arts-Kämpfern. Foto: John Locher/AP/dpa

Betrachtet man die Berichterstattung über Conor McGregor, so käme man nicht im Traum darauf, dass der «König der Käfigkämpfer» über ein Jahr pausiert hat.

An Schlagzeilen mangelte es nicht. Wenngleich es zuletzt weniger um spektakuläre Siege im Oktagon als vielmehr um Kneipenschlägereien und Gerichtsverhandlungen ging. Mitte Oktober hatte McGregor zuletzt aussagen müssen, weil er einem alten Mann in einem Pub in Dublin ins Gesicht geschlagen hatte. Grund: Der Herr wollte McGregors Whiskey «Proper No. Twelve» nicht probieren.

Es sind Geschichten wie diese, die den 31-Jährigen aus Dublin eigentlich zum Anti-Helden machen müssten. Doch «The Notorious» (Der Berüchtigte) schien lange Zeit mit jeder verbalen Entgleisung und jeder öffentlichen Prügelei nur noch populärer zu werden. Bis er Ende Dezember ausgerechnet in seiner Heimat bei der Umfrage zum populärsten Sportler Irlands mit nur zwei Prozent der Stimmen abgestraft wurde.

Es wird für den Mixed-Martial-Arts-Haudrauf also Zeit, wieder in den Ring zurückzukehren. In der Nacht zum 19. Januar (4.00 Uhr/DAZN) kämpft McGregor in Las Vegas gegen Donald Cerrone, der sich selbst «Cowboy» nennt. Für McGregor wird es der erste Auftritt im Oktagon seit Oktober 2018, als er von UFC-Champion Chabib Nurmagomedow verdroschen worden war.

An seiner großen Klappe hat das natürlich nichts geändert. «Ich werde ihn verprügeln. Ich würde ihn sogar schlagen, wenn ich die Grippe hätte», tönte McGregor vor dem Kampf gegen Cerrone: «Ich werde glänzen. Ich werde magische Momente schaffen, wie ich es bereits zuvor getan habe.» Antun müsste sich der frühere Klempner-Lehrling die Nummer freilich nicht mehr. Laut Forbes hatte er allein zwischen Juni 2018 und Juni 2019 47 Millionen Dollar verdient und zählte damit zur ersten Liga der Sportler. Zuvor hatte er im August 2017 für seinen Ausflug ins Boxen gegen Floyd Mayweather angeblich 85 Millionen Dollar kassiert.

Womöglich hatte McGregor schlicht ein Einsehen, seine Aggression im Ring und nicht an alten Männern in Pubs auszulassen. Dennoch steht viel auf dem Spiel - für ihn und für Veranstalter UFC. Denn der Ire ist trotz der langen Abwesenheit immer noch der Superstar der Szene und der Profitbringer des Veranstalters. Für die Rente ist McGregor noch zu jung, und die UFC plant den Rückkampf gegen Nurmagomedow, der die Kassen klingeln lassen soll.

Ohne Frage hat sich MMA im vergangenen Jahrzehnt vom Schmuddelsport zum massenkompatiblen Event entwickelt. War die UFC im Jahr 2001 noch für zwei Millionen Dollar verkauft worden, so wurde die Organisation 2016 für vier Milliarden Dollar weitergereicht. 2018 schloss man einen Vertrag mit ESPN ab, der bis 2023 pro Jahr 300 Millionen Dollar garantiert.

Doch die UFC muss kämpfen, um das Niveau zu halten. Zuletzt sanken die Quoten, immer weniger Fans kauften sich via «Pay per view» in die Events ein. Zudem verlor man 2018 Szene-Star Ronda Rousey endgültig an die Wrestling-Konkurrenz der WWE. Die UFC braucht großmäulige und schillernde Stars wie McGregor, der wahlweise vor seinem Lamborghini oder seinem Millionen teuren Landhaus «Ladycastle» angibt.

Wenn McGregor allerdings gegen Cerrone verliert, könnte es seine letzte Schlacht gewesen sein. Deshalb quält sich der Raufbold mit dem Rauschebart im Crumlin Boxing Club am Willie Pearse Park in Dublin, postet Fotos seines durchtrainierten Körpers auf Instagram. Dennoch kursierten Gerüchte, Cerrone würde für eine Niederlage bezahlt werden, damit die Marke McGregor weiter gemolken werden kann. «So viel Geld kann man mir gar nicht zahlen. Ich würde nicht mehr in den Spiegel schauen können», sagte der 36-Jährige dazu, der selbst einer der besten Kämpfer der UFC-Geschichte ist.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die UFC ohne McGregor ein paar Probleme weniger hätte. Denn auf Dauer lässt sich der Sport nicht gut vermarkten, wenn der Held sich ständig in Kneipen prügelt. «Wenn du kein normaler Kerl bist, sondern ein professioneller Kämpfer, kannst du sowas nicht tun. Wenn du Conor McGregor bist, kannst du es nicht tun», sagte UFC-Präsident Dana White. Das durfte durchaus als Warnung an McGregor aufgefasst werden.

dpa

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