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80. Geburtstag Muhammad Ali: Ein Kämpfer gegen das Schwarz-Weiß-Denken

Muhammad Ali
Muhammad Ali (links) am 29. März 1967 mit Dr. Martin Luther King (rechts)
© Anonymous / Picture Alliance
Muhammad Ali war nicht nur im Boxring ein Kämpfer. Der "Größte" kämpfte gegen Rassismus, für Bürger- und Freiheitsrechte oder einfacher ausgedrückt: für Menschenrechte. Heute wäre die Welt-Ikone 80 Jahre geworden. Sein Kampf ist (leider) weiterhin aktuell.
Ein Kommentar von Martin Armbruster

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RTL.de

"Schwarze" müssen im Bus heute nicht mehr auf den Hinterbänken sitzen. Sie müssen auch nicht die Straßenseite wechseln, wenn ihnen ein "Weißer" entgegenkommt. Nicht in den USA, wo mit Barack Obama erst 2009 ein Afroamerikaner ins "Weiße Haus" einzog. Auch nicht in Südafrika, wo in den 1990er Jahren Nelson Mandela (ein großer Ali-Bewunderer) nach 27 Jahren Gefängnis ins Präsidentenamt gewählt wurde.

Keine Frage, es hat sich etwas getan im Kampf gegen Rassismus und für die Rechte schwarzer Menschen. Und doch: Rund 60 Jahre, nachdem er seinen "Sklavennamen" ablegte und als Muhammad Ali Revolutionär wurde. 60 Jahre, nachdem er der Macht- und Mehrheitsgesellschaft in den USA entgegendonnerte, sie (und nicht etwa der Vietcong 10.000 Meilen entfernt) seien sein Feind, wenn er Freiheit und Gerechtigkeit wolle. 60 Jahre nach dem politischen Kampf des Muhammad Ali, der ihn seine Schwergewichts-Krone kostete, sind viele der Probleme geblieben.

Muhammad Ali und Black Lives Matter

Anders ist nicht zu erklären, dass sich im Jahr 2013 eine Bewegung gründet, die etwas derart selbstverständliches wie "Black Lives Matter" einfordern muss. Noch immer spaltet der Rassismus-Giftpilz die US-Gesellschaft (und nicht nur die!). Noch immer werden Schwarze in Amerika x-mal (das x variiert je nach Statistik) so häufig Opfer von Polizeigewalt als ihre weißen "Mitbürger".

Die Fragen, die schon Ali stellte, sie schwingen auch heute mit, wenn #blacklivesmatter auf die Straße geht: Wer sind wir für "euch"? Wollt "ihr", dass wir ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft sind oder nicht? Wollt ihr die Verfassung gottverdammt noch mal endlich ernst nehmen und unsere Rechte auch wirklich achten?

Mit dem Blick über den Großen Teich sollte man es sich hierzulande allerdings nicht zu leicht machen. Denn eben jene Fragen stellen sich doch auch in Deutschland "People of Color". Wenn sie im Zugabteil wieder mal als einzige kontrolliert werden. Wenn ihnen (ob nun beim Behördengang oder beim Einkauf) nicht die gleiche Wertschätzung und Aufmerksamkeit wie der Mehrheitsfarbe entgegengebracht wird. Wer sind wir, wenn uns das all das immer noch widerfährt, obwohl wir hier geboren und ganz selbstverständlich Deutsche sind? Das ganze Schwarz-Weiß-Spiel, 400 Jahre plus, nachdem unsere Vorfahren (oder ein Teil davon) von Weißen versklavt und verschleppt wurden? 300 Jahre nach der Aufklärung? Ernsthaft?

Hass darf nie gewinnen

Wenn man Muhammad Alis Vermächtnis ehren möchte, muss man hehre Deklarationen wie "All Men are created equal" oder unbestechliche Verfassungs-Artikel wie "Die Würde des Menschen ist unantastbar" mit Leben füllen. So wie er es vormachte.

Muhammad Ali ist nicht wegen seiner Treffer im Ring der "Greatest of all Time". Er ist es, weil er sein Leben lang gegen das Schwarz-Weiß-Denken gekämpft hat – und zwar in jede Richtung. "Menschen wegen ihrer Hautfarbe zu hassen, ist falsch. Und es spielt keine Rolle, welche Farbe hasst. Es ist einfach falsch", hat der Box-Champion gesagt.

Muhammad Ali erinnert uns daran, dass Hass nie gewinnen darf!

RTL

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