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Profi-Swim-Wear: Planschen wie Franzi

Mit dem Gold-Medaillen-Bad zum Karriereabschluss hat es bei Franzi nicht geklappt. Am Badeanzug lag es nicht. Die Tester von stern.de waren vom futuristischen Swimsuit "X-treme" angetan.

Powerskin x-treme: Sitzt wie angegossen, aber zwickt an den "Problemzonen"

Powerskin x-treme: Sitzt wie angegossen, aber zwickt an den "Problemzonen"

Und dies obwohl es zunächst einiger Überredungskunst bedurfte, um die "Freiwilligen" in den Anzug der Firma Arena zu lotsen. Ab Januar 2005 gibt es ihn im Geschäft, die spannende Frage schon jetzt: Spürt ein normaler Schwimmer den Unterschied, oder macht sich das Wunderwerk nur bei den Weltbesten bezahlt?

Würden Sie so einen Profi-Anzug tragen?

Der erste Blick in die Verpackung ist ernüchternd. Blau zerknittert liegt das High-Tech-Spielzeug in der Kunststofftüte. Dass das kein normaler Badeanzug ist, verraten vor allem die langen Beine. Diese Schnittform ist im Moment nicht en vogue. Auch scheint das edle Stück ein wenig klein geraten, der Anzug wird sich dehnen, der Einstieg wird aber nicht einfach.

Schwimmen in der eigenen Wasserhülle

Normale Badeanzüge stehen vor der Aufgabe, möglichst wenig möglichst attraktiv zu umhüllen, die Ansprüche an einen professionellen Sportanzug gehen weiter. High-Tech Badegarderobe wird von den führenden Herstellern angeboten. Aufmerksame Olympia-TV Zuschauer werden neben dem Arena auch das Speedo Logo entdeckt haben. Die Überraschung Nummer eins bei Arena: Der Stoff ist mit Teflon beschichtet, damit das Wasser besser abperlt. Materialwahl und eine spezielle Oberflächengestaltung sollen Gleitfähigkeit und natürlich die Geschwindigkeit erhöhen. Arena setzt mit akademischer Unterstützung der Polytechnischen Universität Mailand auf so genannte Riplets, über ihnen bilden sich mikroskopisch kleine Bläschen, die den Anzug umhüllen. Durch diese eigene Wasserhülle gleitet der Schwimmer besser durch das Becken. Das hört sich ähnlich abenteuerlich an, wie die Methode mit der die russische Marine Super-Torpedos auf Raketengeschwindigkeit bringt. Das Ergebnis für den Schwimmer sind, laut dem Hersteller, acht bis neun Prozent weniger Wasserwiderstand und bis zu drei Prozent Geschwindigkeitszuwachs. Damit nicht genug, ein Profianzug bringt auch den Körper in die richtige Form. Faktoren wie Muskelkompression, Muskelzittern und Blutversorgung sollen durch Schnitt und Material positiv beeinflusst werden. Diese Zielvorgaben machen klar, dass man den Anzug beim Tragen spüren wird, vor allem wenn dort Masse ist, wo beim Spitzensportler keine Polster sein sollten.

Wie fühlt man sich, wenn man mit einem Schwimmanzug der Weltelite in einer ganz normalen Badeanstalt auftaucht?

Björn E.: Oh, ich fühle mich schon beobachtet. Svenja T.: Für einen Sportanzug ist der ganz schön sexy! Natürlich sind die Blicke auch bisschen unangenehm.

Wie trägt sich der Power Skin Xtreme?

Svenja T.: "Wie eine zweite Haut. Er sitzt ganz schön eng, obwohl ich nicht die Größte bin."

Björn E.: "An den Problemzonen zwickt es zuerst, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt."

Wie seid ihr in den Anzug gekommen ?

Svenja T.: Ein Kunststück. Eigentlich brauchst du einen Trainer, der dir hinein hilft.

Björn E.: Ich werte es als persönlichen Erfolg, alleine reingekommen zu sein.

Gefällt euch der Look?

Svenja T.: "Ja, der ist ganz schön schnittig. Die Farbe gefällt mir"

Björn E.: Lange Beine sind gewöhnungsbedürftig. Aber der Powerskin ist ein echter Blickfang, wir haben alle Aufmerksamkeit auf uns gezogen.

Ihr seid beide keine Schwimm-Sportler. Wie ist der Power Skin Xtreme im Wasser?

Svenja T.: Erste Klasse!

Björn E.: Als würde man durchs Wasser schweben!

Hättet ihr das erwartet?

Svenja T.: Nein, ich bin sehr überrascht, dass ich einen so großen Unterschied spüre. Der Anzug trägt einen im Wasser.

Björn E.: Ich bin absolut überrascht. Das glatte Gegenteil vom schwierigen Einstieg: Das ist die Leichtigkeit des Seins im Wasser.

Würdet ihr auch sonst mit so einem Anzug schwimmen gehen?

Svenja T.: Oh nein, der zieht mir zu viele neugierige Blicke auf sich!

Björn E.: Nein, so schnell schwimme ich leider nicht. Das ist unpassend für mich.

Könntet ihr den Anzug empfehlen?

Svenja T.: Mit Sicherheit! Allen, die auch trainieren. Zum Planschen ist so etwas zu schade.

Björn E.: Allen ambitionierten Hobby-Schwimmern. Vielleicht auch Triathleten, der Anzug trocknet extrem schnell.

Ab Januar 2005 liegt der Anzug in den Geschäften. Die Käufer sind Sport-Schwimmer, denn für einen Jux ist der Anzug zu kostbar: Die Preisidee liegt bei 300 Euro. Der Hauptnachteil für den normalen Planscher: Man sieht einfach alles, vor allem das, was zuviel ist.

Gernot Kramper

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