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Slapstick-Kombinierer wollen Gold: "Zusammenrücken und letzte Chance nutzen"

Den Egoismus aus dem ungeschickten Einzelrennen können sich die Nordischen Kombinierer nicht mehr leisten. Mit dem wieder genesenen Eric Frenzel an der Spitze wollen sie gemeinsam Team-Gold gewinnen.

Beim gemeinsamen Abendessen legten Deutschlands Nordische Kombinierer ihre Differenzen nach dem Einzel-Drama bei und schworen sich auf die Gold-Mission im Mannschaftswettbewerb ein. Nach 26 Jahren wollen Olympiasieger Eric Frenzel & Co. endlich den Sieg-Fluch bei Großereignissen besiegen und den ersten Team-Triumph seit Olympia 1988 einfahren. "Wir haben uns beim Abendbrot ausgesprochen. Der Käse ist gegessen", berichtete Bundestrainer Hermann Weinbuch vor der Entscheidung an diesem Donnerstag und forderte: "Wir haben keine Zeit für Grabenkämpfe. Wir wollen zusammenrücken und die letzte Chance nutzen."

Bronze-Gewinner Fabian Rießle, der von ihm kurz vor dem Ziel zu Fall gebrachte Johannes Rydzek und der viertplatzierte Björn Kircheisen präsentierten sich schon wenige Stunden nach dem Rennen bei einem gemeinsamen Auftritt im Deutschen Haus wieder als verschworene Truppe. Der gesundheitlich angeschlagene Frenzel blieb im Team-Quartier, um Kräfte für den Gold-Angriff zu sparen. "Wir sind alle heiß auf Donnerstag und haben etwas richtig Großes vor. Es gibt keinen Stress", versicherte Rießle.

Enges Duell mit den Norwegern

In beiden Einzeln waren alle vier DSV-Kombinierer in den Top Ten. Ein Selbstläufer wird der Wettbewerb mit einem Sprung von der Großschanze und der Langlauf-Staffel über 4 x 5 Kilometer aber nicht. Auch die Norweger sind gierig auf das zweite Gold bei den Sotschi-Spielen. "Wir sind die Favoriten", tönten Olympiasieger Jörgen Graabak und Silber-Mann Magnus Moan.

"Wir wissen, dass wir mit Norwegen um Gold kämpfen können", konterte Weinbuch am Mittwoch. "Wenn die Jungs ihre Emotionen im Zaum halten, können sie ein großes Ding hinlegen." Der Erfolgstrainer, der 1987 das bislang letzte WM-Gold im Team für Deutschland gewann und seine Nachfolger zu 32 Medaillen bei Weltmeisterschafen und Olympischen Winterspielen führte, hat allerdings noch eine entscheidende Frage zu klären: Wer soll Schlussläufer sein?

"Außer Eric will hinten keiner laufen"

Eigentlich ist Frenzel dafür prädestiniert, doch dem Gesamt-Weltcupsieger könnten nach seiner Viruserkrankung noch die nötigen Körner für einen möglicherweise entscheidenden Zielsprint fehlen. "Außer Eric will keiner hinten laufen. Vielleicht muss ich wieder einen festlegen. 2006 war das schon mal der Fall", erklärte Weinbuch.

Damals ging es mächtig in die Hose, als Schlussläufer Jens Gaiser einen komfortablen Vorsprung von mehr als 20 Sekunden verspielte und hinter Österreich nur Silber holte. Daran mag Weinbuch nicht zurückdenken: "Wir sind gut drauf und werden angreifen. Vielleicht gibt es ja noch ein Happy-end wie bei den Skispringern." Die vier DSV-Adler flogen am Mittwoch mit Gold im Gepäck nach Hause.

Eric Dobias und Gerald Fritsche/DPA / DPA

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