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Von Sotschi nach Mainz und zurück: ZDF fliegt Rodler für 15 Minuten "Sportstudio" ein

Sotschi - Lerchenberg und retour - innerhalb eines Tages: Die deutschen Gold-Rodler wurden extra für einen Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" eingeflogen. Es blecht: der Gebührenzahler.

Acht Goldmedaillen funkeln im Scheinwerferlicht des "Aktuellen Sportstudios". Dazu strahlen Natalie Geisenberger, Felix Loch, Tobias Arlt und Tobias Wendl in ihrer blütenweißen Teamkleidung. Ihre sportlichen Auftritte haben die vier Rodler vom Königssee hinter sich. Seit zwei Tagen geben sie sich dem Medienrummel hin. "Gerade noch in Sotschi, jetzt schon auf dem Mainzer Lerchenberg", beginnt Moderator Jochen Breyer die lockere Gesprächsrunde am Samstagabend.

Exakt: Das Rodler-Quartett wurde am Samstagmorgen am Hotel in Sotchi eingesammelt und flog über Frankfurt nach Mainz. Und zwar nicht als Rückflug in die Heimat, sondern nur als kurze Unterbrechung des Olympia-Abenteuers. Geisenberger und Co. reisten auf Kosten des ZDF - sprich: des Gebührenzahlers - nach Mainz, übernachteten im Hotel und fliegen am frühen Sonntagnachmittag wieder zurück nach Russland. "Wir wollen die anderen Athleten unterstützen, speziell unsere Freunde, mit denen wir die Ausbildung gemacht haben, dazu die olympische Atmosphäre genießen", so Tobias Arlt.

Das Publikum ist es uns wert

Die Kosten für den Flug belaufen sich pro Person auf etwa 400 Euro. Plus Hotelübernachtung ist das keine horrende Summe. Im Verhältnis zu 15 Minuten Aufritt plus 5 Minuten Torwandschießen erscheint der Aufwand dann aber doch immens. Und: Das ZDF hat derzeit auch ein Studio in Sotschi, das 500.000 Euro gekostet haben soll und von wo im Wechsel mit der ARD die Olympischen Winterspiele übertragen werden.

ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz verteidigt sich in der "Bild am Sonntag". "Der Auftritt unserer Gold-Rodler ist ein Juwel für die Sendung. Wir müssen allein schon deswegen für eine besondere Atmosphäre sorgen, weil es eine Sendung mit Publikum ist." Dieses durfte dann rhythmisch zu Blasmusik klatschen, während die Rodler sich in Golfer verwandelten und erst einmal ausspielten, wer denn auf die Torwand schießen darf. Den Zwist in der Rodler-Mannschaft sprach Moderator Breyer nur mit einer kurzen Frage an den Bundestrainer Norbert Loch an. Die übrige Zeit herrschte eitel Sonnenschein in der "Trainingsgruppe Sonnenschein" vom Königssee.

ZDF-Sportchef Gruschwitz betonte, dass die Einladung vom Respekt gegenüber den Sportlern zeugt. Aber ob die so traurig über eine Schalte gewesen wären? "Ich habe mich zunächst auch kurz gewundert. Aber so kann ich wenigstens mal Torwandschießen üben", sagte Loch zur "Bild am Sonntag". Dort waren die Rodler nicht ganz so erfolgreich wie im Eiskanal. Geschenkt - "Der Auftritt ist uns jederzeit die Reisekosten wert", so Gruschwitz. Bis zu neun Millionen Zuschauer sahen die Erfolge der "Trainingsgruppe Sonnenschein". Von dem Erfolg und dem Goldglanz wollte sich wohl auch das ZDF eine Scheibe abschneiden.

swd

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