HOME

Stern Logo Olympia 2018

Kommentar

Biathlon bei Olympia: Warum Laura Dahlmeier auch ohne weiteres Gold Hochachtung verdient

Vier Olympia-Rennen hat Laura Dahlmeier noch vor sich. Nach ihrem Doppel-Gold wird ein weiterer Sieg fast schon erwartet - vielleicht gar von ihr selbst. Bewunderung sollte ihr aber auch ohne weiteren Erfolg sicher sein.

Laura Dahlmeier im Olympia-Dress - Kälte, Schwächeanfall und Gold-Erwartungen

Man sieht es ihr an: Trotz toller Erfolge ist Olympia nicht immer das reine Vergnügen. Auf Biathletin Laura Dahlmeier prasselt in Pyeongchang einiges ein.

DPA

Ja, so sind wir. Kaum hat Laura Dahlmeier zwei Goldmedaillen im Biathlon gewonnen, haken wir das innerlich auch schon wieder ab. Wir wollen mehr und schauen schon nach vorne: Wie oft startet sie noch? Und kann sie in diesen Rennen auch Gold holen? Mit den Staffeln doch ganz bestimmt?! Oder etwa nicht? Wenn wir ehrlich sind, dann wären wir schon enttäuscht, wenn nicht wenigstens noch ein weiteres Gold hinzukäme. Dabei hat die 24-jährige Partenkirchnerin schon etwas erreicht, was zuvor noch niemand geschafft hat: Als erste Biathletin bei Olympia hat sie das Gold aus dem Sprint in der Verfolgung verteidigt. Ein Kraftakt, selbst für eine Weltklasse-Sportlerin. Soll erfüllt!

Wundert es da, dass die junge Oberbayerin nach ihrem zweiten Gold innerhalb von drei Tagen einen Schwächeanfall hatte? Schon machen wir uns Sorgen. Natürlich wünschen wir Laura Dahlmeier nur das Beste, aber fürchten wir nicht noch ein ganz klein bisschen mehr um den möglichen Medaillenregen? "Ich habe schon oft genug bewiesen, dass ich mich innerhalb von ein, zwei Tagen ganz gut regenerieren kann", lässt sie uns vor ihrem dritten Start an diesem Mittwoch prompt wissen. Und beruhigt so nicht nur uns, sondern wohl vor allem sich selbst. Denn selbstverständlich will auch Laura Dahlmeier mehr, so viel Erfolg wie möglich. Gerade bei Olympia. Natürlich ist die Leistungssportlerin voller Ehrgeiz. Das ist nachvollziehbar. Aber woher kommt eigentlich unser "Ehrgeiz", der für so manchen Sportler zum öffentlichen Druck wird?

Laura Dahlmeier: Eltern treffen? Wann denn?

Was auf so eine Athletin nach einem Olympiasieg einstürzt, davon machen wir uns kein Bild. Flower-Zeremonie, Doping-Kontrolle, TV-Interviews in der Mixed-Zone, Lobhudeleien der Funktionäre, Feier im Deutschen Haus, noch mehr Interviews für Zeitungen, Agenturen, TV. Alle zerren an ihr. Auf die Frage, ob sie ihre Eltern schon gesehen habe nach ihrem zweiten Gold-Triumph, sagte die Biathlon-Königin nur: "Wann denn?" Und weiter: "Ich komme ins Ziel, ich muss in die Leadersbox, mich schnell umziehen." Purer Olympia-Stress für die siebenmalige Weltmeisterin. "Dann die Mixed-Zone, die ist unheimlich lang. Auch wenn es nur 60 Sekunden sind, aber bei 20, 25 Fernsehsendern ist es echt weit da rauf", so die junge Bayerin.

Bei all' dem könnte man den eigentlichen Sinn der Sache glatt vergessen: die Wettkämpfe! Die haben es in Pyeongchang nicht nur wegen der starken Konkurrenz in sich. Dahlmeier hat zwar gesagt, sie sei es gewohnt, wenn "es richtig zapfig is' und der Wind geht", aber die Verfolgung in klirrender Abend-Kälte war extrem. "Es war ein richtig, richtig hartes Rennen, unfassbar! Meine Finger sind gerade aufgetaut, das waren Schmerzen, schlimmer als in jedem Rennen zuvor. Es war jetzt abartig", sagte die immer noch frierende Biathlon-Königin. "Die Schmerzen waren unheimlich." Bei der Doping-Kontrolle musste sich Dahlmeier dann erschöpft hinlegen. Ein TV-Termin wurde abgesagt, der Deutsche Skiverband schirmte die müde Top-Athletin ab. Wohl sehr zurecht.

Olympia 2018: So fit sind die deutschen Medaillen-Favoriten
Laura Dahlmeier

Biathlon: Laura Dahlmeier, 24 Jahre

Dahlmeier ist die große deutsche Olympia-Hoffnung. Sie ist Nachfolgerin der legendären Magdalena Neuner als unangefochtene Nummer eins unter den Biathlon-Frauen. Beim letzten Weltcup in Antholz holte sie einen Sieg und einen zweiten Platz. Die Garmisch-Partenkirchnerin gehört in allen Einzelrennen zu den Favoritinnen auf Gold. Teamkolleginnen wie Denise Herrman und Maren Hammerschmidt haben ebenfalls Chancen auf das Podium.

DPA


"Morgen ist es wieder ok"

Und wir, die wir nicht dabei sind, das alles nur vor dem TV miterleben? Wir hoffen auf das nächste Gold, den nächsten großen Erfolg. Stellen letztlich doch Ansprüche wie an eine gut geölte Maschine: Wird Laura auch am Mittwoch liefern? Man kann das unmenschlich finden. Es ist aber in erster Linie dieses ewige Spiel, das Olympia wesentlich mit antreibt: Auf der einen Seite die Bewunderung, die wir gewähren; auf der anderen Seite das Streben danach, bewundert zu werden. Würden sich Olympiasieger so quälen wie Laura Dahlmeier, derart große Anstrengungen unternehmen, wenn sie nur für sich siegen würden?

Laura Dahlmeier hat schon Bewundernswertes geleistet, und sie scheint stark genug, noch mehr zu schaffen. "Morgen ist es wieder ok", macht sie selbst Hoffnung auf mehr. Steht sie womöglich ein drittes Mal ganz oben auf dem Treppchen? Auf die Frage, wie viele Gold-Medaillen sie glaubt holen zu können, sagte sie am Montagabend: "Vielleicht sieben?" Ein Scherz. In Pyeongchang geht Laura Dahlmeier sechs Mal an den Start. Vier Goldchancen hat sie also noch. Wir drücken die Daumen. Doch selbst wenn es bei den zwei Goldenen bleibt, sollten wir bei unserem Fazit bleiben: Soll erfüllt! Bewunderung inklusive.

Olympia 2018: Schweizer Skifahrer fährt Rolltreppe wie ein Champ - selbst Lindsey Vonn ist verrückt nach ihm


mit / DPA
Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?