VG-Wort Pixel

Olympia 2021 Zwei Judoka verweigern Duell – weil sie nicht gegen einen Israeli kämpfen wollen

Tohar Butbul
Tohar Butbul (in blau) hat seinen Kampf gegen den Kanadier Arthur Margelidon verloren
© Harry How / Getty Images
Mohamed Abdalrasool und Fethi Nurine haben im Judo-Wettbewerb ihre Kämpfe gegen Tohar Butbul boykottiert – weil ihr Kontrahent aus Israel stammt. Es ist nicht das erste Mal, dass Athleten Duelle gegen Israelis aus dem Weg gehen.

Duelle mit israelischen Athleten zu boykottieren, hat im Sport eine traurige Tradition – und auch die Olympischen Spiele in Tokio bleiben davon nicht verschont: Zwei Judoka haben auf ihre Kämpfe gegen einen israelischen Kontrahenten verzichtet und wurden deshalb von den Spielen suspendiert. Dabei handelt es sich um den Sudaner Mohamed Abdalrasool und den Algerier Judoka Fethi Nurine. Letzterer hätte zum Auftakt der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm gegen den Israeli Tohar Butbul antreten sollen.

Fethi Nurine hatte zuletzt dem algerischen Fernsehsender gesagt, er könne wegen seiner politischen Unterstützung für die Palästinenser im Nahostkonflikt nicht gegen einen Israeli antreten. "Wir haben viel gearbeitet, um die Olympischen Spiele zu erreichen, aber die palästinensische Sache ist größer als all das", so der Judoka. Nurine war bereits 2019 von der Judo-Weltmeisterschaft disqualifiziert worden, weil er den Kampf gegen einen israelischen Sportler verweigert hatte. 

Athlet und Trainer sofort suspendiert

Das algerische Olympische Komitee erkannte Nurine und seinem Trainer Benichlef die Akkreditierung ab und ordnete ihre Rückreise an. Beide seien vorläufig suspendiert worden, eine Disziplinarkommission solle nun über weitere Folgen entscheiden, teilte der Weltverband IJF mit und schrieb weiter, dass Nurines Verhalten "im totalen Gegensatz zur Philosophie" des Verbandes stehe. Judo basiere auf Solidarität, Respekt und Freundschaft. Jede Form der Diskriminierung könne daher nicht toleriert werden.

Mohamed Abdalrasool hätte zunächst gegen Nurine kämpfen sollen, doch durch dessen Ausschluss und dem damit verbundenen Weiterkommen von Tohar Butbul, wäre der Israeli sein Gegner gewesen. Einen Grund für den Rückzug nannte der 28-jährigen Sudaner nicht.

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder sportliche Auseinandersetzungen mit Israelis abgelehnt. Sehr oft ging der Boykott von iranischer Seite aus – dem selbsterklärten Erzfeind Israels. So ist es bei Schach-Weltmeisterschaften nicht unüblich, dass die Veranstalter erst gar keine israelisch-iranischen Partien mit in die Auslosung nehmen. 2017 kam es bei der U-23-Ringer-WM in Polen zu einem Eklat, als der Iraner Ali-Resa Karimi auf Anweisung seines Trainers im Achtelfinale verlieren musste, um in der nächsten Runde nicht gegen einen israelischen Gegner antreten zu müssen.

Iraner flieht nach Deutschland

Auch um ein ähnliches Schicksal zu entgehen, war der iranische Judo-Weltmeister Saeid Mollaei vor einiger Zeit nach Deutschland geflohen. Bei der WM 2019, die in wie die Olympischen Spiele ebenfalls in Tokio stattfand, sei er von seinem Verband aufgefordert worden, im Halbfinale absichtlich gegen den Belgier Matthias Casse zu verlieren, um in einem möglichen Finale nicht gegen den Israeli Sagi Muki antreten zu müssen.

Im Fußball spielt die israelische Nationalmannschaft auch deshalb im europäischen Verband Uefa, weil die arabischen Nachbarn Israel in den 70er und 80er Jahren vollständig isoliert und so den Zutritt zum asiatischen Verband AFC verwehrt hatte.

Quellen: DPA, AFP, "Welt", "FAZ", "Süddeutsche Zeitung"

nik

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker