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Geschlossener Rücktritt per E-Mail Spanien: 15 Spielerinnen verlassen Fußball-Nationalmannschaft aus Protest gegen Trainer

Trainer der spanischen Fußballnationalmannschaft der Frauen, Jorge Vilda, steht auf dem Spielfeld neben zwei Spielerinnen
Spaniens Nationalspielerinnen hatten Trainer Jorge Vilda bereits einige Wochen zuvor aufgefordert, zurückzutreten
© Paul Terry / Zumapress.com / Picture Alliance
Aus Spaniens Fußball-Nationalmannschaft sind 15 Spielerinnen geschlossen zurückgetreten. Grund dafür sind Differenzen mit Trainer Jorge Vilda, den einige Spielerinnen zuvor zum Rücktritt aufgefordert hatten. Der spanische Fußballverband hält jedoch am Trainer fest.  

15 Spielerinnen haben per E-Mail ihren Austritt aus der spanischen Fußball-Nationalmannschaft verkündet, solange Trainer Jorge Vilda weiter im Amt bleibe. Das hatte der spanische Fußballverband RFEF am Donnerstag mitgeteilt. 

In ihren wortgleichen E-Mails schreiben die Spielerinnen, die aktuelle Situation beeinträchtige sie in ihrem emotionalen Zustand und ihrer Gesundheit erheblich – bis sich die Umstände änderten, würden sie die Nationalmannschaft verlassen. Berichten der Nachrichtenagentur Reuters zufolge seien die Spielerinnen unzufrieden mit Vildas Trainingsmethoden, seiner Teamauswahl, dem Umgang mit Verletzungen und der Atmosphäre in der Umkleidekabine.

Spaniens Fußballerinnen forderten Trainer zuvor zum Rücktritt auf

Einige Spielerinnen hatten bereits Wochen zuvor den Rücktritt von Trainer Vilda gefordert, wie die spanische Tageszeitung "El Mundo" berichtete. Ende August habe die Kapitänin der Mannschaft, Irene Paredes, mit weiteren Spielerinnen in der Umkleidekabine offen gegen ihn protestiert und ihn zum Rücktritt aufgefordert. Vilda hatte dies damals abgelehnt, und auch der RFEF hatte ihm sein Vertrauen ausgesprochen. In zwei anschließenden Pressekonferenzen am 1. September betonte Kapitänin Paredes gemeinsam mit den Spielerinnen Patri Guijarro und Jennifer Hermoso, sie hätten Vilda eine Botschaft "des allgemeinen Unbehagens" der Mannschaft übermittelt. Jede Spielerin müsse von nun an konsequent sein und entscheiden, ob sie weitermachen wolle oder nicht", sagte Hermoso.

 

Der spanische Fußballverband hat in seiner Stellungnahme vom Donnerstag bereits deutlich gemacht, weiterhin zu Trainer Vilda zu halten. Es handele sich um eine noch nie dagewesene Situation in der Geschichte des Fußballs. Man werde den Druck seitens der Spielerinnen nicht zulassen und ihnen nicht erlauben, "die Kontinuität des Nationaltrainers und seines Trainerstabs in Frage zu stellen", denn diese Entscheidungen fielen nicht in deren Zuständigkeitsbereich. Das Vorgehen der Spielerinnen sei "alles andere als vorbildlich, entspricht nicht den Werten des Fußballs und des Sports und ist schädlich."

Spanischer Fußballverband: Spielerinnen droht Strafe

Die Rücktritte könnten außerdem Konsequenzen für die Spielerinnen haben. Der RFEF wies darauf hin, dass sie mit ihrem Rücktritt gegen geltendes spanisches Recht verstoßen hätten und sogar mit einer Sperre von zwei bis fünf Jahren als Strafe rechnen müssten.

Welche Spielerinnen genau ihren Austritt angekündigt haben, gab der RFEF nicht bekannt. Berichten von "El Mundo" zufolge soll es sich aber dabei um folgende Spielerinnen handeln: Andrea Pereira, Ainhoa Vicente Moraza, Aitana Bonmatí, Amaiur Sarriegi, Sandra Paños, Lola Gallardo, Laia Aleixandri, Mapi León, Leila Ouahabi, Ona Battle, Patri Guijarro, Lucía García, Mariona Caldentey, Claudia Pina und Nerea Eizagirre. Irene Paredes, Rekordtorschützin Hermoso und Top-Spielerin Alexia Putellas, die 2021 mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet wurde, sollen sich demnach nicht darunter befinden. 

  

Spanischer Fußballverband erwartet Entschuldigung von Spielerinnen

Die nun entstandenen Lücken in der Nationalmannschaft will der Verband mit Spielerinnen aus den Jugendklassen auffüllen. Er wolle nur engagierte Spielerinnen für die spanische Mannschaft spielen sehen, die stolz darauf seien, das spanische Trikot zu tragen. Die Spielerinnen, die ihren Austritt angekündigt haben, könnten nur dann in Zukunft in die Nationalmannschaft zurückkehren, wenn sie sich entschuldigten. 

Jorge Vilda trainiert die spanische Fußballnationalmannschaft der Frauen seit 2015. Sein Vertrag läuft bis Ende 2024. 

Quellen: Kommuniqué der RFEF,El Mundo, CNN, ESPNDer Spiegel

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