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"Krieg" im russischen Eiskunstlauf: Wie die "Kaiserin" zwei Eis-Prinzessinnen beiseite räumen will

Drama, Mobbing, Hass - in der Welt des russischen Eiskunstlaufs herrscht wieder "Krieg". Gleich drei Läuferinnen kämpfen um die Krone. Während sich zwei in Streitereien ergehen, schaltet eine "alte Kaiserin" auf Angriff. 

Eiskunstlauf: Jelisaweta Tuktamyschewa bei ihrer Kür bei dem finnischen Espoo Finlandia Trophy Wettbewerb 2018

"Kaiserin" des Eiskunstlaufs: Jelisaweta Tuktamyschewa bei ihrer Kür bei dem finnischen Espoo Finlandia Trophy Wettbewerb 2018

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Die "Kaiserin" ist zurück - diese Nachricht schlug im russischen Eiskunstlauf ein wie eine Bombe. Jelisaweta Tuktamyschewa heißt die "Kaiserin" in der bürgerlichen Welt. 2015 wurde sie Europameisterin, kurz darauf Weltmeisterin. Doch dann ging es bergab mit der Karriere. Auf der internationalen Bühne reichte es beim Cup of China im vergangen Jahr gerade einmal für Bronze. Die "Kaiserin", wie Tuktamyschewa in der Eiskunstlaufwelt genannt wird, hat ihre beste Zeit hinter sich, tuschelte man bereits. Mit 21 Jahren wollte man sie bereits zur grauen Eminenz abschreiben. Doch dann die Überraschung.

In die aktuelle Saison startete Tuktamyschewa gleich mit zwei Siegen. Erst gewann die Russin die Lombardia Trophy in Bergamo und später den finnischen Espoo Finlandia Trophy Wettbewerb. In beiden Programmen sprang sie den Dreifach-Axel - den "Königsprung", der als der schwierigste gilt.  

Ein Paukenschlag, vor allem für ihre beiden wichtigsten Konkurrentinnen: Jewgenija Medwedewa und Alina Sagitowa. Beide Russinnen gehören aktuell zu den größten Stars des Eiskunslaufs. Medwedewa, 18, ist die Welt- und Europameisterin von 2016 und 2017. Sagitowa gewann bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang sowie die Europameisterschaften von 2018. Zum Zeitpunkt der beiden Siege war sie grade mal 15 Jahre alt. Somit ist sie nach Tara Lipinski die zweitjüngste Olympiasiegerin der Eiskunstlauf-Geschichte.

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"Krieg" zwischen Eis-Prinzessinnen und Trainern

Doch auch wenn die beiden für eine Nationalmannschaft laufen, hinter den Kulissen der Eishallentribünen herrscht ein erbitterter Konkurrenzkampf. Insbesondere nachdem Medwedewa mit einem lauten Skandal im vergangenen Mai ihre Trainerin Eteri Tutberidze sitzen ließ und zu dem Kanadier Brian Orser wechselte, und auch gleich nach Kanada zog. Sie gab der Trainerin die Schuld, dass sie bei den Olympischen Spielen sich der jüngeren Sagitowa geschlagen geben und mit der Silbermedaille begnügen musste. 

Seitdem vermeiden die beiden Läuferinnen jede Begegnung, sprechen nicht miteinander und wenden sich bei Wettkämpfen sich demonstrativ voneinander ab. Als die beiden im vergangenen September bei einem Wettbewerb in Moskau angetreten sind, weigerte sich die kanadische Entourage von Medwedewa dieselben Eingänge zur Eisbahn zu benutzen wie Sagitowas Crew. Die Spannung zwischen den beiden sei fast mit den Händen zu greifen gewesen, meinten Kommentatoren.

Wenig überraschend, dass in dieser Atmosphäre beide auf dem Eis patzten. Sagitova vermasselte den Lutz, den Flip und den Rittberger. Medwedewa stürzte nach dem Flip und führte ihre Kaskade gar nicht erst durch.  

Danach war es nur noch eine Frage der Zeit, bis eine Partei die Nerven verliert und austeilt. Als erster meldete sich der Trainer Dag Howe zu Wort, ein enger Freund und Kollege von Brian Orser. Tutberidze hätte ihrer ehemaligen Schülerin Medwedewa gesagt, ihre Karriere sei vorbei und sie werde nichts mehr erreichen, erklärte er den Trainerwechsel der 18-Jährigen. Tutberidze habe Medwedewa also de facto geraten, ihre Karriere zu beenden - eine offene Kriegserklärung in der Welt des Eiskunstlaufs. 

Ob die Worte tatsächlich so gefallen sind oder es sich um einen Schachzug gegen Tutberidze seitens Medwedewas ist, bleibt ungewiss. Beobachter sind sich jedoch einig, dass es erst der Anfang eines Krieges ist, in dem Köpfe rollen werden. Sollte Sagitowa sich nicht gegen Medwedewa durchsetzen können, ist sie schließlich ersetzbar, hat Tutberidze doch weitere große Talente im Arsenal.

Tuktamyschewa kämpft um den Eiskunstlauf-Thron 

Aber wenn sich zwei streiten, freut sich bekanntlich der Dritte. In diesem Fall die von allen schon abgeschriebene Tuktamyschewa. "Soll doch die ganze Welt auf Sagitowa und Medwedewa schauen. Ich mache mein eigenes Ding", sagte sie im Hinblick auf das Drama. "Wenn du aufs Eis gehst, solltest du nur an dich denken, und nicht an deine Konkurrentinnen."

Am 26. Oktober wird Tuktamyschewa das nächste Mal auf das Eis treten. Dann findet im kanadischen Laval die zweite Etappe des diesjährigen Grand Prix statt. Hier wird sie auch auf Medwedewa treffen. Mit ihren zwei Siegen hat die 21-Jährige aber bereits gezeigt, dass sie noch nicht bereit ist, den Thron der Kaiserin zu räumen, und durchaus mit ihrer jüngeren Kontrahentin mithalten kann.

Eine Eiskunstläuferin springt in die Höhe

Medwedewa musste sich in letzter Zeit viel Spott bezüglich ihrer Form gefallen lassen müssen. So manch einer lästerte gar über ihr Gewicht. Seit ihrem Wechsel zu einem kanadischen Trainer und Umzug nach Kanada ist sie zudem bei vielen Fans in Ungnade gefallen. Die patriotischen Russen unterstellen ihr Verrat. Wie sich das auf die Motivation einer jungen Sportlerin auswirken muss, lässt sich nur erahnen.

Tuktamyschewa hingegen scheint ihre Sicherheit auf dem Eis wieder gewonnen zu haben. "Ich weiß, dass die vorherigen Saisons nicht die erfolgreichsten für mich waren, aber ich starte positiv in die neue Saison", sagte sie. In den sozialen Netzwerken gibt sie sich kämpferisch. "Alle haben gesagt, Tuktamyschewa sei erledigt. ich aber sage: ...", schrieb auf Instagram und postete ein Bild von sich mit einer erhobenen faust dazu. 

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