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Australian Open Fall Novak Djokovic: Australien wehrt sich gegen Kritik an Umgang mit Tennisstar

Novak Djokovic (Archivbild)
Novak Djokovic will unbedingt bei den Australian Open spielen, obwohl er mutmaßlich ungeimpft ist (Archivbild)
© Andrej Isakovic / AFP
Der Fall Novak Djokovic bekommt die Züge einer diplomatischen Krise: Serbiens Regierung moniert einen "unmenschlichen Umgang" mit ihrem Staatsbürger und dessen Familie behauptet, er sei in Australien "im Gefängnis". Die australischen Behörden wehren sich.

Der Wirbel um die drohende Abschiebung des impfskeptischen Tennisstars Novak Djokovic aus Australien geht weiter. Die Behörden des Landes wiesen Vorwürfe der Familie des Serben zurück, sie halte den 34-Jährigen seit dessen Ankunft in Melbourne wie einen Gefangenen fest. "Herr Djokovic wird nicht in Australien gefangen gehalten, er kann jederzeit gehen, und der Grenzschutz wäre dabei behilflich", sagte Innenministerin Karen Andrews dem Sender ABC News am Freitag.

Australian Open: Fall Novak Djokovic: Australien wehrt sich gegen Kritik an Umgang mit Tennisstar

Andrews verteidigte das Vorgehen der Behörden und sagte dem TV-Kanal Seven Network, Djokovic habe es versäumt, die richtigen Informationen für seine Einreise nach Australien bereitzustellen: "Sie werden von jedem verlangt, der in das Land einreist. Wenn diese Informationen nicht bereitgestellt werden können, sind die Einreisebestimmungen für Australien nicht erfüllt."

Zugleich bestätigte die Innenministerin weitere Problemfälle im Zusammenhang mit den Australian Open, die nun vom Grenzschutz geprüft würden. Dabei gehe es um zwei Personen, die ebenfalls wegen des am 17. Januar beginnenden Turniers angereist seien. Namen nannte sie nicht.

Novak Djokovic klagt gegen Ausweisung

Eigentlich gilt in Australien die Regel, dass nur Reisende mit Impfschutz gegen das Coronavirus ins Land gelassen werden. Laut Turnierboss Craig Tiley hatten anlässlich der Australian Open 26 Profis oder Betreuer eine Ausnahmegenehmigung beantragt. Bei einer "Handvoll" von Fällen habe das auch geklappt. Titelverteidiger Djokovic ist als einziger namentlich bekannt und steht seit Tagen in der Kritik – zumal der Weltranglistenerste bislang nicht offengelegt hat, mit welcher Begründung ihm die umstrittene Genehmigung erteilt wurde.

Der Mitte 2020 von einer Corona-Infektion genesene Serbe hat sich gegen eine Impfpflicht ausgesprochen und um seinen Impfstatus stets ein Geheimnis gemacht. Als er am späten Mittwochabend (Ortszeit) in Melbourne landete, sah der Grenzschutz die Einreiseregeln in seinem Fall als nicht erfüllt an – so dass Djokovic zwei Nächte in einem Hotel für Ausreisepflichtige verbringen musste, in dem auch abgelehnte Asylbewerber untergebracht sind. Er hat dagegen geklagt. Ein Gericht in Melbourne will am Montag eine Entscheidung fällen.

In Australien hatte der Eindruck einer Vorzugsbehandlung für den Ausnahmeathleten Wut und Empörung ausgelöst – zumal selbst zahlreiche Bürger des Landes während der Pandemie lange nicht in ihre Heimat reisen konnten, weil sich Australien zum Schutz vor einer Einschleppung des Coronavirus abgeschottet hatte.

Im Lager des Sportlers wird dessen Fall wenig überraschend anders wahrgenommen. Djokovic befinde sich in Australien "im Gefängnis", wetterte sein Vater Srdjan am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Belgrad, in der er seinen Sohn zum "Freiheitskämpfer" stilisierte und ihn gar mit Jesus Christus verglich: "Jesus wurde gekreuzigt und vielen Dingen unterworfen, aber er hat durchgehalten und lebt noch unter uns. Novak ist auf die gleiche Weise gekreuzigt worden", fabulierte er.

Auch Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vucic empörte sich über "die Schikanierung des besten Tennisspielers der Welt", Regierungschefin Ana Brnabic unterstellte den australischen Behörden politische Motive für deren Umgang mit Djokovic. Das serbische Außenministerium bat wegen des "unangemessenen und unmenschlichen Umgangs" mit Djokovic gar den australischen Botschafter in Belgrad zum Gespräch.

Visum ist laut Innenministerin "gar nicht das Problem"

Wie genau Djokovic seine medizinische Ausnahmegenehmigung erhielt und woran seine freie Einreise letztlich konkret scheiterte, ist noch immer nicht bekannt. Klar ist: Bei den Australian Open ist die Impfung erstmals bei einer Top-Veranstaltung für Tennisprofis Pflicht. Australischen Medien zufolge scheint das Problem wohl darin zu liegen, dass die Turnierleitung und der Bundesstaat Victoria, dessen Hauptstadt Melbourne ist, für Djokovic zwar eine Ausnahme zur Teilnahme an den Australian Open gewährten – diese aber nicht per se zum vorherigen Betreten des Landes berechtigt.

Dem Vernehmen nach habe Djokovic die Ausnahmegenehmigung zur Teilnahme an dem Grand-Slam-Turnier auf Basis seiner überstandenen Corona-Infektion erwirkt, berichtete die australische Nachrichtenagentur AAP. Aus Sicht der australischen Regierung und des Grenzschutzes seien die Kriterien zur Einreise nach Australien damit aber nicht erfüllt – eine Impfung bleibe Pflicht. Deshalb sei wohl auch das Visum des Sportlers nach dessen Überprüfung durch die Behörden am Flughafen storniert worden.

Innenministerin Andrews sagte dazu lediglich: "Es wird viel über das Visum gesprochen. Das Visum ist nach meinem Verständnis aber gar nicht das Problem – es sind die Einreisevoraussetzungen."

Djokovic hat die Australian Open bereits neunmal gewonnen und wollte als Titelverteidiger auch diesmal unbedingt antreten. Bei einem Sieg hätte er seine Konkurrenten Roger Federer und Rafael Nadal mit Grand-Slam-Triumph Nummer 21 hinter sich gelassen.

mad DPA AFP

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