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Turnier in Ägypten Das Corona-Chaos "übertrifft die Befürchtungen": Die wichtigsten Antworten zur Handball-WM

Leben in der Blase: Kapitän Uwe Gensheimer und sein Team stehen in Ägypten vor außergewöhnlichen Herausforderungen
Leben in der Blase: Kapitän Uwe Gensheimer und sein Team stehen in Ägypten vor außergewöhnlichen Herausforderungen
© Christof Köpsel / Getty Images
Am Mittwochabend startet die Handball-WM in Ägypten und versinkt schon vorher im Corona-Chaos. Zwei Teams haben abgesagt, weitere Ausfälle sind zu befürchten. Und die Deutschen kritisieren das Hygienekonzept. Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Turnier.

Wie ist die Lage in der deutschen Handball-Nationalmannschaft?

Aktuell ist die Stimmung in der deutschen Nationalmannschaft gut. Am Dienstag flog das Team von Bundestrainer Alfred Gislason nach Ägypten und landete bei sommerlichen 27 Grad in Kairo. Noch auf der Gangway wurde die Temperatur gemessen, dann ging es zum Corona-Test. Ein Sonderbus brachte die streng isolierte DHB-Auswahl in das Luxushotel Marriott Mena House unweit der weltberühmten Pyramiden von Gizeh. Dort werden die Deutschen mindestens eine Woche wohnen. Einige Zimmer bieten einen Blick auf die Pyramiden, der Hotel-Pool darf nicht benutzt werden. Ausflüge sind untersagt. Die Mannschaft verlässt das Fünf-Sterne-Haus nur zum Training und für Spiele.

Der Ärger über die Absage einiger deutscher Nationalspieler hat sich gelegt. Die Kieler Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold, die zu den Leistungsträgern gehören, haben aus familiären Gründen die Teilnahme wegen Corona abgesagt. Torwart Andreas Wolff hatte das zunächst kritisiert. Nach dem letzten, erfolgreichen Testspiel gegen Österreich am vergangenen Wochenende, wurde das Thema aber von allen Beteiligten begraben.

Wie sind die Corona-Sicherheitsmaßnahmen zu bewerten?

Es bleibt fraglich, ob es eine gute Idee ist, die WM auszurichten und wie sicher die sogenannte "Blase" ist, in der sich alle Teams während des Turniers aufhalten. 32 Nationen nehmen teil, jeweils zwei Vierergruppen teilen sich eines der vier WM-Hotels. Die Zuschauer wurden erst auf Druck der Nationalmannschaften aus den Hallen verbannt. Nach ihrer Ankunft in Ägypten werden alle Nationen getestet. Anschließend begeben sich die Mannschaften bis Bekanntwerden des Testergebnisses in Isolation. Wer einen negativen Befund vorweisen kann, zählt zur "Bubble". Die ägyptischen Labore arbeiten schnell – Testergebnisse liegen binnen drei Stunden vor. Danach wird weiter im 48-Stunden-Rhythmus getestet, infizierte Spieler sollen offenbar ausgeflogen werden. Weil einige Regelungen den Deutschen zu lax sind, hat der DBH beispielsweise darauf gedrängt, bei den Mahlzeiten im Hotel die Teams stärker zu separieren. 

Welche Teams haben abgesagt und welche rücken nach?

Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden: Mit den USA und Tschechien mussten zwei Mannschaften kurz vor Beginn der WM ihre Teilnahme absagen. In der US-amerikanischen Mannschaft wurden 18 Spieler positiv getestet, bei den Tschechen gibt es 17 Fälle unter Spielern und Betreuern. Der Handball-Weltverband IHF nominierte umgehend die Schweiz und Nordmazedonien nach. Die Absagen zeigen, wie riskant es ist, das Turnier abzuhalten. "Das übertrifft unsere Befürchtungen. Wir hoffen, dass die vielen Hiobsbotschaften, die wir aus allen Ecken der Welt erhalten, endlich ein Ende nehmen", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer am Mittwoch.

Was bedeutet das für den Spielplan der Deutschen?

Noch hat es keine direkten Folgen für den Spielplan der Deutschen, weil kein deutscher Gruppengegner abgesagt hat. Am Freitag um 18 Uhr (live in der ARD) steht die erste Partie gegen Uruguay an. Doch beim zweiten Gruppengegner ist nicht sicher, ob er antritt. Das Team von Kap Verde verzeichnet aktuell sieben positive Corona-Fälle. Es soll am Mittwoch anreisen, konnte zuletzt in seinem Trainingslager in Portugal aber nicht trainieren. Es kann also sein, dass dieser Gegner wegfällt. In diesem Fall würden die Niederlande nachrücken. Das Spiel soll am Sonntagabend um 18.00 Uhr stattfinden (live in der ARD). Das dritte Gruppenspiel ist am nächsten Dienstag um 20.30 Uhr gegen Ungarn (live im ZDF) geplant. Auch die brasilianische Mannschaft steht mit sieben positiven Fällen auf der Kippe.

Gehören die Deutschen zu den WM-Favoriten?

Nein. Minimalziel ist das Viertelfinale. Bei der EM 2020 verpasste Deutschland das Halbfinale und wurde Fünfter. Insgeheim hoffen die Deutschen aber, für eine Überraschung zu sorgen, wie es ihnen bereits 2016 gelang, als sie als Außenseiter Europameister wurden.

Der deutsche Kader im Überblick.

Quellen: DPA, "Sport1", "Sportschau.de"

tis

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