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Hochsprung-Olympiasiegerin: Was macht eigentlich ... Heike Henkel?

Die Kielerin Heike Henkel gewann 1992 bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille im Hochsprung. 2000 hat sie das Hochspringen komplett aufgegeben. Was macht die 54-Jährige heute?

Heike Henkel: Was macht die ehemalige Olympiasiegerin heute?

Heike Henkel, 54, im Garten ihres Hauses in Pulheim. Als Mentaltrainerin gibt sie heute Motivationsworkshops

Nach Ihrem Karriereende im Jahr 2000 haben Sie das Hochspringen komplett aufgegeben. Sind die Erinnerungen an die Profizeit so schlimm?

Nein, ich bin einfach zu steif und würde keine 50 Zentimeter mehr schaffen. Ohne regelmäßiges Training ist das Springen auch zu gefährlich. Meine Muskeln sind nicht mehr stabil genug. Die Belastung auf den Fuß ist das Siebenfache des Körpergewichts. Da können schnell die Bänder reißen. Hochspringen ist keine Sportart, die man zum Spaß machen kann. Nach mehr als 25 Jahren hatte ich genug davon. Zum Ausgleich mache ich lieber Gymnastik und gehe mit dem Hund spazieren.

Standen bei Ihnen früher Hochsprungständer im Garten, mit Latte und Matten?

So professionell war meine Ausstattung nicht. Um das Hochspringen auszuprobieren, habe ich ein Seil zwischen zwei Wäscheständer gespannt und eine alte Matratze daruntergelegt. Später fand das Training in Hallen und auf Sportplätzen statt.

Mit 2,07 Metern stellten Sie 1992 einen Hallenweltrekord auf. Heute erreicht fast niemand mehr diese Höhe. Woran liegt's?

Immer weniger Sportler entscheiden sich für das Hochspringen. Das liegt mitunter daran, dass die Wertschätzung der Leichtathletik in der Öffentlichkeit stark verloren gegangen ist. Ich kann Leichtathleten verstehen, die denken: Wofür soll ich mich anstrengen? Der sportliche Leistungswille ist in den vergangenen Jahren extrem gesunken, die Work-Life-Balance steht mehr im Vordergrund. Und Doping hat auch etwas damit zu tun: Athleten, die einen sauberen Sport praktizieren, sind nicht mehr bereit, sich mit Gedopten zu messen.

Als engagierte Anti-Doping-Kämpferin waren Sie im Gründungsvorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur. Warum haben Sie nach drei Jahren aufgehört?

Ich konnte nicht mehr viel bewegen und mich kaum einbringen. Meine Vorstellung von Prävention im Anti-Doping-Kampf war nicht so sehr gefragt. Somit habe ich wenig Unterstützung erfahren. Außerdem war damals weniger Geld vorhanden, und die Mittel flossen eher in Forschung und Kontrollen anstatt in Präventionsmaßnahmen bei Jugendlichen, wie ich es gern gesehen hätte. Heute hat sich vieles verbessert. Die deutsche Leichtathletik ist auf einem guten Weg zu einem sauberen Sport.

Heute sind Sie Mentalcoach und Buchautorin. Was ist schwieriger zu trainieren: Körper oder Geist?

Der Geist gehört immer mit dazu. Er wird nur oft vergessen zu trainieren. Viele Menschen sagen, ich war nicht bei der Sache. Obwohl jeder etwas dafür machen kann. Mentaltraining ist kein zusätzliches Workout. Wenn ich mich zu Hause ausruhe, schließe ich die Augen und stelle mir eine Situation oder ein Ziel im Kopf vor. Das ist viel einfacher als körperliche Übungen und hilft manchmal mehr.

Sie sind seit 2004 mit dem ehemaligen Zehnkämpfer Paul Meier verheiratet und leben in Pulheim bei Köln – nur ein paar Meter von Ihrem Ex-Mann Rainer Henkel entfernt. Klappt das?

Die Horrorgeschichten, die viele erzählen, kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben nach unserer Trennung vereinbart, immer im Interesse der Kinder zu handeln. Die Erwachsenen sind zweitrangig. Von Unterhaltszahlungen haben wir uns gelöst und sogar das Kindergeld geteilt. Die Kinder wohnen abwechselnd bei Rainer und mir. Dass sich geschiedene Paare die Erziehung teilen, ist für mich selbstverständlich. Vielleicht ist das ja ein Thema für mein nächstes Buch.

Interview: Tobias Ott
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