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Europameister im Zehnkampf Erst Selbstzweifel, dann EM-Titel: Nach dem Mittagsschlaf glaubte Niklas Kaul nicht mehr an Gold

Ein junger weißer Mann jubelt mit offenem Mund und geschlossenen Augen. Er trägt ein gelb-schwarzes Trikot mit Bundesadler
Niklas Kaul bejubelt sein EM-Gold im Zehnkampf
© Ina Fassbender / AFP
Niklas Kaul ist trotz zwischenzeitlichen Selbstzweifeln Europameister im Zehnkampf geworden. Ein Geheimnis seines Erfolges liegt auch in seiner Familie.

Niklas Kaul hatte am zweiten Tag des Zehnkampfs zwischendurch den Glauben an EM-Gold verloren. Schon beim Hochsprung hatte der Mainzer gedacht, es gebe keine Chance mehr auf den Titel. "Nach dem Mittagsschlaf habe ich mir gesagt: Wenn die Goldchance weg ist, mache ich zumindest für alle Zuschauer eine Show in den letzten beiden Disziplinen", sagte der 24 Jahre alte Weltmeister von 2019. Mit dem Speerwurf über 76,05 Meter und einem 1500-Meter-Lauf in Bestzeit von 4:10,04 Minuten schaffte Kaul noch den Titelgewinn mit 8545 Punkten. "Es ist der für mich emotional wichtigere Titel", sagte er im Vergleich zum WM-Triumph.

Sport scheint Kaul in die Wiege gelegt worden zu sein. Kauls Mutter Stefanie war Österreichische Staatsmeisterin über 400 Meter Hürden und 400 Meter. Kauls Vater Michael war Deutscher Meister über 400 Meter Hürden. Und auch seine Schwester Emma wurde in ihrer Altersklasse W14 im Siebenkampf Deutsche Meisterin. Trainiert werden die Geschwister von ihren Eltern.

Kaul entschied sich für Zehnkampf und gegen Handball

Als Jugendlicher hat Kaul auch Handball gespielt, bis ihm sein Zehnkampf-Training keine Zeit mehr für eine andere Sportart ließ. Und das Training hat sich früh ausgezahlt: U18-Weltmeister, U20-Weltmeister, U20-Europameister, U23-Europameister und Weltmeister 2019 sind nur einige seiner Erfolge.

Direkt nach dem Abitur hat er in Mainz begonnen, Physik auf Lehramt zu studieren. "Ich brauchte irgendetwas neben dem Sport, um einen geregelten Tagesablauf zu bewahren und mich optimal auf den Saisonhöhepunkt vorzubereiten", sagte Kaul laut leichathletik.de. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, später Sport als zweites Studienfach zu wählen.

Karriereknick nach Weltmeistertitel

Doch nach seinem WM-Überraschungscoup 2019 in Doha, wo er als jüngster Zehnkämpfer der Geschichte siegte, lief es in seiner bis dahin glanzvollen Karriere nicht mehr rund. Erst musste er eine langwierige Schulterverletzung bewältigen und bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio das vorzeitige Aus nach einer Sprunggelenksverletzung im Fuß verkraften.

Das vorzeitige Aus in Japan ist für ihn nun aber Motivation für die Sommerspiele 2024. "Ich möchte es in Paris einfach besser machen als in Tokio", sagte Kaul. "In Japan haben wir außerdem Olympische Spiele erlebt, wie sie noch nie waren, ohne Zuschauer, ohne andere Sportarten sehen zu können." Er möchte in Paris deshalb Spiele erleben, wie sie eigentlich sind: "Das macht den Antrieb besonders. Und ich will in Paris 2024 natürlich in der Lage sein, eine Bestleistung abzuliefern - dann werden wir sehen, wozu das reicht."


Quellen: DPA, Niklas Kaul auf "leichtathletik.de", Leichtathletik-Verband Rheinhessen, SWR.de.

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