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WM 2018: ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt bekommt Visum für Russland - und soll vernommen werden

Der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt kann nun doch zur WM nach Russland fliegen. Das erfuhr der stern aus informierten Kreisen in Berlin. Die russische Justiz kündigte an, den Journalisten zu vernehmen.

Hajo Seppelt kann nun doch während der WM in Russland arbeiten

Kann nun doch bei der WM in Russland dem Doping-System auf der Spur bleiben: ARD-Journalist Hajo Seppelt.

AFP

Der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt, der von Russland zur "unerwünschten Person" erklärt worden war, erhält nun doch ein Visum für die Fußball-WM im kommenden Sommer. Nachdem der stern unter Berufung auf informierte Kreise in Berlin zuerst über die Aufhebung des Einreiseverbots berichtet hatte, bestätigte Außenminister Heiko Maas via Twitter: "Zwischenerfolg: Russische Seite hat uns soeben mitgeteilt, dass Hajo Seppelt zumindest zur WM einreisen kann." Für den Fall seiner Einreise kündigte die russische Justiz an, den investigativen Journalisten einer Vernehmung unterziehen zu wollen.

Seppelts bereits vorhandene Arbeitserlaubnis für die Zeit des WM-Turniers vom 14. Juni bis 15. Juli war vergangene Woche von den russischen Behörden für ungültig erklärt worden. Der ARD-Journalist war durch seine Beiträge zum Thema Doping, die seit 2009 im Ersten ausgestrahlt wurden, weltweit bekannt geworden. Er trug damit maßgeblich dazu bei, das russische Doping-System aufzudecken.

Bundesregierung setzte sich für Hajo Seppelt ein

Die Bundesregierung hatte das Einreiseverbot für Seppelt scharf kritisiert und Moskau aufgefordert, die Entscheidung zurück zu nehmen. "Wir halten diese Maßnahme der russischen Behörden, Herrn Seppelt das Visum für ungültig zu erklären, für falsch", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. "Wir appellieren an die russische Staatsführung, diesem deutschen Korrespondenten die Einreise zur Berichterstattung über die Fußball-WM zu ermöglichen", so Seibert am Montag.

Auch der Fußball-Weltverband Fifa sollte sich für die Visa-Erteilung an Seppelt "mit allem Nachdruck" einsetzen, forderte der Regierungssprecher. Nachdruck verlieh dieser Forderung offenbar DFB-Präsident Reinhard Grindel, der Fifa-Chef Gianni Infantino nach eigener Aussage telefonisch dazu drängte, in der Causa Seppelt bei der russischen Regierung zu intervenieren. Die freie Berichterstattung über eines der größten Sportereignisse weltweit müsse gewährleistet werden. "Wir sind der Überzeugung, es stünde Russland als Gastgeber schlecht an, wenn es so offensichtlich die Presse- und Meinungsfreiheit vor den Augen der Welt beschnitte." Die Fifa bestätigte am Dienstag ebenfalls, dass das Visum genehmigt wurde und "bedauerte die Unannehmlichkeiten".

Offenbar war es nicht bei Appellen geblieben, sondern hinter den Kulissen wurde konkret an einer Rücknahme des Einreiseverbots für den ARD-Journalisten gearbeitet. Zumindest betonte Maas in seinem Tweet: "Setzen uns weiter für freie Berichterstattung ein". Nach Darstellung der ARD soll trotzdem unklar sein, ob und in welchem Umfang Seppelt von Russland aus auch berichten darf. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, die Angelegenheit werde nun noch einmal genau überprüft. "Wir haben uns entschieden, das jetzt nochmal genau zu verifizieren", sagte sie. Es müsse unter anderem geschaut werden, "wie dieses Visum denn dann gestaltet wäre und welche genaue Ausgestaltung die Lösung dieses Vorgangs hat".

Seppelt soll zum Doping-Kronzeugen befragt werden

Die angekündigte Vernehmung durch die russischen Behörden könnte für Seppelt heikel werden. Hintergrund seien die laufenden russischen Ermittlungen gegen den Doping-Kronzeugen Grigori Rodschenkow, sagte die Sprecherin des Staatlichen Ermittlungskomitees am Dienstag in Moskau. Russland habe Deutschland um Rechtshilfe ersucht, um Seppelt zu dessen Enthüllungen über angebliches Doping befragen zu können. Die deutsche Seite habe immer darauf verwiesen, dass der Journalist von seinem Recht auf Zeugnisverweigerung Gebrauch mache.

"Sollte Seppelt jetzt das Gebiet der Russischen Föderation betreten, wird das Staatliche Ermittlungskomitee erneut Mittel ergreifen, um ihn zu befragen", sagte Sprecherin Swetlana Petrenko der Agentur Interfax zufolge.

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dho mit / DPA / AFP

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