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Torwart von Chapecoense: "Ich fühle meine Beine nicht. Lasst mich nicht sterben"

Jakson Follmann gehört zu den sechs Überlebenden des Flugzeugabsturzes nahe Medellín. Doch dem Torwart des brasilianischen Spitzenclubs Chapecoense musste ein Bein amputiert werden. Und auch das zweite droht er zu verlieren.

Chapecoenses Ersatztorhüter Jakson Follmann

Einer der sechs Überlebenden des Flugzeugabsturzes in Kolumbien: Chapecoenses Ersatztorhüter Jakson Follmann

71 Tote, darunter 19 Fußballspieler und 20 Journalisten, das ist die schreckliche Bilanz des Flugzeugabsturzes in Kolumbien, der fast die komplette Profimannschaft des brasilianischen Erstligisten Chapecoense auslöschte. Zu den sechs Überlebenden der Katastrophe gehört auch Ersatztorwart Jakson Ragnar Follmann. Kolumbianische Helfer haben der brasilianischen Zeitschrift "Época" die Rettung des 24-Jährigen geschildert.

Follmann war im Wrack eingeklemmt

Von den sechs Überlebenden sei Follmann als erster aus dem Flugzeugswrack gezogen worden, berichtete der freiwillige Helfer Jorge Restrepo dem Blatt. "Es ist ein Wunder, dass sie am Leben sind". Follmann habe sich im hinteren Teil der Maschine befunden. Dank seines lauten Stöhnens habe man ihn leicht zwischen den Trümmern lokalisieren können.

Nach Angaben von Gloria Ramírez vom kolumbianischen Zivilschutz war Follman zwischen Flugzeugsitzen und Teilen des Rumpfes der Maschine eingeklemmt, als die Retter ihn fanden. "Lasst mich nicht sterben ... ich fühle meine Beine nicht, lasst mich nicht sterben", sei das einzige gewesen, was der Fußballer immer wieder zu ihr gesagt habe.

Chapecoenses Ersatztorhüter Jakson Follmann

Jakson Follmanns Karriere als Profifußballer ist vorbei. Dem 24-Jährigen musste das rechte Bein amputiert werden.

Follmann wurde ins San-Vicente-Krankenhaus nach Rionegro gebracht. Dort mussten ihm die Ärzte sein rechtes Bein unterhalb des Knies amputieren. Auch sein linkes Bein ist in kritischem Zustand, Muskeln und Gefäße seien ernsthaft verletzt, schreibt die Sportnachrichtenseite "Globo Esporte". Nach Angaben der Klinik liegt der Fußballprofi auf der Intensivstation, sein Zustand sei stabil.

Vater spricht von "Wunder Gottes"

Familienangehörige von Follmann zeigten sich dankbar, dass der 24-Jährige überhaupt überlebt hat. "Bei einem Flugzeugabsturz ist die Überlebenschance praktisch null. Daher ist es ein Wunder Gottes, dass er unter den Überlebenden ist", zitiert "Globo" Follmanns Vater Paulo.

Von den anderen fünf Geretteten hat es Alan Ruschel besonders schwer getroffen. Der Flügelspieler des AF Chapecoense erlitt zahlreiche Knochenbrüche und eine Verletzung an der Wirbelsäule. Er wurde sofort nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus operiert. Sein Zustand ist Medienberichten zufolge derzeit stabil, es droht ihm aber eine Querschnittslähmung.

Gute Nachrichten gibt es vom Verteidiger Hélio Hermito Zampier Neto. Der 31-Jährige, der als letzter der Überlebenden gerettet wurde, habe eine sehr erfolgreiche Operation hinter sich, berichtet "Globe Esporte" unter Berufung auf den Chef der behandelnden Mediziner im Hospital San Juan de Díos. In Netos Gehirn seien keine Blutgerinnsel gefunden worden, lediglich ein Ödem. Daher sei die Situation des Sportlers weniger dramatisch als zunächst befürchtet. Es seien aber noch chirurgische Eingriffe zur Wiederherstellung von Knie, Hand, Nase und Schädel nötig.

Techniker erklärt in Interview sein Überleben

Auch der Zustand des Journalisten Rafael Henzel hat sich seit seiner Einlieferung ins San-Juan-de-Díos-Krankenhaus gebessert. "Beide haben durch den Aufprall Traumata erlitten", zitierte die brasilianische Nachrichtenseite "Correio" den Arzt Juan Antonio Rodrigues. "Aber in den vergangenen zwölf Stunden hat ihre Genesung entscheidende Fortschritte gemacht." Henzel liegt laut "ESPN" mit einem Thoraxtrauma und Rippenbrüchen auf der Intensivstation und wird beatmet. Sein Zustand sei ernst, aber stabil.

Kaum fassbares Glück hatten die Flugbegleiterin Ximena Suarez und der Techniker Erwin Tumiri. Beide wurden bei dem Absturz nur leicht verletzt und gaben bereits erste Interviews. "Ich habe mich an die vorgeschriebenen Sicherheitshinweise gehalten“, erklärte Tumiri dem kolumbianischen Radiosender Caracol sein Überleben. "Ich habe mich hingesetzt und einen Koffer zwischen meine Beine gestellt. Dann habe ich mich in die Haltung eines Embryos begeben." Diese Hinweise seien Bestandteil der routinemäßigen Instruktionen vor allen Flügen der bolivianischen LaMia-Airline.

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