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Vor Spiel gegen Paderborn: Wachsende Zweifel: BVB-Profis in der Bringschuld

Beim 0:4 in München wurden die Schwächen des Titelaspiranten aus Dortmund schonungslos aufgedeckt. Noch immer herrscht gedrückte Stimmung. Ein Sieg gegen Paderborn ist deshalb Pflicht, sonst droht am Sonntag eine turbulente Mitgliederversammlung.

Lucien Favre

Lucien Favre möchte das Spiel gegen die Bayern schnell vergessen machen. Foto: Matthias Balk/dpa

Empörung bei den Anhängern, Frust bei den Profis, Redebedarf bei den Vereinsbossen - der Untergang in München wirkt beim BVB trotz zweiwöchiger Länderspielpause noch immer nach.

Die vielen Fragen nach dem peinlichen 0:4 seiner Mannschaft im Ligagipfel beim FC Bayern bereiten Lucien Favre weiterhin Unbehagen. «Natürlich war das Spiel schwer zu verdauen. Aber ich möchte eigentlich nicht mehr darüber sprechen», kommentierte der Dortmunder Coach.

Leicht genervt verwies er auf die kommende Partie am Freitag (20.30 Uhr/DAZN) gegen den SC Paderborn: «Wir müssen nach vorn schauen und Gas geben.» Trotz der Schmach am vergangenen Spieltag vermied Favre deutliche Worte der Kritik.

Ohnehin blieb für eine intensive Aufarbeitung kaum Zeit. Schließlich kehrten zahlreiche Dortmunder Nationalspieler erst am Mittwoch von ihren Länderspielen zurück. «Wir haben mit den Spielern, die in der vergangenen Woche da waren, das Spiel analysiert», sagte Favre. «Mit den Spielern, die später zurückkamen, haben wir es individuell besprochen, aber nicht zu viel. Wir müssen es vergessen, auch wenn es schwer ist.»

Das Team des Schweizer Fußball-Lehrers steht mächtig in der Bringschuld. Ohne einen standesgemäßen Sieg über das Schlusslicht aus Ostwestfalen droht dem auf Rang sechs abgerutschten Revierclub zwei Tage später eine turbulente Jahreshauptversammlung. Noch sehen alle Beteiligten jedoch keinen Grund, die ambitionierten Saisonziele zu korrigieren. «Mir ist nicht bekannt, dass sich bei uns jemand davon verabschiedet hat, den Versuch zu unternehmen, die Schale wieder nach Dortmund zu holen. Ich tue es jedenfalls nicht», sagte Vereinspräsident Reinhard Rauball dem Fachmagazin «Kicker».

Dass der Jurist entgegen sonstiger Gepflogenheiten in der Vorwoche an der turnusmäßigen Zusammenkunft von Sportdirektor Michael Zorc, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Lizenzspielerchef Sebastian Kehl und Berater Matthias Sammer teilnahm, deuteten viele Beobachter als Indiz für besonderen Klärungsbedarf. Hauptgesprächsthema dürfte dabei gewesen sein, warum die Mannschaft ihr großes Potenzial viel zu selten abruft und zuletzt vor allem in den Auswärtsspielen viel zu wenig Gegenwehr leistete.

Auch in der Chefetage wachsen offenbar die Zweifel an der Qualität des im Sommer für rund 130 Millionen Euro aufgehübschten Kaders. Schon machen Spekulationen über die mögliche Verpflichtung eines echten Mittelstürmers bereits in der Winterpause oder über einen nahen Abschied von Jadon Sancho die Runde.

Mit der schnellen Auswechslung des Außenangreifers in München noch vor der Halbzeit wollte Favre ein Zeichen setzen. Dem Vernehmen nach wäre die Vereinsführung für eine Summe von 140 Millionen Euro bereit, den vertraglich bis 2022 gebundenen Sancho im nächsten Sommer ziehen zu lassen. Das setzt jedoch voraus, dass er zurück zu alter Form findet. Kaum vorstellbar, dass der Dribbelkünstler schon im Spiel gegen Paderborn die Gelegenheit erhält, seine Kritiker zu besänftigen.

Dagegen dürfte Marco Reus nach überstandener Sprunggelenkblessur von Beginn an auflaufen. «Er hat in dieser Woche alle Einheiten mitmachen können, er ist okay», sagte Favre. Sicher nicht dabei ist dagegen Thomas Delaney, der sich beim EM-Qualifikationsspiel der Dänen in Irland (1:1) Bänderrisse im rechten Sprunggelenk zugezogen hat und bis Januar pausieren muss.

Nicht nur seine Profis, auch Favre steht in den kommenden Wochen unter besonderer Beobachtung. Angesichts des wachsenden Drucks äußerte sich der normalerweise für seine vorsichtigen Aussagen bekannte Schweizer ungewöhnlich deutlich zur Erwartungshaltung: «Wir müssen schon Respekt haben. Aber wir wissen, was wir gegen Paderborn machen müssen. Wir wollen unbedingt gewinnen.»

Eine andere Dortmunder Baustelle ist derweil bearbeitet: Der BVB und Sportartikel-Hersteller Puma haben sich auf einen neuen, langjährigen Ausrüstervertrag geeinigt. Der Vertrag sei bis zum Jahr 2028 verlängert worden, teilte der Club am Donnerstagmorgen mit. Der Deal bringt den Dortmundern nach Medienberichten etwa 30 Millionen Euro pro Jahr, insgesamt 250 Millionen Euro bis 2028. Vor sieben Jahren hatten Borussia Dortmund und der Sportartikel-Hersteller aus Herzogenaurach ihre Zusammenarbeit begonnen.

dpa

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