VG-Wort Pixel

+++ Spenden-Ticker +++ Milliardenhilfe für Afghanistan trotz Machtübernahme der Taliban

Protestmarsch
Nach einer Ankündigung der Taliban, dass Afghanen ihre Häuser auf staatseigenem Boden in Kandahar räumen müssen, kam es zu Protesten der Bewohner
© Javed Tanveer / AFP
Lebenshilfe: Tausende Menschen mit Behinderung haben erstmals Wahlrecht +++ Stiftung stern hilft Frauenschutzverbänden mit 100.000 Euro +++ Neues von der Stiftung stern.

Hilfe gegen Hunger, Hoffnung für bedürftige Kinder, Aussicht auf eine bessere Zukunft: Die Stiftung stern unterstützt zahlreiche karitative Initiativen im In- und Ausland. In unserem Spenden-Ticker halten wir Sie darüber auf dem Laufenden, wo die Not in diesem Jahr besonders groß ist, wie die Stiftung sich engagiert und wie Sie mit Ihrem Geld dabei helfen können.

+++ Milliardenhilfe für Afghanistan trotz Machtübernahme der Taliban +++

Trotz der Machtübernahme der Taliban haben zahlreiche Länder wegen einer drohenden humanitären Katastrophe in Afghanistan Hilfen in Millionenhöhe für das Land angekündigt. Deutschland gehört mit einer Zusage von 100 Millionen Euro an humanitärer Hilfe zu den Top-Geldgebern im Rahmen einer UN-Geberkonferenz in Genf am 13.9.2021. Insgesamt kamen der UNO zufolge 1,2 Milliarden Dollar (1,02 Milliarden Euro) zusammen. UN-Generalsekretär António Guterres rief die internationale Gemeinschaft zur Zusammenarbeit mit den Taliban auf. 

Es gehe um humanitäre Hilfe für das Krisenland und die Region, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in Genf. Er stellte zudem "weitere 500 Millionen Euro" in Aussicht. Die Mittel sollen "vor allen Dingen über die Organisationen der Vereinten Nationen (...) zu den Menschen in Afghanistan gebracht werden", sagte der Minister vor der Geberkonferenz in der ARD.

Er sei optimistisch, dass dies auch unter den nun in Afghanistan herrschenden Taliban möglich sei, auch wenn dafür "technische Gespräche" mit diesen nötig seien. Zuvor hatte der Minister bereits angekündigt, dass jegliche Unterstützung für das Land nicht über "reine Nothilfe" für die Bevölkerung hinausgehen werde. Die USA sagten umgerechnet 54 Millionen Euro, Frankreich 100 Millionen Euro und die Schweiz 30 Millionen Euro zu. 

Rettungsleine für Afghanen

"Die Afghanen brauchen eine Rettungsleine", um ihre vielleicht "schwerste Stunde" zu überstehen, sagte Guterres. Er rief die internationale Gemeinschaft zur Zusammenarbeit mit den radikalislamischen Taliban auf. "Es ist nicht möglich, in Afghanistan humanitäre Hilfe zu leisten, ohne mit den De-facto-Behörden zusammenzuarbeiten", sagt er am Rande der Konferenz. Kooperation mit den Taliban sei "zum jetzigen Zeitpunkt sehr wichtig".

Er hatte die Geberkonferenz einberufen und den unmittelbaren Hilfsbedarf auf 606 Millionen Dollar (514 Millionen Euro) beziffert. Fast ein Drittel dieses Bedarfs ist im Zusammenhang mit der Machtübernahme der Taliban entstanden. Die UN selbst sagte 20 Millionen Dollar aus ihrem Nothilfefonds zu. 

Hilfe ist noch unterfinanziert

Afghanistan ist seit Jahren auf internationale Hilfen angewiesen. Bereits Ende vergangenen Jahres hatten die Vereinten Nationen zu Hilfen im Umfang von 1,3 Milliarden Dollar aufgerufen. Der entsprechende Topf ist aber nach wie vor stark unterfinanziert. Nach UN-Angaben ist nun die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren in Afghanistan von Hunger bedroht.

"Jenseits der humanitären Hilfe werden wir unsere künftige Haltung gegenüber einer Regierung der Taliban nicht von deren Worten, sondern vielmehr von deren Taten abhängig machen", sagte Maas bei der Konferenz in Genf. Konkret müssten die neuen Machthaber Menschen mit Schutzstatus in Deutschland ausreisen lassen, "grundlegende Menschenrechte" achten, und das Land dürfe kein Unterschlupf mehr für internationalen "Terrorismus" werden.

Kabinett ohne Frauen

Bislang seien die Taliban davon aber noch weit entfernt: "Die Bildung einer Übergangsregierung unter Ausschluss anderer Gruppen letzte Woche war hier nicht das richtige Signal für internationale Zusammenarbeit", sagte Maas. In dem von den Islamisten vorgestellten Kabinett finden sich ausschließlich Männer mit langjähriger Zugehörigkeit zu der Miliz. Auch die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet zeigte sich "enttäuscht", dass keine Frauen und fast nur angehörige der Volksgruppe der Paschtunen vertreten sind.

In Kabul lief derweil vier Wochen nach der Machtübernahme der Taliban der internationale kommerzielle Flugverkehr wieder an. Eine Maschine der pakistanischen Fluggesellschaft PIA landete mit etwa zehn Passagieren an Bord, darunter ein AFP-Journalist, in der afghanischen Hauptstadt. Das Flugzeug war in Islamabad gestartet.

+++ Ein Jahr nach dem Brand von Moria – Griechenland macht dicht +++

Moria war die Hölle – und in einem Höllenfeuer ist das berüchtigte Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos auch untergegangen. Es war mitten in der Nacht zum 9. September 2020, als rund 12.000 Menschen Hals über Kopf aus ihren notdürftigen Unterkünften vor den Flammen fliehen mussten. Sechs junge Migranten hatten den Brand gelegt. Würde das heillos überfüllte Lager Moria abbrennen, so ihr Kalkül, wäre Athen gezwungen, die Menschen aufs griechische Festland zu bringen. Ein Stück weit ging diese Rechnung auf. Doch dafür ist Griechenland seither zu einer Festung geworden.

Am Tag nach dem Feuer waren von Moria nur noch schwelende Baumstümpfe, Asche und die verkohlten Skelette von Zelten und Containerwohnungen übrig. Teils wochenlang mussten die nun obdachlosen Bewohner auf den umliegenden Straßen schlafen – weinende Kinder, verängstigte Frauen, verzweifelte Männer mit kaum mehr Habe als den Kleidern am Leib. Die Bilder von damals sind vielen Europäern noch deutlich in Erinnerung – und doch ist es ruhig geworden um die griechischen Flüchtlingsinseln.

Das liegt vor allem daran, dass auf Lesbos, Samos, Chios, Kos und Leros unmittelbar gegenüber der türkischen Küste nur noch rund 6000 Migranten leben. Vor einem Jahr waren es mehr als 40.000. Die meisten Menschen hat die griechische Regierung seither aufs Festland gebracht, viele von ihnen haben Asyl erhalten. Nach dem Brand von Moria hatten auch andere EU-Länder Migranten aufgenommen; Deutschland holte damals mehr als 2750 Menschen zu sich. Auf Lesbos selbst leben aktuell noch rund 3750 Migranten in einem Übergangslager, dass die Regierung nach dem Brand gemeinsam mit Hilfsorganisationen errichtet hatte.

Verschärfte Gangart der Regierung

Die seit Jahren erstmals entspanntere Lage auf den griechischen Inseln hat jedoch auch mit der verschärften Gangart der Regierung in Sachen Migration zu tun. Seit die konservative Partei Nea Dimokratia mit Premier Kyriakos Mitsotakis an der Macht ist – seit gut zwei Jahren also – gibt es immer wieder Vorwürfe von Hilfsorganisationen, Griechenland dränge die Flüchtlinge zurück in die Türkei, ohne sie anzuhören. Athen bestreitet, dass es sich dabei um sogenannte Push-Backs handelt, die illegal sind. "Wie jedes Land haben wir das Recht und die Pflicht, unsere Grenzen zu schützen. Wir tun das in Einklang mit den europäischen Vorschriften und dem Völkerrecht", wird Migrationsminister Notis Mitarakis nicht müde zu betonen.

Zudem hat Athen den Grenzschutz stark ausgebaut. Vor allem seit der Krise in Afghanistan wird ein erneuter Anstieg der Flüchtlingszahlen befürchtet. Das schlimmste Szenario der Regierung geht von rund einer Million Menschen aus, berichten griechische Medien unter Berufung auf Regierungskreise. "Wir werden kein neues 2015 erleben", versichert Mitarakis. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise vor sechs Jahren in der Ägäis waren binnen eines Jahres mehr als 850.000 Migranten aus der Türkei nach Griechenland und damit in die EU gekommen.

Grenze zur Türkei verlängert

In böser Erinnerung ist den Griechen zudem die Kehrtwende des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der im Frühjahr 2020 überraschend die Grenze zu Griechenland für Migranten zeitweise für geöffnet erklärt hatte. Tausende Menschen versuchten daraufhin, im Nordosten Griechenlands über die Grenze und den Grenzfluss Evros zu gelangen. Seither hat Athen den dortigen Grenzzaun um 27 auf insgesamt 37 Kilometer verlängert und mehr als 400 zusätzliche Grenzer eingestellt. Auch Drohnen sind im Einsatz und außerdem ein mit Wärmebildkameras ausgestattetes Luftschiff.

Griechenland beklagt außerdem, dass die Türkei mehr als 2000 abgewiesene Migranten nicht zurück nimmt, so wie es der Flüchtlingspakt zwischen Ankara und der EU eigentlich vorsieht. Der türkische Präsidentensprecher Ibrahim Kalin bezeichnete die Beschwerde im Juli als einen "Witz" – angesichts der Tatsache, dass die Türkei bereits 3,6 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen habe. Auch in der Türkei verschärft sich derzeit insgesamt das Klima: Ankara hat bereits mehrmals erklärt, keinen weiteren Flüchtling aufnehmen zu wollen.

Ob das auch mit Blick auf den EU-Türkei-Deal gelten könnte, auf dessen Aktualisierung das Land immer wieder pocht, ist offen. Dass die Türkei den Pakt jedoch hinsichtlich des Grenzschutzes weitgehend einhält, lassen die Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks vermuten: Demnach sind in diesem Jahr bis Ende August nur rund 5000 Migranten illegal von der Türkei nach Griechenland gelangt.

Keine gemeinsame Linie

Die Schleuser hält das nicht ab, die Menschen für viel Geld nach Europa zu bringen – auch auf gefährlicheren Wegen. Immer häufiger greift die griechische Küstenwache Flüchtlingsboote neuerdings auf direkter Route von der Türkei nach Italien auf. Der Deutschen Presse-Agentur bestätigte die EU-Grenzschutzagentur Frontex, dass diese zentral-mediterrane Route bisher in diesem Jahr für den größten Teil illegaler Grenzübertritte verantwortlich sei.

Eine weitere Facette der Flüchtlingsproblematik bereitet EU-Politikern derzeit zusätzlich Kopfzerbrechen. Erhalten die Menschen in Griechenland Asyl, dürfen sie laut EU-Regelwerk in andere EU-Länder weiterreisen. Dort stellen sie dann vermehrt neue Asylanträge. Allein deutsche Behörden sollen seit Juli 2020 bereits mehr als 17.000 solcher Fälle registriert haben.

Griechenland betont, dass man die Menschen nicht einsperren könne. Auch den Vorwurf, die Flüchtlinge schlecht zu behandeln, sodass sie das Land verlassen wollen, weist Athen zurück. Immer wieder hat das Land gefordert, die EU möge ihren Teil beitragen und per Quotenregelung Flüchtlinge aufnehmen – bisher ohne Erfolg, weil sich die Staaten auf keine gemeinsame Linie einigen können.

Die Lage in Griechenland sei für alle schwer, die Arbeitslosigkeit liege bei 15 Prozent, sagt Migrationsminister Mitarakis. Einen Monat nachdem ein Flüchtling offiziell anerkannt wird, fallen staatliche Unterkunft und finanzielle Hilfe weg. "Dann müssen die Menschen für sich selbst sorgen – so wie griechische Bürger auch."

Die Stiftung stern hat die Geflüchteten in Griechenland mit mehr als 90.000 Euro unterstützt. 

+++ Lebenshilfe: Tausende Menschen mit Behinderung haben erstmals Wahlrecht +++

Tausende Menschen mit Behinderungen haben bei der Bundestagswahl erstmals Wahlrecht. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe rief Behinderte am Mittwoch auf, diese Möglichkeit auch zu nutzen. Demnach waren bisher 85.000 Menschen mit Behinderungen und rechtlicher Vollbetreuung in Deutschland von Bundestagswahlen ausgeschlossen. Diese Regelung war 2019 vom Bundesverfassungsgericht gekippt worden. Das Urteil sei "ein großartiger Erfolg" gewesen, erklärte die Lebenshilfe-Bundesvorsitzende Ulla Schmidt. Damit habe "der ungerechtfertigte Ausschluss von diesem Bürgerrecht" für behinderte Menschen ein Ende.

Der Bundestag hatte nach der Verfassungsgerichtsentscheidung das Wahlrecht geändert. Davor erlaubte das Bundeswahlgesetz einen Ausschluss von der Wahl für denjenigen, "für den zur Besorgung aller seiner Angelegenheiten ein Betreuer bestellt ist". Dies galt auch für Straftäter, die wegen Schuldunfähigkeit in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht sind. 

Beide Regelungen wurden durch das Parlament im Mai 2019 abgeschafft. Zudem wurde ein neuer Passus ins Bundeswahlgesetz aufgenommen, der sich mit Unterstützungsmöglichkeiten bei der Stimmabgabe befasst. Demnach kann ein Wahlberechtigter, der nicht lesen kann oder durch eine Behinderung an der Stimmabgabe gehindert ist, Hilfe von einem anderen Menschen bekommen.

Schon bei der Europawahl 2019 konnten nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil erstmals bundesweit behinderte Menschen in Vollbetreuung wählen. Weiterhin vom Wahlrecht ausgeschlossen sind Bürger, denen dieses Recht per Richterspruch entzogen wurde. Dies ist etwa möglich, wenn jemand wegen Landesverrats oder Wahlfälschung verurteilt ist.

+++ 19. Mai: Stiftung stern hilft Frauenschutzverbänden mit 100.000 Euro +++

Im vergangenen Jahr konnte die Stiftung stern im Rahmen der Aktion #sicherheim 40.000 Euro an drei Frauenschutzverbände überweisen. Jetzt folgte die zweite Auszahlungsrunde in Höhe von 100.000 Euro. Das Geld ging an folgende Initiativen:

  1. 45.000 Euro an die Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser (ZIF). Davon 25.000 Euro für die Weiterentwicklung der neu konzipierten Website und 20.000 Euro für interne Qualitätssicherungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, darunter Einarbeitungs- und Fortbildungsangebote für die Teams der Autonomen Frauenhäuser.
  2. 35.000 Euro an den Verein Frauenhauskoordinierung e.V. (FHK) zur Konzeption eines professionellen Spenden und Sponsoring-Managements für das Hilfesystem für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder. Das Projekt soll eine fachlich-fundierte Nutzung und Weiterentwicklung von Spenden und Sponsoring sicherstellen. Für die Träger:innen von Frauenhäusern und Fachberatungsstellen sollen zusätzlich praxisgerechte Empfehlungen zur Umsetzung vor Ort erstellt werden, die mittels eines Workshops und einer Online-Publikation mit der Fachpraxis geteilt werden.
  3. 20.000 Euro an den Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff), um den Beratungsstellen zu ermöglichen, ihre Arbeit während der Corona-Pandemie fortzuführen und durch den verstärkten Einsatz von Schnelltests wieder mehr persönliche Beratungen durchzuführen.

Häusliche Gewalt, vor allem gegen Frauen und Kinder, ist ein weltweites Verbrechen. Die Coronakrise hat die Lage vieler Opfer noch schwieriger gemacht. Die Initiative #sicherheim will mit Geschichten, Plakaten, ­prominenten Unterstützern und vielem mehr auf das Thema aufmerksam machen. Außerdem werden Spenden ­gesammelt – für Organisationen, die den Opfern in Deutschland zur Seite stehen.

#sicherheim ist eine Aktion der Ufa, der Agentur "Die Botschaft" sowie der ­Bertelsmann Content Alliance, zu der neben der Ufa auch die Mediengruppe RTL, RTL Radio Deutschland, die ­Verlagsgruppe Random House, die BMG und der Verlag Gruner+Jahr gehören, in dem der stern erscheint.

Bitte helfen Sie Opfern häuslicher ­Gewalt! Stiftung stern e.V. leitet Ihre Spende weiter an die Frauenhauskoordinie­rung e.V. (FHK), den Bundesverband der ­Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) und die Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser (ZIF).

Stiftung stern e.V., IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01, BIC: DEUTDEHHXXX, Stichwort: "sicherheim". Mehr Informationen unter: http://www.sicherheim.org

+++ 17. Mai: "Noteinsatz in der Favela" – durch Corona müssen immer mehr Brasilianer hungern +++

Zu Weihnachten berichtete der stern über die wachsende Armut in Brasilien und über Bewohner von Favelas, die sich gegen die Hungerkrise stemmen. Jetzt meldete das renommierte Institut Getulio Vargas: Die extreme Armut stieg in der Corona-Pandemie binnen sechs Monaten sogar auf das Dreifache: von 9,5 auf mehr als 27 Millionen Betroffene. Viele leben nur noch von 50 Euro im Monat und schlagen sich als Tagelöhner durch, wie etwa die dreifache Mutter Elisabete Monteiro. Sie nimmt ihre kleinen Kinder jetzt zum Dosensammeln mit. "Acht Stunden am Tag oder so lang, bis wir eine Mahlzeit zusammenhaben."

Brasilien ist eines der weltweit am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder. Ende April überschritt das mit rund 210 Millionen Einwohnern größte Land Lateinamerikas die Marke von 400.000 nachgewiesenen Corona-Toten. Präsident Jair Bolsonaro hat das Virus von Anfang an verharmlost, Schutzmaßnahmen lehnt er – aus wirtschaftlichen Gründen – weiterhin ab und zieht sogar den Sinn von Impfungen in Zweifel.

Die Stiftung stern unterstützt Projekte in den Favelas, um eine Versorgung der Bewohner mit Grundnahrungsmitteln zu ermöglichen. Wenn Sie auch helfen möchten, spenden Sie an: Stiftung stern – Hilfe für Menschen e. V., IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01, BIC DEUTDEHHXXX, Stichwort "Favelas" www.stiftungstern.de

+++ 11. Mai: Coronakrise bringt hilfsbedürftige Kinder und Familien in noch größere Not +++

Die Corona-Pandemie hat nach Experteneinschätzung die Lage für Kinder und Jugendliche, die auf Unterstützung angewiesen sind, noch einmal deutlich verschlechtert. Wer in Armut oder mit einer Behinderung aufwachse, werde von den Folgen der Pandemie besonders hart getroffen, teilte die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) mit. Die AGJ ist nach eigenen Angaben "Forum und Netzwerk bundeszentraler Zusammenschlüsse, Organisationen und Institutionen der freien und öffentlichen Jugendhilfe in Deutschland".

"Das Fatale ist, dass die soziale Karriereleiter unten keine Sprossen hat. Wer einmal in Armut – von Hartz IV – lebt, der wird das mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent auch in den nächsten fünf Jahren noch tun", erklärte die AGJ-Vorsitzende Karin Böllert. Mit Blick auf die Situation junger Menschen mit schwerer Behinderung sprach der Verband von einer "Härtefall-Situation der Corona-Pandemie". Ein Großteil von ihnen sei in den vergangenen Monaten von der Außenwelt quasi abgeschnitten gewesen, da unter anderem Einrichtungen und Therapieangebote geschlossen oder stark eingeschränkt waren.

"Dann waren die Eltern mit ihren behinderten Kindern zu Hause – oftmals isoliert, um das Risiko einer Corona-Infektion zu vermeiden", sagte Böllert. Sie kritisierte in diesem Zusammenhang eine "falsche Impfpriorität": "Es wird höchste Zeit, dass wir Eltern von behinderten Kindern ein schnelles Impfangebot machen."

+++ 3. Mai: Kein Sauerstoff für Corona-Kranke – Kinderklinik in Indien ruft um Hilfe +++

In Indien haben weitere Krankenhäuser Hilferufe im Internet veröffentlicht, weil sie nicht genügend Sauerstoff für die Beatmung von Corona-Patienten haben, darunter eine Kinderklinik in Neu Delhi, wo dutzende Neugeborene und Kinder betroffen sind. "Sauerstoff gehört zum Grundbedarf von Krankenhäusern, und es ist kein ständiger Nachschub gesichert. Wir müssen pausenlos Feuerwehr spielen", klagte der Leiter des Madhukar-Rainbow-Kinderkrankenhauses, Dr. Dinesh, gegenüber der Zeitung "Indian Express". Der Oberste Gerichtshof des Landes setzte der Regierung von Premierminister Narendra Modi am gestrigen Sonntag eine Frist, bis Mitternacht in der Nacht zum Dienstag eine Lösung in der Sauerstoffkrise zu finden.

Indien erlebt derzeit eine heftige zweite Corona-Welle. Das Gesundheitssystem ist völlig überlastet, heute kamen rund 370.000 Neuinfektionen und 3400 Corona-Tote binnen 24 Stunden dazu. Insgesamt wurden in dem Land seit Beginn der Pandemie mehr als 19,9 Infektionen registriert, mehr als 219.000 Menschen starben. Deutschland und andere Staaten schickten inzwischen Nothilfe in das Land. Am Samstag trafen 120 Beatmungsgeräte und Medikamente mit einer Bundeswehrmaschine in Neu Delhi ein, Mitte der Woche soll eine Sauerstoffanlage folgen.

+++ 24. März: Schutz vor Armut und Gewalt: EU-Kommission will Kinderrechte stärken +++

Schutz vor Gewalt, Zugang zu Bildung und mindestens eine gesunde Mahlzeit pro Tag: Die EU-Kommission will Kinder in Europa vor Armut schützen und ihre Rechte stärken. Sie schlug entsprechende Maßnahmen vor, die sich insbesondere an armutsgefährdete Kinder richten. Im Mittelpunkt steht eine sogenannte Garantie gegen Kinderarmut. Die 27 EU-Länder sollen bedürftigen Kindern kostenlosen Zugang zu frühkindlicher Bildung, gesunden Mahlzeiten und zum Gesundheitssystem ermöglichen. 18 Millionen Kinder und damit mehr als jedes fünfte Kind in der EU seien gefährdet, sozial abgehängt zu werden, sagte der für Sozialpolitik zuständige Kommissar Nicolas Schmit. Die Corona-Pandemie drohe, diese Zahl weiter zu erhöhen, deshalb müsse der Armutskreislauf durchbrochen werden. Finanziert werden sollen die Maßnahmen durch EU-Gelder und Mittel der Nationalstaaten.

Gleichzeitig stellte die Kommission eine Kinderrechte-Strategie vor. Sie will etwa Gesetze voranbringen, um Kinder vor häuslicher und digitaler Gewalt zu schützen. Minderjährige sollen außerdem stärker in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Bei Gerichtsprozessen sollen speziell geschulte Ansprechpartner dafür sorgen, dass ihre Bedürfnisse gehört werden. Die Mitgliedstaaten und die EU-Kommission sollen Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie überwachen. Ein erster Bericht ist für 2024 geplant - daran sollen auch Kinder beteiligt werden.

+++ 16. Februar: Schule gerettet: Gemeinschaftszentrum auf Lesbos dankt stern-Lesern +++

Bauarbeiten an der Schule auf dem Gelände des One Happy Family Community Centers für Flüchtlinge auf Lesbos
Bauarbeiten an der Schule auf dem Gelände des One Happy Family Community Centers für Flüchtlinge auf Lesbos
© One Happy Family Community Center

Im November vergangenen Jahres konnte die Stiftung stern dank der Spenden der stern-Leser 25.000 Euro für das One Happy Family Community Center auf der griechischen Insel Lesbos überweisen. Das für und mit Migranten gebaute Gemeinschaftszentrum soll Flüchtlingen als sicherer Treffpunkt, als Ort zum Spielen, Lernen, Kurse besuchen und Sport treiben und als Anlaufstelle bei psychologischen Problemen dienen.

Die Flüchtlinge in den griechischen Lagern brauchen dringend Unterstützung. Wir leiten Ihre Hilfe weiter.

Bitte spenden Sie an:

IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01

BIC DEUTDEHHXXX

Stichwort "Lesbos"; www.stiftungstern.de

Bei einem Brand auf dem Gelände von One Happy Family im März 2020 war die Schule der Einrichtung fast vollständig zerstört worden. Mit der Hilfe der stern-Leser konnte sie glücklicherweise gerettet werden. "Vielen herzlichen Dank für Ihre Spende", hat das Team von One Happy Family nun den stern-Lesern geschrieben und berichtet, dass 10.000 Euro der Spende in die Bauarbeiten auf dem Gelände investiert wurden. Die Bodenplatten seien erneuert und die Wände aus OCB-Platten wiederhergestellt worden und das Dach sei nun stabiler als zuvor. Die Bauarbeiten seien gemeinsam von den freiwilligen Mitarbeitern, darunter Menschen im Asylprozess, die im Camp leben und das Projekt mittragen, und einer kleinen lokalen Handwerkerfirma durchgeführt worden.

Besonders wichtig ist den Helfern, dass sie mittlerweile sogar zwei Freiwillige aus dem Camp, die schon länger mit der Organisation arbeiten, anstellen konnten – als Sicherheitschef und als Gebäudemanager. "Es ist uns ein großes Anliegen, die Anstellungen in der Zukunft erweitern zu können", schreiben sie. Den Menschen würde dadurch nicht nur die Unterstützung in dem Lager zuteil, "sondern sie erhalten dadurch auch einen ersten richtigen Job in Europa, welcher ihnen bei ihrer Integration enorm behilflich sein kann."

+++ 11. Februar: Traum von Schutzhaus für Flüchtlinge in Bosnien rückt dank stern-Spendern näher +++

Die Helferinnen und Helfer von SOS Bihać im bosnischen Grenzgebiet sind gerade im Dauereinsatz: Sie verteilen Essen, warme Kleidung und Schlafsäcke; viele der Flüchtlinge etwa aus Afghanistan, Pakistan und Syrien brauchen medizinische Hilfe. "Die Versorgung mit dem Allernotwendigsten ist zurzeit unsere oberste Priorität", sagt Helmut Hardy von der deutschen Partnerorganisation "Aachener Netzwerk". "Es ist lebenswichtig – ändert aber wenig an der generellen Lage."

Das vergessene Elend von Lipa – Migranten schlafen bei Minusgraden unter freiem Himmel

Die ist nach wie vor verheerend: Im Dezember richtete der Brand eines Lagers bei Lipa die Aufmerksamkeit auf die lebensgefährlichen Bedingungen, unter denen Geflüchtete an der EU-Außengrenze ausharren müssen. Ohne Jacken oder Schuhe drängten sich Menschen im Schnee um klägliche Lagerfeuer.

Überraschend war die Situation für die Hilfsorganisation aber kaum. Sie kennt die Misere der Betroffenen bereits seit Jahren. Der Platz in den offiziellen Camps reicht nur für wenige. Der Großteil bleibt auf sich gestellt. Die Geflüchteten hausen in leeren Abbruchhäusern, in einfachen Zelten oder unter Plastikplanen im Wald. Die Menschen versuchen weiter erfolglos, von der Region um die Stadt Bihać über die Grenze die EU zu erreichen – viele kommen nicht nur ausgehungert und unterkühlt, sondern auch schwer verletzt zurück. Sie brauchen Schutz. Doch es mangelt an sauberen Schlafplätzen.

Die Helferinnen und Helfer von SOS Bihać träumen von einem Haus, einer sicheren Anlaufstelle vor allem für die Frauen und Kinder, die sie nach gewaltsamen Rückführungen von kroatischer Seite, den "Pushbacks", im Grenzgebiet bergen. Auch in Not geratene bosnische Familien sollen darin vorübergehend eine Unterkunft finden. Ein passendes Gebäude gibt es bereits – und mit den Spendengeldern der stern-Leser ist die Realisierbarkeit dieses Traumes einen großen Schritt näher gerückt.

Insgesamt kamen unter dem Stichwort "SOS Bihać" bisher 39.000 Euro an Spenden zusammen. Weil die Stiftung stern darüber hinaus über zweckfreies Spendengeld verfügt, konnten die Helfer in Bosnien-Herzegowina mit insgesamt 50.000 Euro unterstützt werden.

+++ 8. Februar: Nahrung und Material für die Kicker von Lesbos +++

Das alte Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos gibt es nicht mehr, es ist abgebrannt. Es gibt jetzt ein neues Moria, ein Zeltlager, in dem mehr als 6000 Menschen leben. Sie leiden unter der winterlichen Kälte und der Corona-Ausgangssperre.

Fußballspielen gehört zu den wenigen Dingen, die den Kindern im Camp Freude machen und ihnen etwas Abwechslung bieten. Im Dezember besuchte ein stern-Team die Kicker von Lesbos, jetzt können wir ihnen mehr als 10.000 Euro für Material und Nahrungsmittel überweisen. Das ist allerdings nur ein kleiner Teil der Spenden: Wie wir den Rest verteilen, berichten wir demnächst an dieser Stelle.

+++ 6. Februar: Freie Spendengelder ermöglichen flexibles Helfen +++

230.000 Euro an zweckfreien Spenden haben die Stiftung stern im vergangenen Jahr erreicht. Insgesamt betrug das Spendenvolumen aller Leserinnen und Leser mehr als eine Million Euro. Zweckfreie Spenden geben der Stiftung stern die Möglichkeit, die Hilfe für einzelne Hilfsprojekte großzügig aufzustocken.

+++ 1. Februar: "Lebensbedrohliche Situation": Diakonie fordert Hilfe für Flüchtlinge an bosnisch-kroatischer Grenze +++

Vor den Beratungen von Sozialverbänden und Migrantenorganisationen zur Flüchtlingspolitik hat die Diakonie die Bundesregierung aufgefordert, sich für die Schutzsuchenden an Europas Außengrenzen einzusetzen. Für die Menschen dort sei die Situation lebensbedrohlich, "besonders in diesen Wintermonaten an der bosnisch-kroatischen Grenze", warnte Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. Die massiven Menschenrechtsverletzungen dort müssten gestoppt werden. 

"Menschen leben unter unzumutbaren Bedingungen in Wäldern und Industriebrachen und versuchen immer wieder, in die EU zu gelangen, um einen Asylantrag zu stellen", erklärte Loheide. "Die Brutalität, mit der die kroatische Grenzpolizei gegen Schutzsuchende – darunter viele Familien mit Kindern, unbegleitete Minderjährige und Kranke – vorgeht, ist nicht hinnehmbar." Die Zurückschiebungen verstießen klar gegen europäisches Recht, das die Prüfung der Schutzbedürftigkeit unter menschenwürdigen Aufnahmebedingungen garantiere. Deutschland und die EU dürfetn diese Rechtsverletzungen nicht länger tolerieren. Die etwa 10.000 gestrandeten Schutzsuchenden in Bosnien-Herzegowina müssten in Sicherheit gebracht und umverteilt werden. "Deutschland kann diese Menschen aufnehmen", so Loheide. Durch den starken Rückgang der Asylzahlen seien dafür ausreichend Kapazitäten vorhanden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich Morgen per Video mit rund 70 Vertreterinnen und Vertretern von Migrantenorganisationen, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie aus Wirtschaft, Politik, Sport, Wissenschaft und Kultur austauschen. Bei den neunten derartigen Beratungen soll unter anderem über Flüchtlingspolitik in Corona-Zeiten gesprochen werden.

+++ 16. Januar: Kinderhilfsprojekt Arche warnt vor "fatalen" Lockdown-Folgen +++

Der Lockdown wegen der Corona-Pandemie wird dem Kinderhilfsprojekt Arche zufolge bei sozial benachteiligten Kindern tiefe Spuren hinterlassen. "Die Folgen des Lockdowns sind fatal", sagte der Hamburger Projektleiter Tobias Lucht der Deutschen Presse-Agentur. Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr seien durch die Schulschließungen die Defizite bei vielen Kindern so groß gewesen, dass sie kaum mehr aufgeholt werden konnten. Er hoffe daher, dass die Schulen Präsenzunterricht anbieten können, in welcher Form auch immer.

"Unterricht auf Distanz über mehrere Monate funktioniert nicht", warnte Lucht. "Kinder brauchen die physische Anwesenheit eines Erwachsenen, der sie ermutigt und dem sie auch Fragen stellen können". Dabei müssten auch der Leistungsstand der Kinder und das Alter eine wichtige Rolle spielen. "Für viele Kinder sind ihre Lehrer oft die einzigen Bezugspersonen", meinte der Pädagoge. Die Arche ist ein christliches Kinderhilfswerk mit Einrichtungen in zahlreichen deutschen Städten, darunter Berlin, Frankfurt und Hamburg.

+++ 14. Januar: UNO warnt vor Hungersnot im Jemen +++

Nach dem Beschluss der US-Regierung, die Huthi-Rebellen im Jemen auf ihre Terrorliste zu setzen, befürchten Helfer katastrophale Folgen für Millionen Menschen. In dem Bürgerkriegsland leben 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung in Gebieten, die von den Huthis kontrolliert werden. Wichtige Hilfsprojekte könnten nun stark beeinträchtigt, verzögert oder ganz gestoppt werden, weil internationale Organisationen juristische Konsequenzen oder Sanktionen der USA fürchteten. Die Vereinten Nationen warnen vor einer Hungersnot. "Es könnte der Tropfen sein, der das Fass im Jemen zum Überlaufen bringt", schrieb UN-Nothilfekoordinator  Mark Lowcock auf Twitter:  Nun drohe "nicht nur eine kleine Hungersnot, sondern eine wirklich gewaltige". Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hatte im Oktober bereits Höchstwerte bei der akuten Unterernährung von Kindern unter fünf Jahren gemeldet.

In der von Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa zeigt sich das Leid in erschreckendem Ausmaß. Dutzende Kinder mit völlig abgemagerten Körpern werden etwa im Sabin-Krankenhaus versorgt. "Unsere Kinder blicken jeden Tag dem Tod ins Auge. Sie bekommen kein Essen, keine Gesundheitsversorgung und keines ihrer Rechte", sagte Fatma Ahmad, Mutter eines stark unterernährten Mädchens, der Deutschen Presse-Agentur. "Der Krieg hat uns alles geraubt." Es gebe "keine Gehälter oder Medizin" und auch kein "Essen, um den Magen zu füllen".

Im Jemen kämpft ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis an der Seite der Regierung gegen die Huthis, die vom Iran unterstützt werden. Im Norden und Westen beherrschen sie so gut wie alle Bereiche des täglichen Lebens. Experten zufolge zielt die Einstufung als Terrororganisation durch die USA vor allem darauf ab, die Iran-Politik des künftigen US-Präsidenten Joe Biden zu erschweren. Es gibt keine Anzeichen, dass die Huthis dadurch militärisch geschwächt oder der Kampf gegen sie erleichtert wird.

+++ 7. Januar: Verzweifelter Aufschrei der Flüchtlinge in Bosnien +++

Für den stern-Jahresrückblick 2020 sprachen wir im November mit Flüchtlingen im Camp Lipa im bosnisch-kroatischen Grenzgebiet. Damals war bereits klar, dass das Lager geschlossen werden würde. Die Zelte waren nicht winterfest. Der erste Schnee fiel, die Temperaturen sanken unter null Grad.

Nachdem nun kurz vor Weihnachten die Räumung des Camps angeordnet worden war, gingen die Reste des Lagers in Flammen auf. Offenbar aus Frust hatten Bewohner die ­ungeeigneten Plastikzelte in Brand gesetzt. Es war ein verzweifelter Aufschrei – denn das Lager wurde geschlossen, ohne dass zuvor eine Lösung für die Menschen gefunden worden war. Noch immer haben sie keine Unterkunft, etwa tausend Flüchtlinge harren ohne feste Wände, Wasser oder Strom in der lebensbedrohlichen Kälte aus.

Im Grenzgebiet ist die lokale ­Hilfsorganisation "SOS Biha" im Einsatz. Sie kümmert sich um die Notversorgung – neben den ­Bewohnern des aufgelösten Camps gibt es noch Tausende andere, die mehr oder minder im Freien hausen und dabei kaum genügend Brennholz haben, um sich ein Feuer zu machen. Viele berichten von Erfrierungen oder Unterernährung.

+++ 4. Januar: Mehr als 1,2 Millionen Menschen ab 75 Jahren waren 2019 von Armut bedroht +++

In Deutschland waren im Jahr 2019 einem Bericht zufolge insgesamt 1,223 Millionen Menschen ab 75 Jahren von Armut bedroht. Das waren zwar 95.000 weniger als im Jahr zuvor, aber immer noch mehr als doppelt so viele wie 2009, als 541.000 Menschen dieser Altersgruppe betroffen waren, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" aus einer Auswertung der Linksfraktion berichtete. Die Fraktion bezog sich auf neue Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat.

Als armutsgefährdet gelten Menschen, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens verfügen. 2019 lag die Schwelle bei 14.109 Euro Jahreseinkommen.

Auch der Anteil der Armutsbedrohten im Alter ab 75 Jahren war demnach zuletzt leicht rückläufig. 2019 waren 14,6 Prozent der Menschen in dieser Altersgruppe betroffen, das war ein Prozentpunkt weniger als 2018, wie die Zeitung weiter berichtete. Allerdings liege die Quote noch immer 2,3 Prozentpunkte höher als 2010. Noch immer seien zu viele ältere Menschen von Armut bedroht, sagte die Linken-Sozialexpertin Sabine Zimmermann der Zeitung. Durch die Corona-Pandemie verschärfe sich die Situation weiter. Die gesetzliche Rente müsse deswegen "dringend gestärkt und armutsfest gemacht werden, unter anderem durch Anhebung des Rentenniveaus auf mindestens 53 Prozent und die Einführung einer solidarischen Mindestrente, die ein Leben in Würde im Alter ermöglicht".

bal

Mehr zum Thema