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+++ Spenden-Ticker +++: Das Armutsrisiko von Familien steigt mit jedem Kind

Familien sind finanziell häufig schlechter gestellt als bisher angenommen, so das Ergebnis einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung. Und je mehr Nachwuchs eine Familie bekommt, desto größer wird ihr Armutsrisiko.

Der Schatten eines Mannes mit zwei Kindern an der Wand einer Kindertagesstätte

Der Schatten eines Mannes mit zwei Kindern an der Wand einer Kindertagesstätte: Die Entscheidung für Familienzuwachs hat finanziellen Auswirkungen, die vor allem ärmere Familien stark belasten können.

DPA

Hilfe gegen Hunger, Hoffnung für bedürftige Kinder, Stipendien für eine bessere Zukunft: Die Stiftung stern unterstützt zahlreiche Initiativen im In- und Ausland. In unserem Spenden-Ticker halten wir Sie darüber auf dem Laufenden, wo die Not in diesem Jahr besonders groß ist, wie die Stiftung sich engagiert und wie Sie mit Ihrem Geld dabei helfen können.

7. Februar: Armutsrisiko von Familien steigt mit jedem Kind 

Mit jedem Kind erhöht sich für Familien das Risiko von Armut. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie der . Danach war 2015 rund jedes achte Paar (13 Prozent) mit einem Kind armutsgefährdet, rund jedes sechste Paar (16 Prozent) mit zwei Kindern und fast jedes fünfte (18 Prozent) mit drei Kindern. Als arm gelten demzufolge Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. Die Studie beruht auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Das Armutsrisiko von Familien sei damit deutlich höher, als bislang gedacht, so die Forscher der Ruhr-Universität Bochum, die die Studie mit einer neuen Berechnungsmethode erstellt haben. Mit der bisherigen Berechnung auf Grundlage einer Skala der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seien "die Einkommen armer Haushalte systematisch über- und jene reicher Haushalte unterschätzt" worden. Denn für ärmere Familien sei die finanzielle Belastung durch Kinder im Verhältnis größer als für wohlhabende Familien. Vor allem die Einkommenssituation Alleinerziehender sei schlechter als angenommen. Bei ihnen liege die Armutsrisikoquote nach der neuen Methode bei 68 Prozent, nach der alten habe sie nur 46 Prozent betragen.

Die Wissenschaftler berechneten den Angaben zufolge neu, welche zusätzlichen Kosten durch Kinder je nach Familientyp und Einkommenssituation entstehen. Dabei habe sich gezeigt, je geringer das Familieneinkommen ist, desto schwerer wiegt die finanzielle Belastung durch jedes weitere Haushaltsmitglied. Die Untersuchung zeigt der Stiftung zufolge auch, dass von 1992 bis 2015 Paare mit Kindern oder Alleinerziehende im Durchschnitt finanziell stets schlechter gestellt waren als kinderlose Paare. "Mit jedem zusätzlichen Kind wird die finanzielle Lage von Familien schwieriger", erklärte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Kinder seien in Deutschland "leider ein ".

Das Vorgehen der Bochumer Forscher ist allerdings nicht unumstritten. Andere Wissenschaftler halten die Grundaussage der -Studie zwar für richtig, die angegebenen Zahlen aber für zu hoch und die OECD-Methodik für angemessen.

1. Februar: Stiftung stern dankt für mehr als 100.000 Euro an Spenden

Zum Jahreswechsel 2017/2018 sind mehr als 100.000 Euro an die Stiftung gespendet worden. Die gesamte stern-Redaktion bedankt sich bei den Spendern für das große Vertrauen. So kann der stern auch weiterhin schnelle, direkte und unbürokratische Hilfe für Menschen in Not leisten.

In diesem Jahr wird wieder ein Großteil der Spenden an bedürftige und ihre Familien in Deutschland gehen. Aber auch die Rohingya in Bangladesch, die vor dem Terror der Armee in Myanmar fliehen mussten und die vom Krieg heimgesuchten Menschen im bitterarmen Jemen sind auf unsere Unterstützung angewiesen.

30. Januar: "Ohne sie wäre ich wohl längst tot" - Bericht aus dem Projekt Mutmacher

"Mutmacherin" Shabnam Jalali im Gespräch mit Melanie (Name v. d. Red. geändert)

"Mutmacherin" Shabnam Jalali im Gespräch mit Melanie (Name v. d. Red. geändert)

Melanie (Name v. d. Red. geändert) musste früh das Lügen lernen. Erzählen, dass sie gefallen oder ausgerutscht sei, wenn sie mal wieder von der Mutter verprügelt worden war. An die Wand geworfen, mit zugedrückter Kehle; die Schläge mit dem Gürtel waren harmlos dagegen. Ihre Mutter brachte sie danach oft ins Krankenhaus, und wenn ein Arzt fragte, was wirklich passiert war, logen beide. Auch gegenüber Leuten vom Jugendamt, nach einem Schädel-Hirn-Trauma. Alles in Ordnung, sagte die Mutter. Alles in Ordnung, sagte die Tochter. Sie liebte ja ihre Mutter, "sie ist kein schlechter Mensch", das sagt Melanie noch heute.

Melanie ist 20 Jahre alt und gerade selbst Mutter geworden. Sie kümmert sich rührend um ihren Kleinen, er soll es besser haben als sie. Ihr Vater hatte die Familie gleich nach ihrer Geburt verlassen, den Frust über das Leben und die Liebe ließ die Mutter an ihrer Tochter aus. "Alles, was ich wollte, war überleben", sagt Melanie.

Ihr Glück war, dass sie mit 13 Jahren Zuflucht fand in der "Arche" in Hamburg-Jenfeld. Dort, wo Kinder nach der Schule ein Essen bekommen und Hausaufgaben erledigen können. Und wo Shabnam Jalali arbeitet, die ein gutes Auge hat für jeden, dem es schlecht geht. "Ohne sie", sagt Melanie, "wäre ich wohl längst tot."

Die gelernte Betriebswirtin Shabnam Jalali hat schon vielen geholfen. Mit Unterstützung der Stiftung stern und des Schauspielers Til Schweiger sowie mit Geldern aus dem "RTL-Spendenmarathon" schuf sie vor vier Jahren ein beeindruckendes Projekt: "Mutmacher". Hier kümmern sich drei Sozialarbeiter gezielt um die Probleme von Jugendlichen. Hören zu, fragen nach, versuchen, Perspektiven zu entwickeln. Sie sind: Lebensberater. Und oft die Einzigen, denen sich die Jungen und Mädchen noch anvertrauen. Weil sie von ihren Eltern und manchmal auch von ihren Lehrern nichts mehr erwarten.

Melanie ist eine von mittlerweile fast 100 Jugendlichen, die durch diese Unterstützung einen guten Schulabschluss erreichten oder eine Lehrstelle fanden. Anfangs allerdings wollte sie niemanden an sich heranlassen. "Ich war", sagt sie, "voll eklig und asi." Sie betäubte ihren Schmerz mit Cannabis, sie ging auf Mitschülerinnen los. Wurde magersüchtig und spürte sich nur noch, wenn sie ihre Arme mit einer Rasierklinge ritzte.

Heute hat sie "kein Gefühl mehr für diese Zeit zwischen 13 und 17". Doch sie weiß noch, wie Shabnam Jalali ihr Vertrauen gewann, wie sie mit den Lehrern sprach, mit der Mutter. Wie sie Hoffnung in ihr weckte und das Gefühl, etwas wert zu sein.

Shabnam Jalali macht das so gut, dass Unternehmensberater versucht haben, die "soziale Rendite" ihrer Arbeit zu bemessen. Das Ergebnis, im vergangenen Jahr vorgestellt in einer Studie der Boston Consulting Group: "Jeder in das Mutmacher- Programm investierte Euro bringt mindestens 20 Euro sozialen Nutzen." Weil Jugendliche, die Abitur oder eine Ausbildung machen, dem Staat später nicht auf der Tasche liegen. Weil weniger Gefahr besteht, dass sie kriminell werden. Und weil die Chancen groß sind, dass sie sich später auch für andere engagieren.

Melanie möchte nach ihrem Realschulabschluss gern Krankenschwester werden. "Nah dran sein an Menschen, näher geht nicht." Und heiraten, "obwohl die Feier ein bisschen traurig wird, weil wir dafür wohl kein Geld haben". Ihr zukünftiger Mann arbeitet hart, viele Nachtschichten für wenig Geld. "Aber uns geht es gut", sagt sie. "Ich bin nicht immer glücklich. Aber zufrieden."

22. Januar: Laut Oxfam gibt es 2043 Milliardäre, während 3,7 Milliarden Menschen in Armut leben

Oxfam-Aktivisten protestieren auf dem Platz der Republik in Paris

"Die Ungleichheiten bekämpfen, die Armut besiegen": Oxfam-Aktivisten protestieren auf dem Platz der Republik in Paris.

Das im letzten Jahr weltweit erwirtschaftete Vermögen ist einer Studie zufolge fast nur den Reichen zugute gekommen: Das wohlhabendste Prozent der Weltbevölkerung sicherte sich rund 82 Prozent des 2017 neu geschaffenen Reichtums, heißt es in einem Bericht der Entwicklungsorganisation Oxfam. Die 3,7 Milliarden Menschen, die die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung ausmachten, hätten dagegen überhaupt nicht vom Vermögenswachstum profitiert. Zwischen 2016 und 2017 sei die Zahl der Milliardäre derweil angestiegen wie nie zuvor - alle zwei Tage sei ein neuer Milliardär hinzugekommen. Mit 2043 Milliardären lag die Gesamtzahl im Jahr 2017 demnach auf einem Rekordhoch.

"Der Milliardärsboom ist kein Zeichen einer florierenden Wirtschaft, sondern ein Symbol für das Scheitern der Wirtschaftsordnung", kritisierte Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima. Oxfam forderte, die Steuervermeidung von Konzernen und Superreichen zu stoppen, faire Einkommen für Frauen und durchzusetzen und in Bildung und Gesundheit für alle zu investieren.

Oxfam Deutschland monierte, eine reiche Minderheit nehme massiv Einfluss auf politische Entscheidungen und senke Unternehmenskosten,  insbesondere Löhne und Steuern, um die Profite der Anteilseigner zu steigern. Den Preis der Profite zahlten derweil Milliarden von Menschen, "die zu Löhnen, die nicht zum Leben reichen, schuften müssen und keinen Zugang zum öffentlichen Bildungs- und Gesundheitssystem erhalten".

17. Januar: 400.000 Kinder im Kongo sind laut UN vom Hungertod bedroht

Kinder in einem Flüchtlingsdorf im Kongo

Kinder in einem Flüchtlingsdorf im Kongo. In dem zentralafrikanischen Land sind wegen anhaltender Konflikte Hunderttausende Menschen aus ihrer Heimat geflohen, um in andere Landesteilen Schutz zu suchen

Die Vereinten Nationen befürchten eine gewaltige Hungerkrise in der kongolesischen Krisenregion Kasai. Mindestens 400.000 Kleinkinder leiden dort an akuter Mangelernährung, wie der Landesdirektor des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Tajudeen Oyewale, mitteilt. "Sie werden vermutlich sterben", warnt er, es sei denn sie bekämen rasch Nahrungsmittelhilfen und gesundheitliche Unterstützung.

"Die Zeit, im Kongo noch Hunderttausende Menschenleben zu retten, läuft ab", erklären Unicef, das Welternährungsprogramm (WFP) und die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) in einem gemeinsamen Appell. In Folge des 2016 ausgebrochenen Konflikts in der zentralen Region sei die Landwirtschaft zusammengebrochen. Nun bräuchten rund 3,2 Millionen Menschen Nahrungsmittelhilfe, derzeit könne aber wegen fehlender Finanzmittel nur 400.000 von ihnen geholfen werden. Mehr als 750.000 Menschen seien in Folge des Konflikts nach wie vor Binnenflüchtlinge.

Die kongolesische Regierung und die internationale Gemeinschaft müssten rasch mehr Unterstützung mobilisieren, um "eine große Hungersnot" zu vermeiden, sagt WFP-Landeschef Claude Jibidar. "Wenn das nicht gelingt, sofort und mit vereinten Kräften, heißt das, dass viele Menschen sterben werden." Die Situation im Kongo gilt bei den UN inzwischen mit Syrien, dem Irak und dem Jemen als eine der schlimmsten humanitären Krisen.

1. Januar: Kinderhilfswerk fordert kinderfreundlicheres Deutschland

Das Deutsche Kinderhilfswerk appelliert zu Jahresbeginn an die nächste Bundesregierung, Maßnahmen für ein kinderfreundliches Deutschland auf den Weg zu bringen. Dazu seien Änderungen des Grundgesetzes mit einer dortigen Verankerung von Kinderrechten, eine Politik zur Überwindung der Kinderarmut, eine konsequente Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention auch für geflüchtete Kinder sowie eine deutliche Stärkung des Bildungssektors nötig. "Wirksame Maßnahmen für ein kinderfreundliches Deutschland gehören auf der politischen Agenda ganz nach oben, sonst riskieren wir nichts weniger als die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft", mahnt der Präsident des Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger.

Zur Überwindung der Kinderarmut fordert das Kinderhilfswerk einen Bundesweiten Aktionsplan, der mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet ist und ressortübergreifend an allen gesellschaftlichen Handlungsfeldern ansetzt. Um die Situation von geflüchteten Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu verbessern, müsse der Vorrang des Kindeswohls auch für Flüchtlingskinder konsequent umgesetzt werden und nicht zuletzt ein gesetzlicher Anspruch auf familiäres Zusammenleben für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge anerkannt werden.

mad/DPA/AFP