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+++ Spenden-Ticker +++ Schutz vor Armut und Gewalt: EU-Kommission will Kinderrechte stärken

Vier Kinder in Berlin auf dem Schulweg
Mehr als jedes fünfte Kind in der Europäischen Union ist laut der EU-Kommission gefährdet, sozial abgehängt zu werden
© Jens Kalaene/Picture Alliance/DPA
Schule gerettet: Gemeinschaftszentrum für Flüchtlinge auf Lesbos dankt stern-Lesern +++ Traum von Schutzhaus für Flüchtlinge in Bosnien rückt dank stern-Spendern näher +++ Neues von der Stiftung stern im Spenden-Ticker.

Hilfe gegen Hunger, Hoffnung für bedürftige Kinder, Aussicht auf eine bessere Zukunft: Die Stiftung stern unterstützt zahlreiche karitative Initiativen im In- und Ausland. In unserem Spenden-Ticker halten wir Sie darüber auf dem Laufenden, wo die Not in diesem Jahr besonders groß ist, wie die Stiftung sich engagiert und wie Sie mit Ihrem Geld dabei helfen können.

+++ 24. März: Schutz vor Armut und Gewalt: EU-Kommission will Kinderrechte stärken +++

Schutz vor Gewalt, Zugang zu Bildung und mindestens eine gesunde Mahlzeit pro Tag: Die EU-Kommission will Kinder in Europa vor Armut schützen und ihre Rechte stärken. Sie schlug entsprechende Maßnahmen vor, die sich insbesondere an armutsgefährdete Kinder richten. Im Mittelpunkt steht eine sogenannte Garantie gegen Kinderarmut. Die 27 EU-Länder sollen bedürftigen Kindern kostenlosen Zugang zu frühkindlicher Bildung, gesunden Mahlzeiten und zum Gesundheitssystem ermöglichen. 18 Millionen Kinder und damit mehr als jedes fünfte Kind in der EU seien gefährdet, sozial abgehängt zu werden, sagte der für Sozialpolitik zuständige Kommissar Nicolas Schmit. Die Corona-Pandemie drohe, diese Zahl weiter zu erhöhen, deshalb müsse der Armutskreislauf durchbrochen werden. Finanziert werden sollen die Maßnahmen durch EU-Gelder und Mittel der Nationalstaaten.

Gleichzeitig stellte die Kommission eine Kinderrechte-Strategie vor. Sie will etwa Gesetze voranbringen, um Kinder vor häuslicher und digitaler Gewalt zu schützen. Minderjährige sollen außerdem stärker in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Bei Gerichtsprozessen sollen speziell geschulte Ansprechpartner dafür sorgen, dass ihre Bedürfnisse gehört werden. Die Mitgliedstaaten und die EU-Kommission sollen Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie überwachen. Ein erster Bericht ist für 2024 geplant - daran sollen auch Kinder beteiligt werden.

+++ 16. Februar: Schule gerettet: Gemeinschaftszentrum auf Lesbos dankt stern-Lesern +++

Bauarbeiten an der Schule auf dem Gelände des One Happy Family Community Centers für Flüchtlinge auf Lesbos
Bauarbeiten an der Schule auf dem Gelände des One Happy Family Community Centers für Flüchtlinge auf Lesbos
© One Happy Family Community Center

Im November vergangenen Jahres konnte die Stiftung stern dank der Spenden der stern-Leser 25.000 Euro für das One Happy Family Community Center auf der griechischen Insel Lesbos überweisen. Das für und mit Migranten gebaute Gemeinschaftszentrum soll Flüchtlingen als sicherer Treffpunkt, als Ort zum Spielen, Lernen, Kurse besuchen und Sport treiben und als Anlaufstelle bei psychologischen Problemen dienen.

Die Flüchtlinge in den griechischen Lagern brauchen dringend Unterstützung. Wir leiten Ihre Hilfe weiter.

Bitte spenden Sie an:

IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01

BIC DEUTDEHHXXX

Stichwort "Lesbos"; www.stiftungstern.de

Bei einem Brand auf dem Gelände von One Happy Family im März 2020 war die Schule der Einrichtung fast vollständig zerstört worden. Mit der Hilfe der stern-Leser konnte sie glücklicherweise gerettet werden. "Vielen herzlichen Dank für Ihre Spende", hat das Team von One Happy Family nun den stern-Lesern geschrieben und berichtet, dass 10.000 Euro der Spende in die Bauarbeiten auf dem Gelände investiert wurden. Die Bodenplatten seien erneuert und die Wände aus OCB-Platten wiederhergestellt worden und das Dach sei nun stabiler als zuvor. Die Bauarbeiten seien gemeinsam von den freiwilligen Mitarbeitern, darunter Menschen im Asylprozess, die im Camp leben und das Projekt mittragen, und einer kleinen lokalen Handwerkerfirma durchgeführt worden.

Besonders wichtig ist den Helfern, dass sie mittlerweile sogar zwei Freiwillige aus dem Camp, die schon länger mit der Organisation arbeiten, anstellen konnten – als Sicherheitschef und als Gebäudemanager. "Es ist uns ein großes Anliegen, die Anstellungen in der Zukunft erweitern zu können", schreiben sie. Den Menschen würde dadurch nicht nur die Unterstützung in dem Lager zuteil, "sondern sie erhalten dadurch auch einen ersten richtigen Job in Europa, welcher ihnen bei ihrer Integration enorm behilflich sein kann."

+++ 11. Februar: Traum von Schutzhaus für Flüchtlinge in Bosnien rückt dank stern-Spendern näher +++

Die Helferinnen und Helfer von SOS Bihać im bosnischen Grenzgebiet sind gerade im Dauereinsatz: Sie verteilen Essen, warme Kleidung und Schlafsäcke; viele der Flüchtlinge etwa aus Afghanistan, Pakistan und Syrien brauchen medizinische Hilfe. "Die Versorgung mit dem Allernotwendigsten ist zurzeit unsere oberste Priorität", sagt Helmut Hardy von der deutschen Partnerorganisation "Aachener Netzwerk". "Es ist lebenswichtig – ändert aber wenig an der generellen Lage."

Das vergessene Elend von Lipa – Migranten schlafen bei Minusgraden unter freiem Himmel

Die ist nach wie vor verheerend: Im Dezember richtete der Brand eines Lagers bei Lipa die Aufmerksamkeit auf die lebensgefährlichen Bedingungen, unter denen Geflüchtete an der EU-Außengrenze ausharren müssen. Ohne Jacken oder Schuhe drängten sich Menschen im Schnee um klägliche Lagerfeuer.

Überraschend war die Situation für die Hilfsorganisation aber kaum. Sie kennt die Misere der Betroffenen bereits seit Jahren. Der Platz in den offiziellen Camps reicht nur für wenige. Der Großteil bleibt auf sich gestellt. Die Geflüchteten hausen in leeren Abbruchhäusern, in einfachen Zelten oder unter Plastikplanen im Wald. Die Menschen versuchen weiter erfolglos, von der Region um die Stadt Bihać über die Grenze die EU zu erreichen – viele kommen nicht nur ausgehungert und unterkühlt, sondern auch schwer verletzt zurück. Sie brauchen Schutz. Doch es mangelt an sauberen Schlafplätzen.

Die Helferinnen und Helfer von SOS Bihać träumen von einem Haus, einer sicheren Anlaufstelle vor allem für die Frauen und Kinder, die sie nach gewaltsamen Rückführungen von kroatischer Seite, den "Pushbacks", im Grenzgebiet bergen. Auch in Not geratene bosnische Familien sollen darin vorübergehend eine Unterkunft finden. Ein passendes Gebäude gibt es bereits – und mit den Spendengeldern der stern-Leser ist die Realisierbarkeit dieses Traumes einen großen Schritt näher gerückt.

Insgesamt kamen unter dem Stichwort "SOS Bihać" bisher 39.000 Euro an Spenden zusammen. Weil die Stiftung stern darüber hinaus über zweckfreies Spendengeld verfügt, konnten die Helfer in Bosnien-Herzegowina mit insgesamt 50.000 Euro unterstützt werden.

+++ 8. Februar: Nahrung und Material für die Kicker von Lesbos +++

Das alte Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos gibt es nicht mehr, es ist abgebrannt. Es gibt jetzt ein neues Moria, ein Zeltlager, in dem mehr als 6000 Menschen leben. Sie leiden unter der winterlichen Kälte und der Corona-Ausgangssperre.

Fußballspielen gehört zu den wenigen Dingen, die den Kindern im Camp Freude machen und ihnen etwas Abwechslung bieten. Im Dezember besuchte ein stern-Team die Kicker von Lesbos, jetzt können wir ihnen mehr als 10.000 Euro für Material und Nahrungsmittel überweisen. Das ist allerdings nur ein kleiner Teil der Spenden: Wie wir den Rest verteilen, berichten wir demnächst an dieser Stelle.

+++ 6. Februar: Freie Spendengelder ermöglichen flexibles Helfen +++

230.000 Euro an zweckfreien Spenden haben die Stiftung stern im vergangenen Jahr erreicht. Insgesamt betrug das Spendenvolumen aller Leserinnen und Leser mehr als eine Million Euro. Zweckfreie Spenden geben der Stiftung stern die Möglichkeit, die Hilfe für einzelne Hilfsprojekte großzügig aufzustocken.

+++ 1. Februar: "Lebensbedrohliche Situation": Diakonie fordert Hilfe für Flüchtlinge an bosnisch-kroatischer Grenze +++

Vor den Beratungen von Sozialverbänden und Migrantenorganisationen zur Flüchtlingspolitik hat die Diakonie die Bundesregierung aufgefordert, sich für die Schutzsuchenden an Europas Außengrenzen einzusetzen. Für die Menschen dort sei die Situation lebensbedrohlich, "besonders in diesen Wintermonaten an der bosnisch-kroatischen Grenze", warnte Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. Die massiven Menschenrechtsverletzungen dort müssten gestoppt werden. 

"Menschen leben unter unzumutbaren Bedingungen in Wäldern und Industriebrachen und versuchen immer wieder, in die EU zu gelangen, um einen Asylantrag zu stellen", erklärte Loheide. "Die Brutalität, mit der die kroatische Grenzpolizei gegen Schutzsuchende – darunter viele Familien mit Kindern, unbegleitete Minderjährige und Kranke – vorgeht, ist nicht hinnehmbar." Die Zurückschiebungen verstießen klar gegen europäisches Recht, das die Prüfung der Schutzbedürftigkeit unter menschenwürdigen Aufnahmebedingungen garantiere. Deutschland und die EU dürfetn diese Rechtsverletzungen nicht länger tolerieren. Die etwa 10.000 gestrandeten Schutzsuchenden in Bosnien-Herzegowina müssten in Sicherheit gebracht und umverteilt werden. "Deutschland kann diese Menschen aufnehmen", so Loheide. Durch den starken Rückgang der Asylzahlen seien dafür ausreichend Kapazitäten vorhanden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich Morgen per Video mit rund 70 Vertreterinnen und Vertretern von Migrantenorganisationen, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie aus Wirtschaft, Politik, Sport, Wissenschaft und Kultur austauschen. Bei den neunten derartigen Beratungen soll unter anderem über Flüchtlingspolitik in Corona-Zeiten gesprochen werden.

+++ 16. Januar: Kinderhilfsprojekt Arche warnt vor "fatalen" Lockdown-Folgen +++

Der Lockdown wegen der Corona-Pandemie wird dem Kinderhilfsprojekt Arche zufolge bei sozial benachteiligten Kindern tiefe Spuren hinterlassen. "Die Folgen des Lockdowns sind fatal", sagte der Hamburger Projektleiter Tobias Lucht der Deutschen Presse-Agentur. Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr seien durch die Schulschließungen die Defizite bei vielen Kindern so groß gewesen, dass sie kaum mehr aufgeholt werden konnten. Er hoffe daher, dass die Schulen Präsenzunterricht anbieten können, in welcher Form auch immer.

"Unterricht auf Distanz über mehrere Monate funktioniert nicht", warnte Lucht. "Kinder brauchen die physische Anwesenheit eines Erwachsenen, der sie ermutigt und dem sie auch Fragen stellen können". Dabei müssten auch der Leistungsstand der Kinder und das Alter eine wichtige Rolle spielen. "Für viele Kinder sind ihre Lehrer oft die einzigen Bezugspersonen", meinte der Pädagoge. Die Arche ist ein christliches Kinderhilfswerk mit Einrichtungen in zahlreichen deutschen Städten, darunter Berlin, Frankfurt und Hamburg.

+++ 14. Januar: UNO warnt vor Hungersnot im Jemen +++

Nach dem Beschluss der US-Regierung, die Huthi-Rebellen im Jemen auf ihre Terrorliste zu setzen, befürchten Helfer katastrophale Folgen für Millionen Menschen. In dem Bürgerkriegsland leben 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung in Gebieten, die von den Huthis kontrolliert werden. Wichtige Hilfsprojekte könnten nun stark beeinträchtigt, verzögert oder ganz gestoppt werden, weil internationale Organisationen juristische Konsequenzen oder Sanktionen der USA fürchteten. Die Vereinten Nationen warnen vor einer Hungersnot. "Es könnte der Tropfen sein, der das Fass im Jemen zum Überlaufen bringt", schrieb UN-Nothilfekoordinator  Mark Lowcock auf Twitter:  Nun drohe "nicht nur eine kleine Hungersnot, sondern eine wirklich gewaltige". Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hatte im Oktober bereits Höchstwerte bei der akuten Unterernährung von Kindern unter fünf Jahren gemeldet.

In der von Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa zeigt sich das Leid in erschreckendem Ausmaß. Dutzende Kinder mit völlig abgemagerten Körpern werden etwa im Sabin-Krankenhaus versorgt. "Unsere Kinder blicken jeden Tag dem Tod ins Auge. Sie bekommen kein Essen, keine Gesundheitsversorgung und keines ihrer Rechte", sagte Fatma Ahmad, Mutter eines stark unterernährten Mädchens, der Deutschen Presse-Agentur. "Der Krieg hat uns alles geraubt." Es gebe "keine Gehälter oder Medizin" und auch kein "Essen, um den Magen zu füllen".

Im Jemen kämpft ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis an der Seite der Regierung gegen die Huthis, die vom Iran unterstützt werden. Im Norden und Westen beherrschen sie so gut wie alle Bereiche des täglichen Lebens. Experten zufolge zielt die Einstufung als Terrororganisation durch die USA vor allem darauf ab, die Iran-Politik des künftigen US-Präsidenten Joe Biden zu erschweren. Es gibt keine Anzeichen, dass die Huthis dadurch militärisch geschwächt oder der Kampf gegen sie erleichtert wird.

+++ 7. Januar: Verzweifelter Aufschrei der Flüchtlinge in Bosnien +++

Für den stern-Jahresrückblick 2020 sprachen wir im November mit Flüchtlingen im Camp Lipa im bosnisch-kroatischen Grenzgebiet. Damals war bereits klar, dass das Lager geschlossen werden würde. Die Zelte waren nicht winterfest. Der erste Schnee fiel, die Temperaturen sanken unter null Grad.

Nachdem nun kurz vor Weihnachten die Räumung des Camps angeordnet worden war, gingen die Reste des Lagers in Flammen auf. Offenbar aus Frust hatten Bewohner die ­ungeeigneten Plastikzelte in Brand gesetzt. Es war ein verzweifelter Aufschrei – denn das Lager wurde geschlossen, ohne dass zuvor eine Lösung für die Menschen gefunden worden war. Noch immer haben sie keine Unterkunft, etwa tausend Flüchtlinge harren ohne feste Wände, Wasser oder Strom in der lebensbedrohlichen Kälte aus.

Im Grenzgebiet ist die lokale ­Hilfsorganisation "SOS Biha" im Einsatz. Sie kümmert sich um die Notversorgung – neben den ­Bewohnern des aufgelösten Camps gibt es noch Tausende andere, die mehr oder minder im Freien hausen und dabei kaum genügend Brennholz haben, um sich ein Feuer zu machen. Viele berichten von Erfrierungen oder Unterernährung.

+++ 4. Januar: Mehr als 1,2 Millionen Menschen ab 75 Jahren waren 2019 von Armut bedroht +++

In Deutschland waren im Jahr 2019 einem Bericht zufolge insgesamt 1,223 Millionen Menschen ab 75 Jahren von Armut bedroht. Das waren zwar 95.000 weniger als im Jahr zuvor, aber immer noch mehr als doppelt so viele wie 2009, als 541.000 Menschen dieser Altersgruppe betroffen waren, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" aus einer Auswertung der Linksfraktion berichtete. Die Fraktion bezog sich auf neue Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat.

Als armutsgefährdet gelten Menschen, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens verfügen. 2019 lag die Schwelle bei 14.109 Euro Jahreseinkommen.

Auch der Anteil der Armutsbedrohten im Alter ab 75 Jahren war demnach zuletzt leicht rückläufig. 2019 waren 14,6 Prozent der Menschen in dieser Altersgruppe betroffen, das war ein Prozentpunkt weniger als 2018, wie die Zeitung weiter berichtete. Allerdings liege die Quote noch immer 2,3 Prozentpunkte höher als 2010. Noch immer seien zu viele ältere Menschen von Armut bedroht, sagte die Linken-Sozialexpertin Sabine Zimmermann der Zeitung. Durch die Corona-Pandemie verschärfe sich die Situation weiter. Die gesetzliche Rente müsse deswegen "dringend gestärkt und armutsfest gemacht werden, unter anderem durch Anhebung des Rentenniveaus auf mindestens 53 Prozent und die Einführung einer solidarischen Mindestrente, die ein Leben in Würde im Alter ermöglicht".

mad

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