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+++ Spenden-Ticker +++: stern-Leser helfen Kriegsopfern in Raqqa

Nach dem Ende der Terrorherrschaft des IS versuchen die Menschen im syrischen Raqqa, zurück ins Leben zu finden. Die "Ärzte ohne Grenzen" geben ihnen dabei medizinische Unterstützung - auch mithilfe Ihrer Spenden.

Syrien: Ehemalige IS-Hochburg Raqqa: Trümmer, Totenbergung und Wiederaufbau

Hilfe gegen Hunger, Hoffnung für bedürftige Kinder, Stipendien für eine bessere Zukunft: Die Stiftung stern unterstützt zahlreiche Initiativen im In- und Ausland. In unserem Spenden-Ticker halten wir Sie darüber auf dem Laufenden, wo die Not in diesem Jahr besonders groß ist, wie die Stiftung sich engagiert und wie Sie mit Ihrem Geld dabei helfen können.

+++ 05. Oktober: stern-Leser helfen Kriegsopfern in Raqqa +++

Alltag in Raqqa: Zwei Schülerinnen eilen an den Ruinen ihrer Stadt vorüber

Alltag in Raqqa: Zwei Schülerinnen eilen an den Ruinen ihrer Stadt vorbei. Bis heute liegen viele Tote unter dem Schutt, es wird noch Monate dauern, bis alle geborgen sind

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Im Juni berichtete der stern über Raqqa, die ehemalige Hochburg der Terroristen des sogenannten Islamischen Staates in Syrien. Raqqa ist die am stärksten zerstörte Stadt des Landes. Die Stiftung stern rief die Leser zu Spenden auf, um den dort lebenden Menschen zurück ins Leben zu helfen. Mit 10.000 Euro konnte die Notaufnahme von "Ärzte ohne Grenzen" unterstützt werden. In der Einrichtung werden vor allem Verletzte versorgt, die durch Sprengfallen Gliedmaßen und Blut verloren haben. Die Patienten, unter ihnen viele Kinder, werden von den Medizinern so weit stabilisiert, dass sie ins rund 90 Kilometer entfernte Krankenhaus nach Tal Abyad gebracht werden können. In der Stadt an der Grenze zur Türkei betreibt die private Hilfsorganisation für medizinische Nothilfe eine vollständige Unfallchirurgie.

+++ 20. September: Die Hälfte der Armen auf der Welt sind Minderjährige +++

Weltweit werden einem Bericht der Vereinten Nationen zufolge rund 1,3 Milliarden Menschen als arm eingestuft. Das sei rund ein Viertel der Bevölkerung in den 104 von den UN untersuchten Ländern, hieß es in dem in New York vorgestellten Bericht. Rund 662 Millionen von ihnen und damit rund die Hälfte aller in Armut lebenden Menschen sind demnach Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre. 

Mit rund 1,1 Milliarden wohne die große Mehrheit der Armen in ländlichen Gegenden, wo die Armutsrate rund viermal so hoch sei wie in städtischen, hieß es weiter. Vielerorts gebe es aber auch wirkungsvolle Anti-Armuts-Initiativen von Regierungen. So hätten sich z.B. in Indien in den vergangenen 10 Jahren rund 271 Millionen Menschen aus der Armut herausarbeiten können, sagte der Chef des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP), Achim Steiner. "Auch wenn die Größenordnung der Armut - besonders bei Kindern - atemberaubend ist, so ist es auch der Fortschritt, der gemacht werden kann, wenn man es angeht."

Auch in Deutschland ist Kinderarmut ein großes Problem. Im Dezember 2017 lebten knapp 2,04 Millionen unter 18-Jährige in Haushalten, die auf Hartz IV angewiesen sind. Das waren rund 35.000 oder 1,75 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt. Der Anstieg gehe vor allem auf ausländische Kinder zurück - Flüchtlinge sowie EU-Zuwanderer, sagte eine Sprecherin der Nürnberger Behörde.

Für den UN-Bericht untersuchten Experten des UNDP und der Oxford Poverty and Human Development Initiative vor allem die Standards bei Gesundheit, Bildung und Lebenssituation. In den 104 analysierten Ländern leben rund drei Viertel der Weltbevölkerung, hauptsächlich mit niedrigen und mittleren Einkommen.

+++ 27. August: UN-Ermittler werfen Myanmar "Völkermord" gegen Rohingya vor +++

Ein Jahr nach der Vertreibung der muslimischen Rohingya-Minderheit in Myanmar fordern Ermittler der Vereinten Nationen Strafverfahren gegen den Armeechef und fünf ranghohe Militärs wegen Völkermords. In einem Bericht der UN-Untersuchungsmission für Myanmar heißt es, der Oberbefehlshaber Min Aung Hlaing und die anderen Generäle müssten sich nach entsprechenden Ermittlungen wegen Genozids, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vor einem internationalen Gericht verantworten. Zusätzlich zu den sechs hohen Militärs erstellten die UN-Ermittler eine längere Liste mit den Namen vom Zivilpersonen, die mutmaßlich Verbrechen begingen.

Die Ermittler empfehlen, dass der UN-Sicherheitsrat den Internationalen Strafgerichtshof in den Haag mit dem Dossier befasst. Ersatzweise könne auch ein Ad-hoc-Tribunal eingerichtet werden wie seinerzeit zu Jugoslawien. Sie sprechen sich zudem dafür aus, gegen Myanmar ein Waffenembargo und gegen mutmaßliche Hauptverantwortliche für Verbrechen Strafmaßnahmen zu verhängen.

Die Rohingya werden in Myanmar seit Jahrzehnten unterdrückt. Die Lage eskalierte vergangenes Jahr, nachdem Rohingya-Rebellen bei Angriffen Grenzwächter töteten. Das Militär in dem mehrheitlich buddhistischen Land reagierte mit brutaler Gegengewalt und zerstörte zahlreiche Rohingya-Dörfer. Flüchtlinge berichteten von Plünderungen, Vergewaltigungen und Ermordungen. Allein zwischen August und Dezember 2017 flohen mehr als 700.000 Rohingya vor dem Militär ins Nachbarland Bangladesch. Der Bericht bezeichnet die Reaktion des Militärs als "durchweg grob unverhältnismäßig". 

+++ 22. Mai: Nahrung für hungernde Familien im Südsudan +++

Eine Familie isst in einer Flüchtlingsunterkunft in Wau im Südsudan gemeinsam zu Mittag

Eine Familie isst in einer Flüchtlingsunterkunft in Wau im Südsudan gemeinsam zu Mittag. Auf dem Höhepunkt der Mangelperiode von Mai bis Juli 2018 wird mit einer weiteren dramatischen Verschlechterung der Ernährungssicherheit im ganzen Land gerechnet.

DPA

Vor gut einem Jahr besuchte stern-Reporter Jonas Breng das Flüchtlingslager Bentiu im Südsudan, wo seit 2013 blutige Kämpfe um Macht und Geld die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen zerstören. Breng schilderte, wie Hunger und Gewalt die Menschen verzweifeln lassen und humanitäre Organisationen wie die Welthungerhilfe versuchen, das Elend im Land zu lindern. Dank Ihrer Spenden konnte die Stiftung stern damals die Nahrungsmittelverteilung im Panijiar County durch die Welthungerhilfe mit 50.000 Euro unterstützen.

Nun hat die Stiftung Stern weitere 10.000 Euro an die Hilfsorganisation überwiesen. Da die Sicherheitslage in der Region Panijiar mittlerweile für die Helfer sehr heikel geworden ist, soll das Geld für das Folgeprojekt im Rubkona County eingesetzt werden. Das übergeordnete Ziel dieses Projekts ist es, zur Verbesserung der Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit der von Konflikten betroffenen Bevölkerung, sowohl der Binnenvertriebenen als auch der Gastgemeinde beizutragen. Dazu stellen das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen und die Welthungerhilfe angereicherte Mais-Soja-Mischungen für Kinder unter fünf Jahren und schwangere und stillende Frauen bereit. Eine wichtige Rolle in der Lebensmittelverteilung nehmen Projektmanagementkomitees ein. Sie setzen sich aus Vertretern der betroffenen Menschen zusammen, sollen deren Einbeziehung gewährleisten und dienen als Mittler.

Vermeidbare Katastrophe: Südsudan: Der Kampf um Leben und Heimat
Die Gesichter zeigen Erschöpfung und Verzweiflung: Nach mehreren Tagen Fußmarsch durch das Sumpfgebiet des Sudd hat eine Gruppe von Frauen und Kindern das Dorf Ngueny erreicht, wo Helfer der Vereinten Nationen Posten bezogen haben

Die Gesichter zeigen Erschöpfung und Verzweiflung: Nach mehreren Tagen Fußmarsch durch das Sumpfgebiet des Sudd hat eine Gruppe von Frauen und Kindern das Dorf Ngueny erreicht, wo Helfer der Vereinten Nationen Posten bezogen haben

Im Rubkona County haben sehr viele Binnenflüchtlinge in den von Blauhelmtruppen bewachten Schutzzonen für die Zivilbevölkerung Zuflucht gesucht. Doch die Zonen sind für den Andrang nicht groß genug, sodass sich zahlreiche Familien auch um sie herum angesiedelt haben. Landwirtschaft ist dort aus Platzgründen unmöglich und im Umfeld der Schutzzonen und in den umliegenden Gebieten ist die Sicherheitslage sehr fragil, was die Menschen daran hindert, zu ihren Wohnstätten zurückzukehren und dort Lebensmittel zur Selbstversorgung anzubauen. Auch im Rest des Landes werden nicht genügend Nahrungsmittel produziert, weshalb ein großer Teil der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen ist. Auf dem Höhepunkt der Mangelperiode von Mai bis Juli 2018 wird mit einer weiteren Verschlechterung der Ernährungssicherheit im ganzen Land gerechnet, die das Rekordniveau von 7,1 Millionen Menschen mit schwerer Ernährungsunsicherheit erreicht.

Um nicht nur zur Ernährungssicherheit, sondern auch zur Verbesserung des Ernährungszustandes der Menschen beizutragen, begleitet die Welthungerhilfe die Nahrungsmittelverteilungen durch Schulungen. Insbesondere werden Schwangere und stillende Frauen über die Bedeutung des frühen und ausschließlichen Stillens sowie über geeignete Ernährungspraktiken für Säuglinge und Kleinkinder aufgeklärt. Außerdem erhalten sie Informationen zu ihren eigenen Ernährungsbedürfnissen während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie Beratung zu allgemeinen Ernährungs- und Hygienepraktiken.

+++ 15. Mai: Save the Children beklagt schlechte Lage von Kindern in Flüchtlingsheimen +++

Die Rechte von Kindern in Flüchtlingsheimen kommen nach Einschätzung der Organisation Save the Children oft zu kurz. "Sammelunterkünfte sind keine geeignete Bleibe für Kinder und Jugendliche", sagt Geschäftsführerin Susanna Krüger bei der Vorstellung einer Studie in Berlin. Es sei daher besser, Kinder dezentral in Wohnungen unterzubringen. "Aber wenn Kinder und ihre Eltern in Gemeinschaftsunterkünften leben müssen, dann sollten diese nach einheitlichen, kindgerechten Standards eingerichtet und regelmäßigen Qualitätskontrollen unterzogen werden." Konkret fordert Krüger etwa die Einrichtung von kindgerechten Spielräumen und Rückzugsorten in den Heimen. Auch eine flächendeckende Schulbildung müsse gewährleistet werden, heißt es in dem Bericht. "Die Jungen und Mädchen müssen hier so schnell wie möglich in die Schule gehen und nicht, wie bisher, wochen- oder monatelang darauf warten müssen."

Gemeinsam mit Betreibern von Unterkünften arbeitet Save the Children eigenen Angaben zufolge an einem Tüv für Flüchtlingsunterkünfte. Dabei sollen Heime künftig anhand von rund 90 Indikatoren zur Sicherheit, Hygiene, Bildung und Teilhabe überprüft werden.

+++ 4. April: Immer mehr Kinder und Jugendliche sind auf Hartz IV angewiesen +++

Die Zuwanderung von Flüchtlingen, aber auch EU-Bürgern hat die Zahl der auf Hartz IV angewiesenen Kinder und Jugendlichen stark steigen lassen. Letztes Jahr war mit 2,1 Millionen Betroffenen jeder Siebte unter 18-Jährige auf die Unterstützung der Jobcenter angewiesen, während es noch vor fünf Jahren mit 1,9 Millionen lediglich knapp jeder achte war, wie aus jüngsten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht.

Ziehe man Hilfebedürftige mit ausländischem Pass ab, habe sich die Lage in den zurückliegenden Jahren allerdings verbessert, betonte ein BA-Sprecher. Diese Einschätzung teilt auch Thorsten Lietzmann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). "Es sind neue Gruppen in die Grundsicherung gekommen - und das wird bei den Kindern besonders deutlich", betont der Wissenschaftler.

Die Bundesregierung verwies derweil auf die Maßnahmen im Koalitionsvertrag, "die auch zur Bekämpfung der Kinderarmut dienen". Diese beträfen nicht nur den Kinderzuschlag, sondern auch Leistungen, die Kinder aus Hartz-IV-Familien mehr Bildung und Teilhabe sichern sollen, hieß es aus dem Arbeitsministerium. Wichtig sei auch, dass die Eltern eine Arbeit fänden. Wenn schon ein Elternteil Vollzeit arbeite, sänken die Zahlen deutlich.

Die Linkspartei forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, Kinderarmut zur Chefsache zu machen. "Zwei Millionen Kinder in Hartz IV sind beschämend", kritisierte Fraktionschef Dietmar Bartsch. Der Sozialverband VdK mahnte, dringend notwendig sei eine Neuberechnung der Hartz-IV-Regelsätze der Kinder und Jugendlichen. Besonders alleinerziehende Frauen hätten Probleme, mit ihrem Einkommen über die Runden zu kommen.

+++ 26. März: Ärzte ohne Grenzen erhält 35.000 Euro für Hilfe im Jemen und Rohingya in Bangladesch +++

Im Jemen erhält die notleidende Bevölkerung seit 1986 Hilfe von Ärzte ohne Grenzen (Médicins sans Frontières). Seit Kriegsbeginn im Jahr 2015 hat die Organisation ihre Aktivitäten in dem bitterarmen Land stark erhöht - und das unter schwierigsten Bedingungen: Täglich werden Zivilisten, medizinisches Personal und Gesundheitsstrukturen von allen Konfliktparteien in Jemen angegriffen. MSF-Krankenhäuser wurden der Hilfsorganisation zufolge mehrmals von Luftangriffen getroffen.

Ärzte ohne Grenzen konzentriert sich bei seinem Einsatz im Jemen vor allem auf die Bereiche Geburtshilfe, Neugeborenenversorgung und Kinderheilkunde sowie auf die Behandlung von Kriegsverletzten. Dabei achten die Mediziner nach eigenen Angaben sehr auf ausgewogene Aktivitäten auf beiden Seiten der Front. Die Stiftung stern fördert die Arbeit der Helfer mit 15.000 Euro.

Weitere 20.000 Euro überweist die Stiftung stern an Ärzte ohne Grenzen für die Unterstützung der Rohingya in Bangladesch. Seit Beginn der Massenflucht der muslimischen Minderheit aus Myanmar im August 2017 sind fast 700.000 Rohingya auf dem Land- und Seeweg nach Bangladesch gekommen. Die Flüchtlingssiedlung von Kutupalong-Balukhali, wo 600.000 Geflüchtete Aufnahme gefunden haben, ist derzeit das größte und am dichtesten besiedelte Camp der Welt.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1985 in Bangladesch. Nahe Kutapalong in Cox's Bazar betreibt die Organisation seit 2009 ein Gesundheitszentrum und eine Klinik, wo allgemeine Gesundheitsversorgung und medizinische Notversorgung sowie stationäre Betreuung für Rohingya und die lokale Bevölkerung angeboten werden. Als Reaktion auf den Flüchtlingszustrom in Cox's Bazar hat Ärzte ohne Grenzen seine Kapazitäten in der Region verstärkt und die Wasser- und Sanitärversorgung und medizinische Betreuung der Flüchtlinge ausgeweitet.

Außerdem ist Ärzte ohne Grenzen in der Hauptstadt Dhaka im Slum Kamrangirchar im Einsatz, wo die Organisation psychologische Betreuung, Familienplanung und Untersuchung für Schwangere sowie Gesundheitsuntersuchungen für Fabrikarbeiter anbietet.

Rohingya in Bangladesch

+++ 1. März: Gute Nachrichten von der Flüchtlingshilfe-Initiative "Ipso" +++

Die Initiative "Ipso" bildet Flüchtlinge zu psychologischen Beratern für andere Flüchtlinge aus. Dank Ihrer Spenden kann die Stiftung stern die vor neun Jahren von der Psychoanalytikerin Inge Missmahl gegründete  "International Psychosocial Organisation" am Standort Hamburg finanziell unterstützen - mit großem Erfolg, wie die "Ipso" in einem Brief mitteilt:

Nach dreimonatiger Vorbereitungszeit und zwölfmonatiger Ausbildungszeit haben wir 22 Frauen und Männer aus Syrien, Afghanistan, dem Iran, dem Jemen, dem Kosovo und Sierra Leone zu psychosozialen Counselorn ihrer Landsleute nach dem von Inge Missmahl entwickelten Beratungsansatz ausbilden können. Am 28.02. erhielten die hoch motivierten Teilnehmer ihr bundesweit gültiges Zertifikat.

Für die neunmonatige fachpraktische Phase der angehenden Counselor sind wir auf große Unterstützung getroffen und konnten innerhalb dieser Zeit in Hamburg vielfältige Kooperationen abschließen, unter anderem mit: dem UKE, der Asklepios Klinik, Legato, der Caritas, dem Diakonischen Werk aber auch Bildungsinstitutionen. Wir sind über "Fördern und Wohnen" mit unseren Beratern in diversen Flüchtlingsunterkünften der Stadt vertreten, sowie bei vielen kleineren Initiativen und gemeinnützigen Vereinen der Integrations-­ und Flüchtlingshilfe. Wir übernehmen mittlerweile auch Aufgaben, die über eine Beratung hinausgehen: ein Notfalldienst für Flüchtlinge mit akuten Selbstmordgedanken. Wir bringen die Menschen in die zuständige psychiatrische Ambulanz, vermitteln bei den Gesprächen, überweisen in Therapieplätze und vermitteln, wenn nötig, an Anwälte.

Dr. Michael Otto hat das Pilotprojekt in diesem Jahr großzügig unterstützt und angeschoben. Die Stiftung stern ermöglichte die Verlängerung der Projektzeit um zwei weitere Monate und ermöglicht uns nun, die wichtige Arbeit fortzuführen durch Überbrückung der Strukturkosten in den kommenden Übergangsmonaten bis zu der vertraglich abgesicherten Weiterfinanzierung. 

+++ 7. Februar: Armutsrisiko von Familien steigt mit jedem Kind +++

Mit jedem Kind erhöht sich für Familien das Risiko von Armut. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung. Danach war 2015 rund jedes achte Paar (13 Prozent) mit einem Kind armutsgefährdet, rund jedes sechste Paar (16 Prozent) mit zwei Kindern und fast jedes fünfte (18 Prozent) mit drei Kindern. Als arm gelten demzufolge Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. Die Studie beruht auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Das Armutsrisiko von Familien sei damit deutlich höher, als bislang gedacht, so die Forscher der Ruhr-Universität Bochum, die die Studie mit einer neuen Berechnungsmethode erstellt haben. Mit der bisherigen Berechnung auf Grundlage einer Skala der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seien "die Einkommen armer Haushalte systematisch über- und jene reicher Haushalte unterschätzt" worden. Denn für ärmere Familien sei die finanzielle Belastung durch Kinder im Verhältnis größer als für wohlhabende Familien. Vor allem die Einkommenssituation Alleinerziehender sei schlechter als angenommen. Bei ihnen liege die Armutsrisikoquote nach der neuen Methode bei 68 Prozent, nach der alten habe sie nur 46 Prozent betragen.

Die Wissenschaftler berechneten den Angaben zufolge neu, welche zusätzlichen Kosten durch Kinder je nach Familientyp und Einkommenssituation entstehen. Dabei habe sich gezeigt, je geringer das Familieneinkommen ist, desto schwerer wiegt die finanzielle Belastung durch jedes weitere Haushaltsmitglied. Die Untersuchung zeigt der Stiftung zufolge auch, dass von 1992 bis 2015 Paare mit Kindern oder Alleinerziehende im Durchschnitt finanziell stets schlechter gestellt waren als kinderlose Paare. "Mit jedem zusätzlichen Kind wird die finanzielle Lage von Familien schwieriger", erklärte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Kinder seien in Deutschland "leider ein Armutsrisiko".

Das Vorgehen der Bochumer Forscher ist allerdings nicht unumstritten. Andere Wissenschaftler halten die Grundaussage der Bertelsmann-Studie zwar für richtig, die angegebenen Zahlen aber für zu hoch und die OECD-Methodik für angemessen.

+++ 1. Februar: Stiftung stern dankt für mehr als 100.000 Euro an Spenden +++

Zum Jahreswechsel 2017/2018 sind mehr als 100.000 Euro an die Stiftung stern gespendet worden. Die gesamte stern-Redaktion bedankt sich bei den Spendern für das große Vertrauen. So kann der stern auch weiterhin schnelle, direkte und unbürokratische Hilfe für Menschen in Not leisten.

In diesem Jahr wird wieder ein Großteil der Spenden an bedürftige Kinder und ihre Familien in Deutschland gehen. Aber auch die Rohingya in Bangladesch, die vor dem Terror der Armee in Myanmar fliehen mussten und die vom Krieg heimgesuchten Menschen im bitterarmen Jemen sind auf unsere Unterstützung angewiesen.

+++ 30. Januar: "Ohne sie wäre ich wohl längst tot" - Bericht aus dem Projekt Mutmacher +++

"Mutmacherin" Shabnam Jalali im Gespräch mit Melanie (Name v. d. Red. geändert)

"Mutmacherin" Shabnam Jalali im Gespräch mit Melanie (Name v. d. Red. geändert)

Melanie (Name v. d. Red. geändert) musste früh das Lügen lernen. Erzählen, dass sie gefallen oder ausgerutscht sei, wenn sie mal wieder von der Mutter verprügelt worden war. An die Wand geworfen, mit zugedrückter Kehle; die Schläge mit dem Gürtel waren harmlos dagegen. Ihre Mutter brachte sie danach oft ins Krankenhaus, und wenn ein Arzt fragte, was wirklich passiert war, logen beide. Auch gegenüber Leuten vom Jugendamt, nach einem Schädel-Hirn-Trauma. Alles in Ordnung, sagte die Mutter. Alles in Ordnung, sagte die Tochter. Sie liebte ja ihre Mutter, "sie ist kein schlechter Mensch", das sagt Melanie noch heute.

Melanie ist 20 Jahre alt und gerade selbst Mutter geworden. Sie kümmert sich rührend um ihren Kleinen, er soll es besser haben als sie. Ihr Vater hatte die Familie gleich nach ihrer Geburt verlassen, den Frust über das Leben und die Liebe ließ die Mutter an ihrer Tochter aus. "Alles, was ich wollte, war überleben", sagt Melanie.

Ihr Glück war, dass sie mit 13 Jahren Zuflucht fand in der "Arche" in Hamburg-Jenfeld. Dort, wo Kinder nach der Schule ein Essen bekommen und Hausaufgaben erledigen können. Und wo Shabnam Jalali arbeitet, die ein gutes Auge hat für jeden, dem es schlecht geht. "Ohne sie", sagt Melanie, "wäre ich wohl längst tot."

Die gelernte Betriebswirtin Shabnam Jalali hat schon vielen geholfen. Mit Unterstützung der Stiftung stern und des Schauspielers Til Schweiger sowie mit Geldern aus dem "RTL-Spendenmarathon" schuf sie vor vier Jahren ein beeindruckendes Projekt: "Mutmacher". Hier kümmern sich drei Sozialarbeiter gezielt um die Probleme von Jugendlichen. Hören zu, fragen nach, versuchen, Perspektiven zu entwickeln. Sie sind: Lebensberater. Und oft die Einzigen, denen sich die Jungen und Mädchen noch anvertrauen. Weil sie von ihren Eltern und manchmal auch von ihren Lehrern nichts mehr erwarten.

"Mutmacher": Til Schweiger und der stern helfen mit vereinten Kräften

Melanie ist eine von mittlerweile fast 100 Jugendlichen, die durch diese Unterstützung einen guten Schulabschluss erreichten oder eine Lehrstelle fanden. Anfangs allerdings wollte sie niemanden an sich heranlassen. "Ich war", sagt sie, "voll eklig und asi." Sie betäubte ihren Schmerz mit Cannabis, sie ging auf Mitschülerinnen los. Wurde magersüchtig und spürte sich nur noch, wenn sie ihre Arme mit einer Rasierklinge ritzte.

Heute hat sie "kein Gefühl mehr für diese Zeit zwischen 13 und 17". Doch sie weiß noch, wie Shabnam Jalali ihr Vertrauen gewann, wie sie mit den Lehrern sprach, mit der Mutter. Wie sie Hoffnung in ihr weckte und das Gefühl, etwas wert zu sein.

Shabnam Jalali macht das so gut, dass Unternehmensberater versucht haben, die "soziale Rendite" ihrer Arbeit zu bemessen. Das Ergebnis, im vergangenen Jahr vorgestellt in einer Studie der Boston Consulting Group: "Jeder in das Mutmacher- Programm investierte Euro bringt mindestens 20 Euro sozialen Nutzen." Weil Jugendliche, die Abitur oder eine Ausbildung machen, dem Staat später nicht auf der Tasche liegen. Weil weniger Gefahr besteht, dass sie kriminell werden. Und weil die Chancen groß sind, dass sie sich später auch für andere engagieren.

Melanie möchte nach ihrem Realschulabschluss gern Krankenschwester werden. "Nah dran sein an Menschen, näher geht nicht." Und heiraten, "obwohl die Feier ein bisschen traurig wird, weil wir dafür wohl kein Geld haben". Ihr zukünftiger Mann arbeitet hart, viele Nachtschichten für wenig Geld. "Aber uns geht es gut", sagt sie. "Ich bin nicht immer glücklich. Aber zufrieden."

+++ 22. Januar: Laut Oxfam gibt es 2043 Milliardäre, während 3,7 Milliarden Menschen in Armut leben +++

Oxfam-Aktivisten protestieren auf dem Platz der Republik in Paris

"Die Ungleichheiten bekämpfen, die Armut besiegen": Oxfam-Aktivisten protestieren auf dem Platz der Republik in Paris.

Das im letzten Jahr weltweit erwirtschaftete Vermögen ist einer Studie zufolge fast nur den Reichen zugute gekommen: Das wohlhabendste Prozent der Weltbevölkerung sicherte sich rund 82 Prozent des 2017 neu geschaffenen Reichtums, heißt es in einem Bericht der Entwicklungsorganisation Oxfam. Die 3,7 Milliarden Menschen, die die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung ausmachten, hätten dagegen überhaupt nicht vom Vermögenswachstum profitiert. Zwischen 2016 und 2017 sei die Zahl der Milliardäre derweil angestiegen wie nie zuvor - alle zwei Tage sei ein neuer Milliardär hinzugekommen. Mit 2043 Milliardären lag die Gesamtzahl im Jahr 2017 demnach auf einem Rekordhoch.

"Der Milliardärsboom ist kein Zeichen einer florierenden Wirtschaft, sondern ein Symbol für das Scheitern der Wirtschaftsordnung", kritisierte Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima. Oxfam forderte, die Steuervermeidung von Konzernen und Superreichen zu stoppen, faire Einkommen für Frauen und Männer durchzusetzen und in Bildung und Gesundheit für alle zu investieren.

Oxfam Deutschland monierte, eine reiche Minderheit nehme massiv Einfluss auf politische Entscheidungen und senke Unternehmenskosten,  insbesondere Löhne und Steuern, um die Profite der Anteilseigner zu steigern. Den Preis der Profite zahlten derweil Milliarden von Menschen, "die zu Löhnen, die nicht zum Leben reichen, schuften müssen und keinen Zugang zum öffentlichen Bildungs- und Gesundheitssystem erhalten".

17. Januar: 400.000 Kinder im Kongo sind laut UN vom Hungertod bedroht

Kinder in einem Flüchtlingsdorf im Kongo

Kinder in einem Flüchtlingsdorf im Kongo. In dem zentralafrikanischen Land sind wegen anhaltender Konflikte Hunderttausende Menschen aus ihrer Heimat geflohen, um in andere Landesteilen Schutz zu suchen

Die Vereinten Nationen befürchten eine gewaltige Hungerkrise in der kongolesischen Krisenregion Kasai. Mindestens 400.000 Kleinkinder leiden dort an akuter Mangelernährung, wie der Landesdirektor des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Tajudeen Oyewale, mitteilt. "Sie werden vermutlich sterben", warnt er, es sei denn sie bekämen rasch Nahrungsmittelhilfen und gesundheitliche Unterstützung.

"Die Zeit, im Kongo noch Hunderttausende Menschenleben zu retten, läuft ab", erklären Unicef, das Welternährungsprogramm (WFP) und die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) in einem gemeinsamen Appell. In Folge des 2016 ausgebrochenen Konflikts in der zentralen Region sei die Landwirtschaft zusammengebrochen. Nun bräuchten rund 3,2 Millionen Menschen Nahrungsmittelhilfe, derzeit könne aber wegen fehlender Finanzmittel nur 400.000 von ihnen geholfen werden. Mehr als 750.000 Menschen seien in Folge des Konflikts nach wie vor Binnenflüchtlinge.

Die kongolesische Regierung und die internationale Gemeinschaft müssten rasch mehr Unterstützung mobilisieren, um "eine große Hungersnot" zu vermeiden, sagt WFP-Landeschef Claude Jibidar. "Wenn das nicht gelingt, sofort und mit vereinten Kräften, heißt das, dass viele Menschen sterben werden." Die Situation im Kongo gilt bei den UN inzwischen mit Syrien, dem Irak und dem Jemen als eine der schlimmsten humanitären Krisen.

+++ 1. Januar: Kinderhilfswerk fordert kinderfreundlicheres Deutschland +++

Das Deutsche Kinderhilfswerk appelliert zu Jahresbeginn an die nächste Bundesregierung, Maßnahmen für ein kinderfreundliches Deutschland auf den Weg zu bringen. Dazu seien Änderungen des Grundgesetzes mit einer dortigen Verankerung von Kinderrechten, eine Politik zur Überwindung der Kinderarmut, eine konsequente Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention auch für geflüchtete Kinder sowie eine deutliche Stärkung des Bildungssektors nötig. "Wirksame Maßnahmen für ein kinderfreundliches Deutschland gehören auf der politischen Agenda ganz nach oben, sonst riskieren wir nichts weniger als die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft", mahnt der Präsident des Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger.

Zur Überwindung der Kinderarmut fordert das Kinderhilfswerk einen Bundesweiten Aktionsplan, der mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet ist und ressortübergreifend an allen gesellschaftlichen Handlungsfeldern ansetzt. Um die Situation von geflüchteten Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu verbessern, müsse der Vorrang des Kindeswohls auch für Flüchtlingskinder konsequent umgesetzt werden und nicht zuletzt ein gesetzlicher Anspruch auf familiäres Zusammenleben für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge anerkannt werden.


mad/DPA/AFP