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Einfach losgefahren: Zwei Hamburger unterwegs: Wie eine spontane Fahrt nach Südafrika zum Lebensabenteuer wurde

Die beiden Hamburger Lena Wendt und Ulrich Stirnat wollten mit ihrem Land Rover bis nach Südafrika fahren. Dafür nahm sich das Paar ein halbes Jahr frei. Am Ende waren sie zwei Jahre unterwegs - und kamen im Süden Afrikas nie an.

Lena Wendt und Ulli Stirnat fast zwei Jahre lang mit dem Auto durch Westafrika. Damit sollte ein Traum für sie in Erfüllung gehen. "Ich wollte mich selbst wiederfinden, raus aus der Fünf-Tage-Woche, in der sich alles ums Arbeiten dreht", erzählt Lena. Dafür hatten sie und ihr Freund die Jobs vorübergehend an den Nagel gehängt. Die ursprüngliche Idee war: In sechs Monaten bis runter nach Südafrika fahren. Im Herbst 2014 ging es in Hamburg los, das Paar hatte einen Land Rover gekauft, den Wagen umgebaut und fuhr dann "relativ unbedarft", wie sie sagen, einfach los...

Erste Etappe auf dem afrikanischen Kontinent war Marokko, wo sie schnell ihre anfänglichen Ängste gegenüber Aufruhen, Demos und anderen Ereignissen ablegten. Afrika sei per se eben anders. Es passierte ihnen nichts, stattdessen verliebten sie sich auf Anhieb in das Land, sagt Lena: "Marokko ist der Oberhammer! Man kann Snowboarden und Surfen, die Berge und das Meer!" Am Ende verbrachten sie schon drei Monate in ihrem ersten Land auf dem langen Weg nach Süden. "Dann hat uns das auch irgendwann gedämmert: Das mit den 6 Monaten nach Südafrika, das wird nichts", sagt Ulli.

Leben und arbeiten mit den Einheimischen

Der Ingenieur und die Journalistin setzten ihren Weg dennoch fort: Von der Westsahara über Mauretanien und Mali ging es zumindest grob Richtung Süden. Überall trafen sie auf freundliche Menschen. Einige Zöllner an den Grenzen allerdings hätten wohl das große Geschäft mit den Deutschen gewittert, erzählt Ulli: "Wir hatten einmal die Situation, dass der Grenzbeamte offen gesagt hat: 'Bei mir müsst ihr nochmal extra Geld dalassen.' Das war total absurd. Wir haben ihn dann von 100 Euro auf etwa 2 Euro runter gehandelt."
Die beiden Hamburger mussten immer wieder auch selbst schauen, wie sie Geld verdienen. Im Senegal half Ulli beim Fischen. Das sei "echt heftig" gewesen, er habe Schwielen an den Händen gehabt, vom Schwitzen einmal ganz abgesehen. Die Reise sollte ohnehin kein Urlaub sein, Lena Wendt und Ulli Stirnat lebten mit den Einheimischen zusammen. Ihnen sei zudem wichtig gewesen, dass die afrikanischen Kinder in ihnen keine reichen Weißen sehen. So hätten sie auch an die Kleinen niemals etwas einfach verschenkt, sondern immer einen Tauschhandel gemacht. Etwa eine Badehose gegen Kokosnüsse.

Reisestrapazen und Leben auf engstem Raum: auch eine Beziehungsprobe

Neben Faszination und Abenteuer hielt der Trip auch schwierige Zeiten für das Paar bereit. Denn: Das Reisen auf engstem Raum, immer auf wenigen Quadratmetern zusammen im Auto oder im Zelt, nagte an der Beziehung. "Wir hatten ja nicht mehr als zwei Quadratmeter die ganze Zeit, da lernt man sich bis auf´s Letzte kennen", sagt Ulli. Dabei wurde auch deutlich, wie sehr sich die beiden unterscheiden. Lena: spontan, freiheitsliebend, wollte einfach aus ihrem alten Leben raus. Ulli dagegen: organisiert, plant alles minutiös, immer auf Sicherheit bedacht. Mehrfach dachten die Journalistin und der Ingenieur sogar an eine Trennung. Dazu kamen die Reisestrapazen – und immer wieder Probleme mit dem Auto. "An einem Tiefpunkt war es wirklich nicht sicher, wie es weiter geht, ob überhaupt?", berichtet das Paar.

Lena und Ulli beschlossen Urlaub vom Reisen zu machen, so verrückt das klingt. "Wir waren irgendwann völlig übersättigt von den Eindrücken", so Ulli. In einer Lodge in Ghana arbeiteten sie mehrere Monate gegen Kost und Logie – und bekamen dort ein Hundebaby geschenkt. Fufu! Der kleine Welpe beeinflusste auch ihre Beziehung wieder: "Fufu war ein Ventil, sich nicht immer nur um uns selbst zu kreisen. Das hat uns gut getan", sagt Lena.

Fufu lebt bis jetzt mit den beiden zusammen in Ammersbek bei Hamburg. Das Reiseabenteuer endete im Sommer 2016 kurz vor Nigeria. Südafrika erreichten Lena Wendt und Ulli Stirnat "Es ging gar nicht darum, in Südafrika anzukommen", sagt die 32-Jährige. "Klar, wir haben uns am Anfang dieses Ziel gesetzt. Aber eigentlich ging es mir darum, wieder zu mir selbst zu finden. Und das habe ich geschafft."

Aus ihren Bildern entsteht jetzt ein Kinofilm, für den die beiden Hamburger gerade die Finanzierung auf die Beine stellen. Wer sich die Bilder ansieht, kann dieser bildreichen Dokumentation nur bemerkenswerten Erfolg wünschen.

Informationen zum geplanten Film: www.abgefahrenderfilm.de

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