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Ärztepfusch: Einigung im Fall Lisa

Durch einen Ärztefehler verlor die heute 13-jährige Lisa vor vier Jahren beide Beine und mehrere Finger. Doch die Versicherung des Krankenhauses wollte keine angemessene Entschädigung zahlen - bis stern TV über den Fall berichtet hatte.

Noch können es die Brockschmidts kaum glauben. Die Versicherung, mit der sie fast vier Jahre um eine Entschädigung für ihre Tochter Lisa gekämpft haben, hat eingelenkt: Sie gibt zu, dass Lisa einem Ärztefehler zum Opfer gefallen ist - und zahlt eine Entschädigung.

Über die genaue Summe ist Stillschweigen vereinbart worden. Aber: Der Familie bleibt jetzt ein jahrelanger Prozess erspart. Und: Die Entschädigungssumme liegt am oberen Rand dessen, was auch ein Gericht dem Mädchen zugesprochen hätte, sagt Lisas Anwalt Markus Meinecke. Gefordert hatte er 1,7 Millionen Euro, plus Schmerzensgeld.

Vor vier Jahren - im Februar 2005 - infizierte sich die heute 13-jährige Lisa mit lebensgefährlichen Bakterien, so genannten Meningokokken. Trotz eindeutiger Diagnose nahmen die Ärzte der Kinderklinik Darmstadt sie nicht auf - weil kein Bett frei war. Als das Mädchen nach mehreren Stunden ohne Therapie in der Uniklinik Mainz ankam, hatte die Blutvergiftung bereits Lisas gesamten Körper befallen. Zwar konnten die Ärzte Lisas Leben retten, nicht aber ihre Beine und mehrere Finger.

Zwölf Operationen in eineinhalb Jahren musste das Mädchen, das davon träumte, Ballett-Tänzerin zu werden, über sich ergehen lassen. Wenn Lisa 20 Jahre alt ist, werden weitere auf sie zu kommen. Zudem bekam sie sehr hohe Dosen an Schmerzmitteln, die sie körperlich abhängig machten. Erst eine Hypnose-Therapie half ihr, sich allmählich von den Medikamenten zu entwöhnen.

Gutachten: Kein Zweifel an Ärztefehler

Die Prothesen, die sie mittlerweile trägt, geben Lisa immerhin ein wenig Selbstständigkeit zurück. Doch nicht nur psychisch, auch finanziell sind die fehlenden Glieder eine hohe Belastung. Ob Wohnung, Auto oder Kleidung: Lisa wird immer auf Sonderanfertigungen angewiesen sein.

Dass in Lisas Fall die ärztliche Sorgfalt nicht eingehalten wurde, bestätigen Gutachten. Selbst wenn es nur einen vagen Verdacht auf Meningokokken gibt, muss einem Patienten sofort ein Breitbandantibiotikum verabreicht werden. Doch die Versicherung der Darmstädter Klinik, die Allianz, weigerte sich, eine angemessene Entschädigung zu zahlen. Stattdessen bot sie den Brockschmidts zunächst eine Abfindung von 20.000 Euro an - "aus Kulanz".

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