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Anabole Steroide: Wirkung, Nebenwirkung und gesundheitliche Risiken

Muskeln um jeden Preis – dafür sind immer mehr junge Kraftsportler bereit, auch zu illegalen Dopingmitteln zu greifen. Über die Risiken sind sie sich oft nicht bewusst, oder ignorieren sie. Was die Steroide bewirken – hier eine Zusammenfassung.

Fitness- und Kraftsport sind bei den Deutschen im Trend: In bundesweit rund 7100 Fitnessstudios sind insgesamt 9,1 Millionen Mitglieder registriert. Viele Sportler entwickeln eine regelrechte Sucht nach einem vermeintlich perfekten Körper, stellen sie über alles andere. Auch über die eigene Gesundheit. Viele Konsumenten sind Jugendliche oder junge Erwachsene bei denen die Hormon-Keulen oft eine besonders verheerende Wirkung haben.

Was die Steroide in Körper anrichten, haben wir hier einmal zusammengefasst.

Wo beginnt das Doping?

"Für viele Freizeitsportler, gerade für immer mehr Jugendliche, gibt es keine klare Linie mehr, was Doping ist und was nicht", sagt Personal Trainer und Fitness-Coach Jörn Giersberg. "Es fängt bei Nahrungsergänzungsmitteln wie harmlosen Eiweißpräparaten an. Die nächste Stufe ist Kreatin. Das ist zwar kein Hormon, ist frei verkäuflich und steht nicht auf der Dopingliste – meines Erachtens gehört es aber darauf, weil es durch den Konsum in widernatürlich hohen Dosen Trainierenden einen deutlichen Leistungsvorteil und schnellere Ergebnisse verschafft und es auch aus gesundheitlichen Gründen nicht absolut unbedenklich ist. Die Gefahr, auch zu Steroiden zu greifen, wächst. Am Schlimmsten sind aber Wachstumshormone. Wenn anabole Steroide wie Bomben sind, dann sind Wachstumshormone Atombomben."

Was sind anabole Steroide genau?

Anabole Steroide, auch als Anabolika bezeichnet, sind synthetische Substanzen, die dem männlichen Sexualhormon Testosteron nachempfunden sind und Wachstumshormone freisetzen.

Wofür werden sie sonst eingesetzt?

Die Steroide werden beispielsweise in der Viehzucht eingesetzt, damit die Tiere schneller wachsen und schlachtreif werden. Darüber hinaus können sie bei medizinischer Indikation Beschwerden lindern. In der Bodybuilding-Szene wurden sie zur kurzfristigen Steigerung der Muskelmasse entdeck, da sie durch die Zufuhr von Proteine den Muskelaufbau vorantreiben.

Wie wirken sie im menschlichen Körper?

Die anabolen Steroide verstärken den Eiweiß-Aufbau im Organismus. Zeitgleich vermindert sich der Abbau der körpereigenen Eiweißvorräte. Wer gleichzeitig ein intensives Krafttraining betreibt, nimmt schnell an Muskelmasse zu.

Welche Nebenwirkungen und Risiken bringt eine Einnahme mit sich?

Neben einer Zunahme an Muskeln reagiert der menschliche Körper auf die künstlichen Hormonpräparate auch mit Nebenwirkungen, die eigentlich abschrecken sollten: neben Hautreaktionen wie flächendeckender Akne über Haarausfall, erhöhter Schweißproduktion, Gynäkomastie (Brustdrüsenwachstum beim Mann) und Schrumpfhoden bis hin zu Depression, Panik-Attacken, Thrombosen, Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei Frauen tritt eine vermehrte Körperbehaarung auf, dazu eine veränderte Stimmlage, Klitoris-Wachstum und Menstruationsprobleme. Bei beiden Geschlechtern kann eine Zeugungsunfähigkeit eintreten. Zudem klagen viele "Stoffer" über eine erhöhte Schweißproduktion.

Was sind die echten Gefahren?

Bei einer längerfristigen Einnahme oder Verabreichung verschlechtern sich die Leber- und Blutfettwerte, auch der Herzmuskel verdickt sich, dem die blutversorgenden Gefäße irgendwann nicht mehr gewachsen sind. So sind Bluthochdruck und ein erhöhter Augendruck sowie Kopfschmerzen typische Begleiterscheinungen. Da sich der Sauerstoffbedarf erhöht, wenn mehr Muskelmasse vorhanden ist, kommt es auch zu Kurzatmigkeit.
Besonders gefährdet sind jugendliche Konsumenten, die sich noch im Wachstum befinden. Bei ihnen kann neben den genannten Risiken auch das Knochenwachstum gehemmt werden.
Hinzu kommt: Die Zutaten für muskelsteigernde Mittel werden immer häufiger importiert. Da die Dopingmittel illegal und auf dem freien Markt kaum erhältlich sind, besorgen sich Dealer die Substanzen oftmals im Ausland und mischen sie im "Eigenbetrieb" zusammen.
Die Kosten, die dem deutschen Gesundheitswesen durch die Folgeschäden bei den Konsumenten entstehen, belaufen sich auf rund 250 Millionen Euro pro Jahr.

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Welche juristischen Folgen drohen?

Offiziell dürfen anabole Steroide in Deutschland nur bei spezieller Indikation von Ärzten verschrieben oder verabreicht werden. Etwa bei schweren hormonellen Störungen oder so genannten konsumierenden Erkrankungen wie von Muskelschwund begleiteten Krebserkrankungen. Der illegale Handel gilt als Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz und wird mit Haftstrafen von bis zu zehn Jahren geahndet. Leider lassen sich viele Konsumenten und Händler dadurch nicht abschrecken, selbst manche Ärzte sind zum Teil bereit, ihre Zulassung zu riskieren, wie der stern TV-Test gezeigt hat. Dealer besorgen sich ihre Waren oftmals im Ausland. Weltweit sollen mit den verbotenen Substanzen jedes Jahr rund 15 Milliarden Euro umgesetzt werden. Labors in Indien oder China liefern dabei günstigen Nachschub. Ein Problem ist, dass die Mittel in einigen Nicht-EU-Ländern rezeptfrei in Apotheken abgegeben werden. Der Handel im Internet boomt. 

Wo finde ich weitere Informationen und Hilfe?

Im Internet zum Beispiel auf: www.dopinginfo.de

Die Sportmedizin kümmert sich um Prävention von Freizeit-Doping sowie um Therapie und Rehabilitation von Sportlern, die von den Präparaten loskommen möchten.

Unter vielen anderen ist beispielsweise die Klinik Hohenfreudenstadt eine traditionsreiche Rehabilitationsklinik im Schwarzwald mit einer sportmedizinischen Abteilung und entsprechend spezifischen Informationen auf ihrer Homepage

Da die Nebenwirkungen und Folgen oft auch psychischer Natur sind, helfen auch Psychologen. Entsprechende Therapeuten finden Sie über den Psychotherapie Informationsdienst. In der Datenbank finden Sie Adressen von Diplom-Psychologen und Ärzten aus ganz Deutschland, inklusive der Behandlungsschwerpunkte und Zulassungen.

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