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Der unsichtbare Feind: So verkeimt sind unsere Küchenschwämme wirklich

Irgendwo liegt bei jedem von uns so ein Schätzchen in der Ecke, im Schrank, in oder unter der Spüle. Aber wie lange schon? Und wie viele Bakterien beherbergt er wirklich? Dafür hat sich stern TV diese Woche besonders interessiert.

Pfui, bäh! Oder doch nicht? stern TV hat Spülschwämme im wahrsten Sinne "unter die Lupe genommen".

Pfui, bäh! Oder doch nicht? stern TV hat Spülschwämme im wahrsten Sinne "unter die Lupe genommen".

Wie gut ist es, wenn man eine Spülmaschine besitzt. Da kommt der Spülschwamm wesentlich seltener zum Einsatz. Doch sauberer ist er deshalb meist nicht. Wer seinen Spülschwamm sich selbst überlässt und ihn selten wechselt, beherbergt mit ihm Milliarden von Bakterien. Das gilt umso mehr, je häufiger er zum Einsatz kommt. Soweit, so bekannt, denken sich jetzt die meisten. Dass Spülschwämme wahre Keimschleudern sind, ist nicht neu. Genau deshalb bemühen wir uns ja um Keimfreiheit: Wir waschen Lappen und Schwämme in der Waschmaschine, brutzeln sie in der Mikrowelle, erhitzen sie im Backofen oder kochen sie gründlich aus. Langfristig hilft das allerdings nicht, besagt eine aktuelle Studie der Hochschule Furtwangen: Mit der Zeit vermehren sich die bedenklichen Bakterien dadurch nämlich umso mehr.

Und bei Ihnen?

Wie oft wechseln Sie Ihren Spülschwamm?

 

stern TV hat mit dem Mikrobiologen Prof. Markus Egert, der die Studie zusammen mit seinem Team der Hochschule veröffentlichte, die Schwämme mehrerer Familien eingesammelt. Sind unsere Spülschwämme wirklich so schlimm verkeimt?

In den Forschungsergebnissen ist von bis zu 54 Milliarden Bakterien pro Kubikzentimeter Schwamm die Rede. Die Analyse sei "teils besorgniserregend." Die Mikrobiologen um Professor Markus Egert nahmen für die Studie 14 gebrauchte Spülschwämme näher unter die Lupe. Darin entdeckten sie insgesamt 362 verschiedene Bakterienarten. "Was uns überrascht hat: Fünf der zehn häufigsten von uns gefundenen Arten gehören in die sogenannte Risikogruppe 2, das bedeutet: Sie sind potentiell pathogen", erläutert Egert. Diese kritischen Keime leben für gewöhnlich in der Umwelt oder auf menschlicher Haut. Sie können bei immungeschwächten oder kranken, älteren Menschen jedoch zu Infektionen führen. Auch für müffelnde Küchenschwämme fanden die Forscher eine mögliche Erklärung: Für den Gestank soll das sehr häufig nachgewiesene Bakterium "Moraxella osoloensis" sorgen, das übelriechende Stoffe produziert.

Schwamm wöchentlich austauschen

Aber was, wenn man die Schwämme wäscht oder mit anderen bekannten Methoden keimfrei macht? Laut Egert helfe das nur kurzfristig. Im Gegenteil: In "recycelten" Schwämmen tummelten sich deutlich mehr kritische Bakterien. Langfristig würden sich dann sogar vermehrt pathogene, also krankmachende Keime durchsetzen, da sie vermutlich über eine höhere Stresstoleranz verfügen und die Reinigung eher überleben. "Am sichersten ist es, den Schwamm wöchentlich durch einen neuen zu ersetzen", sagt Markus Egert. Das gelte insbesondere für Haushalte, in denen Menschen mit geschwächtem Immunsystem leben.