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Fertiggerichte im Test: So gut - oder schlecht - ist Bami Goreng aus dem Supermarkt

Schon mehrmals hat stern TV der Deutschen Lieblings-Fertiggerichte getestet. Diesmal: Nudelpfanne mit Gemüse und Hähnchenfleisch, kurz Bami Goreng. Der asiatische Klassiker hat frisch zubereitet den Ruf, lecker, gesund und kalorienarm zu sein. Trifft das auch auf die Schnellgericht-Varianten zu?

Bami Goreng

Bami Goreng aus dem Wok, auch als asiatische Nudelpfanne bekannt: Ob die getesteten Fertiggerichte da mithalten können?

Asiatisches Essen liegt voll im Trend. Es gilt als leicht, ausgewogen und gesund. So gibt es hierzulande über 10.000 Asia-Restaurants. Eines der beliebtesten Gerichte: Bami Goreng – gebratene Nudeln mit Huhn und Gemüse. Doch was taugt es als Fertigprodukt für zu Hause? Und welche Gerichte schmecken besser: das teure Markenprodukt oder das preisgünstige vom Discounter? stern TV hat gemeinsam mit dem Ernährungsexperten Prof. Guido Ritter und seinem Laborteam zehn Produkte dieser asiatischen Nudelpfanne unter die Lupe genommen.

Beliebtes "Arme-Leute-Essen"

Wörtlich übersetzt bedeutet Bami Goreng so viel wie "Nudeln gebraten". Doch eine genaue Definition, was in ein solches Asia-Gericht tatsächlich gehört, gibt es nicht – ähnlich wie bei einem deutschen Kartoffelsalat. Und so gibt es für das Pfannengericht zahllose Variationen und Rezepte. Als Grundzutat dienen die Mie-Nudeln, also asiatische Weizennudeln mit Ei. Dazu kommen verschiedene Gemüsearten wie zum Beispiel Spitz- oder Weißkohl, Pak Choi, Sojasprossen, Karotten, Zwiebeln oder auch Knoblauch. Die Zutaten werden im typischen Asia-Wok angebraten und mit einer süßen Sojasauce gewürzt. Da weite Teile Asiens muslimisch geprägt sind, kommt Hähnchen statt Schweinefleisch hinzu. "Tatsächlich ist es wirklich ein Reste-Gericht. Man hat es früher unter armen Menschen gegessen“, erklärt der vietnamesische Chefkoch Duc Ngyuen.

Für den Test hat stern TV hat zehn verschiedene Asia-Nudelgerichte mit Hähnchen eingekauft. Da die Mengen in den Packungen variieren, haben wir die Preise auf eine Teller-Portionsgröße umgerechnet. Der Lebensmittelexperte Guido Ritter kennt die Tricks der Konzerne – und kann die Zutatenlisten kritisch prüfen, etwa um Geschmacksverstärker oder verwendete Aromen zu entlarven. "Fleisch ist immer noch die teuerste Zutat bei diesen Produkten. Vor dem Hintergrund ist es schon wichtig, wie viel an Fleisch in der Rezeptur mit eingearbeitet worden ist." Die Laboranten haben das Hühnerfleisch gezielt herausgesucht und abgewogen, um die Gerichte vergleichen und die Mengen in Relation zum Preis einschätzen zu können: Nicht in allen Produkten ist so viel Fleisch, wie auf den Packungen angepriesen.

Die Test-Ergebnisse: So haben die asiatischen Nudelgerichte abgeschnitten
Instant Nudeln von Netto

Lorado von Netto: Instant-Nudeln mit Hühnerfleischgeschmack

Das Fertiggericht von Netto ist mit überschaubaren 70 Cent pro Teller das günstigste Produkt im Test. Doch das Foto auf der Verpackung grenzt an Verbrauchertäuschung: Von den dort versprochenen großen Gemüsestücken und einem kompletten Hähnchenschenkel ist in der Verpackung nichts zu finden. Stattdessen nur kleine Gemüsestückchen und sogar gar kein Hähnchen. 

Gesamturteil: mangelhaft


Hersteller tricksen bei Fleischanteil

Nicht nur in der Maggi-Tüte ist extrem wenig Huhn - der Geschmack kommt woanders her, wie der Lebensmittelexperte aufdeckt: „Gebratene Nudeln, also da ist noch nicht mal mehr von Huhn die Rede. 0,8 Prozent Hühnerfleisch, der Rest ist Aroma.“ Die Instant-Nudeln von Knorr enthalten beispielsweise gar kein echtes Hühnchenfleisch, lediglich Huhn-Geschmack. Dafür sorgen Aromen und Geschmacksverstärker wie Monotnatriumglutamat. "Es ist im Prinzip eine Nudelsuppe, die gewürzt ist, wo ein bisschen Hühnerfett mit drin ist“, so das knallharte Urteil des Professors. Auch im Bami Goreng von Penny war, obwohl es sich um größere Brocken handelte, weniger Fleisch als versprochen – 28 Prozent weniger Hähnchen, als in der Zutatenliste angegeben. Auch Stichproben anderer Produkte enthielten knapp ein Drittel weniger Fleisch als beworben. Das Mikrowellen-Produkt von Hein überraschte dagegen mit einer auffällig genauen Deklaration.

Das Produktfoto der Netto-Packung zeigte viel Gemüse und sogar einen ganzen Hähnchen-Schenkel. Auf dem Teller fanden die Tester dagegen nur Nudeln und winzige Gemüsestückchen. "Das ist an der Grenze zur Verbrauchertäuschung. Ich würde deutlich mehr Gemüse erwarten, auch sichtbar und nicht nur als Aroma", so Guido Ritter.

Manche schmeckten "wie frisch gemacht"

Nachdem die zehn Produkte exakt nach Anleitung zubereitet wurden, haben die ausgebildeten Köche und Ernährungswissenschaftler die Gerichte probiert. In einer "Blindverkostung" in Einzelkabinen bewerteten sie die Gerichte nach Geschmack, Konsistenz, Farbe und Geruch. Das Nudelgericht von "Asia Green Garden" des Discounters Aldi Nord erhielt insgesamt die schlechtesten Bewertungen. "Es ist sehr schleimig in der Konsistenz", so das Urteil des Professors. Deutlich besser schnitten die Tiefkühl-Produkte ab – sogar das günstige von Penny. Das teurere Konkurrenzprodukt von Frosta wirkte ebenfalls wie frisch gemacht. Beide wurden zu den Testsiegern gekürt: "Bissfestigkeit war da, Aroma hat gestimmt. Insgesamt kam es nah an die selbst gekochte Referenz heran. Man kann also auch in der Tiefkühlkost tolle Produkte machen und für den Verbrauer ist es eine gute Wahl",  so das Fazit von Guido Ritter. Zu den Schlusslichtern zählte übrigens die Tüte von Expedition Food: Das Asia-Gericht ist sehr teuer, sieht unappetitlich aus und braucht viel Zeit in der Zubereitung.