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Behandlung von Neurodermitis: So funktioniert die Therapie mit blauem Licht

Das Jucken und die Entzündungen klingen ab - das Ganze ohne Nebenwirkungen. Die so genannte gepulste Blaulichttherapie kann vielen Patienten mit Neurodermitis helfen. Das sollten Sie darüber wissen.

Die blauen Lichtimpulse des Flächenlasers können die Entzündungen der Haut langfristig lindern.

Die blauen Lichtimpulse des Flächenlasers können die Entzündungen der Haut langfristig lindern.

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden an Neurodermitis. Die meisten haben unerträglich juckende Ekzeme, viele kratzen sich die Stellen blutig. Für Betroffene ist Neurodermitis eine belastende Krankheit mit wenig erfolgreichen Behandlungsmöglichkeiten, die vielfach nur vorrübergehend wirkungen. Zudem haben sie oft Nebenwirkungen, die eine dauerhafte Behandlung weitgehend verbieten. Beispielsweise Hautverdünnung und rasche Rückfälle, hautkrebsfördernde Wirkungen oder Organschädigungen.

Hoffnung auf eine schonende, lang anhaltende Therapie macht sein einigen Jahren die Lichthterapie. Dr. , eigentlich in der Krebsforschung aktiv, fand heraus, dass ein bestimmtes blaues Licht entzündete weiße Blutkörperchen in der Haut abtötet. Er entwickelte ein Gerät, mit dem sich diese Hautkrankheit bekämpfen lässt: Ähnlich einer Sonnenbank wird der gesamte Körper mit einem speziellen blauen Licht bestrahlt, wobei im Gegensatz zur UV-Bestrahlung andere Zellen geschont werden.

Lesen Sie hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was ist Neurodermitis?

Die Krankheit entsteht im Knochenmark und ist eine Systemerkrankung des ganzen Körpers. Die Haut ist der Endpunkt. Dort treten Ekzeme auf. Die meisten Erkrankten leiden unter unerträglichem Juckreiz und kratzen sich die Stellen auf. Den Juckreiz lösen falsch programmierte Zellen aus, die aus dem Knochmark und anderen Immunorganen stammen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass zumindest zum Teil genetisch veranlagt ist; die Krankheit gilt als unheilbar, lediglich die Symptome können behandelt werden.

Wie funktioniert die Lichttherapie?

Die Lichttherapie arbeitet mit so genanntem gepulstem Blaulicht. Sie wird mittlerweile bei Neurodermitis und auch bei Schuppenflechte angewendet. Ziel ist es, mit Hilfe körpereigener Kräfte die überschießenden Reaktionen des Immunsystems – die Produktion entzündlicher Zellen – zu reduzieren. Und das geht so: Das blaue Licht trifft nur die entzündeten Zellen der Haut und tötet sie ab. Diese abgetöteten Zellen werden von den Fresszellen des Körpers zu den Lymphknoten abtransportiert. Dort werden Körpersignale erzeugt, die das gestörte Gleichgewicht des Immunsystems bessern. Die entzündungshemmende Wirkung ähnelt einer Allergie-Impfung. Deshalb wird die Blaulichttherapie in auch (DermoDyne) Lichtimpfung genannt. Die Lichttherapie kann Neurodermitis ebenfalls nicht heilen. Allerdings bewirkt sie in vielen Fällen, ähnlich wie bei einer erfolgreichen Allergiebehandlung, das Abklingen des Entzündungsmechanismus im Körper. Dadurch werden die Krankheitsschübe deutlich seltener und weniger schlimm. Vielen Betroffenen wurde damit wieder ein weitgehend normales Leben möglich.

Gibt es Nebenwirkungen und ist die Behandlung schmerzhaft?

Nein. Das Licht enthält keine ultraviolette Strahlung. Nebenwirkungen, wie bei anderen immununterdrückenden Behandlungen (zum Beispiel mit Kortison, UV-Licht und anderen, die Infektionen oder eine Erhöhung des Krebsrisikos mit sich bringen), sind bei der Lichtimpfung nicht zu erwarten. Wegen der hohen Lichtintensität müssen Patienten während der Bestrahlung eine Schutzbrille tragen. Für die normalen, gesunden Zellen ist das Licht durchsichtig, es trifft nur die rot entzündeten Zellen. Die Behandlung ist absolut schmerzfrei. Manchmal tritt ein leichtes Kribbeln auf. Bei Neugeborenen wird Blaulicht seit Jahrzehnten zur Behandlung von Gelbsucht eingesetzt, sogar bei Frühgeborenen. Das Verfahren gilt als sicher, Langzeituntersuchungen haben bisher keine Nebenwirkungen der Blaulichttherapie gezeigt.

Wie lange dauert es, bis die Therapie Erfolge zeigt?

Säuglinge und Kinder reagieren schneller auf die Behandlung. Selbst schwer kranke Säuglinge haben schon nach 2-3 Behandlungszyklen erhebliche Besserungen gezeigt. In vielen Fällen waren die Beschwerden fast ganz abgeklungen. Bei erwachsenen Patienten kommt es nach 3-4 Zyklen zu einer nachhaltigen Besserung. In besonders schweren Fällen sind manchmal 10 und mehr Zyklen erforderlich. Auch ein halbes Jahr nach Behandlungsende war der Zustand noch 80 bis 90 Prozent besser, als vor der Therapie. Nach bisherigen Erfahrungen hält die Besserung etwa drei bis fünf Jahre an. Danach muss die Behandlung möglicherweise wieder aufgefrischt werden.

Wie teuer ist die Therapie? Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?

Eine Sitzung kostet 176 Euro. Die Kosten werden im Einzelfall, vielfach von Betriebskrankenkassen, übernommen. Etwa wenn herkömmliche Therapien kaum oder nur kurzfristig gewirkt haben. Oder wenn aufgrund anderer Erkrankungen die üblichen Therapien nicht infrage kommen. Die Behandlungszentren können dazu beraten, wie eine Übernahme der Kosten durch die Kasse wahrscheinlich ist.

Wo kann man sich behandeln lassen?

Eine Ganzkörperbehandlung ist zur Zeit unter anderem an der Universitätshautklinik in Mainz, an der Medizischen Universität in Wien und in der Lichtklinik Murnau am Staffelsee (Prof. Wilkens) möglich. Hier finden Sie eine Übersicht über alle Behandlungsstandorte.