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Bluttest für Schwangere: Sollte der Pränataltest von der Krankenkasse bezahlt werden?

Alle werdenden Eltern wünschen sich vor allem, dass ihr Kind gesund zur Welt kommt. Seit ein paar Jahren kann per Bluttest schon früh festgestellt werden, ob das Ungeborene einen Gendefekt hat. Die Folge: Die meisten dieser Schwangerschaften werden abgebrochen.

Mit einem einfachen Bluttest beim Gynäkologen kann festgestellt werden, ob das Ungeborene an einer Trisomie leidet.

Mit einem einfachen Bluttest beim Gynäkologen kann festgestellt werden, ob das Ungeborene an einer Trisomie leidet.

Lebensumstände, persönliche Erfahrungen, Ängste und Unsicherheiten – all das spielt eine Rolle, wenn man ein Baby erwartet. Für viele Paare ist die Vorstellung, ein behindertes Kind großzuziehen, undenkbar. Mit einem  risikolosen Bluttest können Schwangere seit 2012 untersuchen lassen, ob ihr ungeborenes Kind eine Chromosomenstörung hat, zum Beispiel das Down-Syndrom oder eine andere Art der Trisomie. Medizinisch ist der Pränataltest ein Durchbruch und für viele Frauen ein interessantes Angebot. Ethisch ist er allerdings weiterhin umstritten; Kritiker sprechen von "vorgeburtlicher Selektion". Denn: Wird durch den Test eine Behinderung festgestellt, entscheiden sich die allermeisten Paare für einen Schwangerschaftsabbruch. 

Segen oder Fluch: Wie wichtig ist der Pränataltest als Kassenleistung?

Das Down-Syndrom, auch unter Trisomie 21 bekannt, ist einer der Chromosomenfehler, die durch den Bluttest beim Ungeborenen festgestellt werden können. Susie Mehler und ihr Mann erfuhren ohne den Test in der 22. Schwangerschaftswoche, dass ihre Tochter das Down-Syndrom haben würde. Trotz des Schocks und aller damit verbundenen Schwierigkeiten entschied sich das Paar für ihr behindertes Kind. "Wir haben uns dann mit dem Thema beschäftigt und bei anderen Familien gesehen: Das ist ein ganz normales Leben. Und es ist auch wirklich ein schönes Leben. Wir sind glücklich und ich wäre wesentlich unglücklicher, wenn wir Olivia nicht hätten", so die zweifache Mutter. Die kleine Olivia ist inzwischen anderthalb Jahre alt, obwohl sie Verzögerungen zeigt und bereits operiert werden musste, hat sie sich gut entwickelt. "Wir möchten anderen Eltern Mut machen, sich trotz aller Widrigkeiten und Ängste für ihr Kind zu entscheiden“

Kathrin* bekam in der 18. Schwangerschaftswoche die Diagnose, dass ihr Baby wegen einer Hirnfehlbildung kaum lebensfähig sein würde - und entschied sich schweren Herzens für einen Schwangerschaftsabbruch. Als sie wieder schwanger wurde, habe ihr der Bluttest ihr die nötige Gewissheit gegeben: "Ich würde den Test jederzeit wieder machen, weil er uns große Sorgen genommen hat." Für sie sei es vor allem wichtig, dass ihr Kind ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen kann. Warum die wesentlich risikoreichere Fruchtwasseruntersuchung von den Krankenkassen übernommen wird, nicht aber der Bluttest, ist für die 32-Jährige unverständlich. Der Test kostet bislang 200-300 Euro. Aktuell prüft der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen, ob der Gentest generell von den gesetzlichen Kassen finanziert werden soll. Abgeordnete von CDU/CSU, SPD, FDP, Linken und Grünen wollen zuvor jedoch eine parlamentarische Debatte darüber führen, wie weit die Bluttests jetzt und in Zukunft gehen.

Ist der Pränataltest ein Segen oder doch ein Fluch? Was spricht für und was gegen einen standardisierten Gentest für Schwangere? Darüber sprach Steffen Hallaschka live in der Sendung mit mit der ehemaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und der FDP-Politikerin Katrin Helling-Plahr.


*Name von der Redaktion geändert

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?