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Die Tricks der Gedächtnisweltmeisterin

Gedächtnisprofis sind zwar genial, hinter ihrer Merkfähigkeit steckt aber auch ein System. Sich 50 Begriffe merken, eine Zahlenreihe auswendig aufsagen - das können Sie hier ausprobieren und lernen.

Im Kopf herrscht kreatives Chaos, für die Merkfähigkeit ist das besonders gut.

Im Kopf herrscht kreatives Chaos, für die Merkfähigkeit ist das besonders gut.

Das Grundprinzip, das sagenhafte Ged ächtnisleistungen ermöglicht, ist einfach: Was auch immer Sie sich merken wollen, müssen Sie im Geiste mit Bildern verknüpfen – und zwar möglichst fantasievoll und persönlich. Das Gehirn behält Außergewöhnliches viel besser als Banales. Je merk-würdiger eine Assoziation ist, desto besser können Sie sich erinnern. Dieses Prinzip kann mit unterschiedlichen Techniken umgesetzt werden (siehe unten).

Im Alltag gibt es viele Gelegenheiten, die Gedächtnistechniken auszuprobieren und anzuwenden – ob beim Vokabeln büffeln, Einkaufslisten merken oder Geburtstage erinnern. Testen Sie es!

Geschichtentechnik

Die einfachste Methode ist die Geschichtentechnik. Dabei verknüpfen Sie alle Informationen, die Sie sich einprägen möchten, zu einer möglichst lustigen und außergewöhnlichen Geschichte. Wollen Sie sich zum Beispiel die Einkaufsliste "Spaghetti, Tomaten, Limonade, Käse und Ananas" merken, sollten Sie sich dazu eine Geschichte ausdenken. Ihrer eigenen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – je verrückter, desto besser.

Beispiel von Christiane Stenger:


Sie sehen vor sich eine Packung Spaghetti, die hinter den Tomaten hinterherläuft, um sie zu fangen. Dabei stolpert eine kleine Tomate über eine Limoflasche und fliegt in hohem Bogen auf ein Stück Käse und lässt sich von der Ananas trösten ...

Routenmethode

Ähnlich und ebenso bewährt ist die Routenmethode, mit der auch Christiane Stenger sich in kurzer Zeit viele Fakten merkt. Der Trick: Man nimmt sich eine Route, die man gut kennt und auf dessen Weg viele vertraute Dinge auftauchen. Zum Beispiel ein Rundgang durch die eigene Wohnung oder der Weg zur Arbeit.

Anschließend verknüpfen Sie die Routenpunkte mit den Lebensmitteln auf Ihrer Einkaufsliste. Zum Beispiel der morgendliche Weg nach dem Aufstehen: Ihr Bett assoziieren Sie mit einer liegenden Packung Spaghetti, die Dusche mit Limonade, das Deo mit Käse, den Wäschesack mit Ananas usw. Prägen Sie sich die Liste als Route mit möglichst phantasievollen, übertriebenen Bildern ein. Lassen Sie die Gegenstände dabei lebendig werden, machen Sie etwas lustiges damit!

Beispiel:


Sie springen aus dem Spaghetti-Bett und bemerkten, dass auf dem Fußboden 10 singende und hüpfende Tomaten herumtollen, aus der Dusche kommen genau 3 Liter Limonade, dann ist Schluss, der Deoroller ist durchlöchert, wie ein Stück Käse usw.

Im Supermarkt gehen Sie dann Ihre Route ab – und vergessen bestimmt keinen Teil Ihrer Routengeschichte. Tipp: Am besten halten Sie mehrere vertraute Routen bereit. Hat unser Gehirn nämlich einmal eine Route mit bestimmten Gegenständen verknüpft, kann es bis zu einer Woche dauern, bis man sie wieder vergessen hat.

Symbolmethode und Mastersystem

Um sich beispielsweise eine Zahlenreihe zu merken, benutzen manche Gedächtnissportler lieber ein Symbolsystem, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert. Statt bestimmter Routenpunkte legen Sie eine Reihe von Symbolen fest, die Zahlen ähneln. Zum Beispiel: Kerze (1) – Schwan (2) – Dreizack (3) – Stuhl (4) – Hand (5) – etc.

Wollen Sie sich von Ihrer Einkaufsliste auch jeweils die Anzahl merken, verknüpfen Sie die Symbole mit den Begriffen zu einer Geschichte, beispielsweise indem eine Hand mit Tomaten wirft usw.

Mastersystem / Zahlensystem

Um sich lange Zahlenreihen schnell merken zu können, entwickeln Gedächtnissportler einen Code, den sie immer wieder nutzen. Dabei werden einzelnen Ziffern zunächst Buchstaben zugeordnet, z.B.:

T=1 (ein Strich nach unten),
N=2 (zwei Striche nach unten),
M=3 (drei Striche nach unten),
...

Danach können aus zwei Ziffern Worte gebildet werden. Es werden nur Konsonanten zur Kodierung der Zahlen benutzt. Vokale haben keine Funktion und können ignoriert werden, z.B.:

122=Tanne,
13=Team,
23=Nemo,
...

Auch hier wird alles wieder zu einer Geschichte verknüpft: Für eine lange Zahlenreihe merken sich Gedächtnismeister die entsprechenden Begriffe.

Beispiel:

Anstatt sich die Zahl 8.294.193 einzuprägen, könnte man sich das Wort "Affenbrotbaum" merken. Dabei steht der Buchstabe f für die Zahl 8, n für die 2, b für die 9 usw.

Werden die Zahlen noch länger, setzen Profis die Wörter wieder zu Geschichten oder anhand einer Route zusammen. So entsteht im Geiste eine "merk-würdige" Reise, an die man sich leicht erinnert - und die Zahlen lassen sich schnell wieder abrufen. Allerdings muss man dafür das festgelegte Zahlen-Begriffssystem (von 0 bis 99) erst gelernt haben. Wer es begriffen hat, beherrscht dann eine Art Geheimsprache.

Gesichter und Namen/Daten merken

Den meisten Menschen fällt es schwer, sich das Gesicht und den Namen einer Person einzuprägen. Wie ist es dann erst mit 100 Vor- und Nachnamen? Gedächtnissportler können das tatsächlich. Auch Christiane Stengler hat dafür ihre Tricks: "Bei Namen spielen Bilder eine ganz große Rolle. Ich versuche erst einmal ein Bild für den Namen zu finden, zum Beispiel bei Johannes denke ich an Johannisbeeren. Bei Julia an ein Juwel. Dann verbindet man dieses Merkwort mit einem markanten Punkt im Gesicht", sagt sie.

Und so geht das genau:

1. Nehmen Sie sich zunächst auffällige Gesichter vor.
2. Suchen Sie nach Besonderheiten, wie einer Brille, der Frisur oder Schmuck.
3. Stellen Sie sich ein Bild zu dem Namen vor. Zum Beispiel: Stefan Raab – Rabe. Oder: Gustav Stahl – Gustav Eifel – Eifelturm - Stahl.
4. Verbinden Sie dieses Bild mit einer der anfangs herausgefilterten Besonderheit: Rabe stubst dem Mann die Brille von der Nase.
5. Sprechen Sie den Namen parallel zu ihrem Bild, das Sie entwerfen, laut und deutlich aus.

Weitere Tricks und Techniken mit konkreten Beispielen finden Sie hier.