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Letzte Chance: Eizellspende: Dieses Paar bekommt ein Kind, das es nach deutschem Recht nicht geben dürfte

Für Paare mit Kinderwunsch, bei denen die Frau keine Kinder bekommen kann, ist eine Eizellspende die letzte Möglichkeit. In Deutschland verbietet das Gesetz diesen Weg jedoch. Stefanie Schmode und ihr Mann suchten deshalb Hilfe im Ausland. Mit Erfolg!

Endlich Eltern werden: Stefanie und Florian Schmode konnten sich ihren Kinderwunsch nur dank einer ausländischen Eizellspende erfüllen.

Endlich Eltern werden: Stefanie und Florian Schmode konnten sich ihren Kinderwunsch nur dank einer ausländischen Eizellspende erfüllen.

Der 20. Juli letzten Jahres war für Stefanie und Florian Schmode einer der glücklichsten Tage. An diesem Tag erfuhr das Paar, dass Stefanie Schmode tatsächlich schwanger ist. "Dass wir jetzt wirklich ein Kind erwarten – dieser Moment, als wir das erfahren haben, das war einfach Wahnsinn", so die 32-Jährige. Auf diese Nachricht hatten sie so lange gewartet und viel auf sich genommen. Denn eigentlich kann Stefanie Schmode keine eigenen Kinder bekommen. Bei ihr hatten schon mit 30 Jahren die Wechseljahre eingesetzt. Stefanie Schmode ist unfruchtbar. Zwei Jahre nach der Heirat war ihr großer Traum von eigenen Kindern einfach geplatzt. Die beiden recherchierten: Nur eine Eizellspende, bei der ein Ei einer fremden Frau mit dem Samen von Florian Schmode befruchtet würde, könnte Florian und Stefanie Schmode ihren Kinderwunsch noch erfüllen.

Das Kind, mit dem Stefanie Schmode jetzt schwanger ist, dürfte es nach deutschem Recht allerdings gar nicht geben: Eizellspenden sind, anders als in anderen europäischen Ländern, nach dem Embryonenschutzgesetzt hierzulande verboten. Per Gesetzt heißt es: Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren wird bestraft, wer (…) es unternimmt, eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt. Kein Arzt in Deutschland hätte Stefanie Schmode die befruchtete Eizelle einer anderen Frau einsetzen dürfen.

Frauen müssen ihre Frauenärzte belügen

Die 32-Jährige erhielt die Eizelle von einer unbekannten Spenderin im spanischen Alicante. Wie die Schmodes suchen viele deutsche Paare inzwischen Hilfe im Ausland. Sie können nicht verstehen, dass eine Samenspende in Deutschland ganz legal ist - eine Eizellspende hingegen nicht möglich. Diesen Weg dennoch zu gehen, daran hätten sie nie gezweifelt, sagt die werdende Mutter: "Für uns hätte es definitiv keine andere Möglichkeit gegeben, Eltern zu werden."

Um ihren Körper auf die Schwangerschaft vorzubereiten, musste Stefanie Schmode bereits in Deutschland eine Hormonkur durchführen. Und sie brauchte regelmäßige Untersuchungsergebnisse, die den Erfolg der Behandlung für die Klinik in Spanien dokumentierten. Die 32-Jährige ging dafür zu ihrem Gynäkologen in Hamburg. Das Problem: Für einen deutschen Arzt ist es bereits strafbar, eine Eizellspende zu "unterstützen". Deshalb musste Stefanie ihrem Frauenarzt den wirklichen Grund für die Untersuchungen verschweigen. "Die Ärzte anlügen zu müssen, weswegen ich diese Untersuchungen brauche und diese Bluttests – da fühlt man sich irgendwie schon wie ein kleiner Verbrecher", so Stefanie Schmode.

Chance auf gesunde Schwangerschaft liegt bei 70 Prozent

Am 6. Mai war es dann soweit: Das Paar flog zur künstlichen Befruchtung nach Alicante in Spanien. Direkt nach der Samenspende durch Florian Schmode wurde die Spendereizelle mit dem Samen befruchtet und für fünf Tage in einem Inkubator aufbewahrt, wo sich ein winziger Embryo entwickelte. Dieser wurde Stefanie Schmode dann eingesetzt; der Eingriff dauerte nur wenige Minuten. "Sie bekommt Eizelle von einer jungen, gesunden, fruchtbare Spenderin, ja. Die Chance dass der Schwangerschaftstest positiv wird ist über 70 Prozent", erklärt die spanische Ärztin. Das Ehepaar aus Hamburg ist in dem Moment schon überglücklich. Der Spenderin gegenüber empfänden sie unglaubliche Dankbarkeit – auch wenn sie sie niemals kennenlernen werden, sagen sie. Denn nach den Vorschriften der Klinik muss jede Spende  anonym ablaufen, Eltern und Spenderin dürfen nichts voneinander wissen.

Doch die Schwangerschaft entwickelte sich nicht: zurück in Deutschland ergab ein Bluttest, dass Stefanie Schmode nicht schwanger war. "Der Moment war sehr schwer", sagt Florian Schmode. "Das ist wie so ein Tritt von hinten, nach dem Motto: Ihr dürft nicht! So hat sich das angefühlt."

Die beiden haben dennoch nicht aufgegeben und einen zweiten Versuch unternommen. Nur sechs Wochen sind sie erneut nach Alicante aufgebrochen – und diesmal war der Eingriff erfolgreich. Die Schwangerschaft verläuft bisher ohne jede Komplikationen. Die Ultraschallbilder zeigen: der Fötus in Stefanies Bauch hat sich gut entwickelt. Und es wird ein Mädchen, wie die Schmodes inzwischen wissen. Es ist gesund. Und wenn weiterhin alles gut geht, kommt die Kleine Ende März zur Welt. Ein Kind, das es nach deutschem Recht gar nicht geben dürfte, weil es durch eine Eizellspende entstanden ist.

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