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Komödie "Die Goldfische": So schaffte es Schauspielerin Luisa Wöllisch trotz Down-Syndrom zur Hauptrolle in einem Kinofilm

Menschen mit Down-Syndrom haben ganz unterschiedliche Talente. Bei Luisa Wöllisch ist es die Schauspielerei. Im neuen Kinofilm "Die Goldfische" spielt sie ihre erste Hauptrolle. Wie sie es trotz gewisser Beeinträchtigungen so weit geschafft hat, durften wir bei einem Besuch an ihrem Arbeitsplatz und zu Hause erleben.

Luisa Wöllisch (22) ist ausgebildete Schauspielerin.

Luisa Wöllisch (22) ist ausgebildete Schauspielerin.

Luisa Wöllisch weiß ganz genau, was sie will. Und sie ist nicht auf den Mund gefallen. Die 22-Jährige pusht zielstrebig ihre Schauspielkarriere. Ihren Eltern war es immer wichtig, dass ihre Tochter so normal wie möglich aufwächst. Als Luisa auf die Welt kam, waren sie ganz plötzlich mit der Diagnose "Trisomie 21" konfrontiert, sie erfuhren erst bei der Geburt, dass ihr Kind das Down-Syndrom hat.

Trotz gewisser Beeinträchtigungen, die das Down-Syndrom mit sich bringt, schaffte Luisa Wöllisch es auf eine normale Grundschule: Auf der Montessori-Schule in Biberkor sammelte sie erste Bühnen-Erfahrungen bei Musicals und Theateraufführungen. 2014 begann sie eine Ausbildung an der "Freien Bühne München", wo sie seitdem fester Bestandteil des Ensembles ist. Sie fährt mit dem Zug in die Stadt. In der Großstadt München findet sich Luisa Wöllisch inzwischen fast mühelos allein zurecht. "Es ist einfach toll, zu wissen, dass ich jetzt Schauspielerin bin", so die 22-Jährige auf ihrem Weg zur Theaterprobe. "Es ist immer ein sehr sehr schönes Gefühl, hier entlangzulaufen und zu wissen: Jetzt gehe ich zur  Arbeit und mache etwas Gutes."

"Ich musste die Behinderung nicht spielen, deshalb war es einfacher"

Luisa will als Schauspielerin Karriere machen – und hat nun sogar erreicht, wovon viele ihrer Kollegen träumen: Sie hat die Hauptrolle im Kinofilm "Die Goldfische" ergattert. "Das ist einfach der Wahnsinn, so eine tolle Erfahrung jetzt im Kino zu sein und dass ich mich jetzt auf der Leinwand sehen kann, das ist schon was Tolles." Die Story des Films in Kürze: Portfolio-Manager Oliver benutzt eine Gruppe Behinderter als Tarnung, um sein Schwarzgeld aus der Schweiz zu holen – denn die werden ja nicht kontrolliert. In der Komödie spielen alle Darsteller ihre Behinderung. Luisa Wöllisch ist die einzige Schauspielerin, die wirklich das Down-Syndrom und dadurch Beeinträchtigungen hat. Sie sieht das so: "Es ist ja immer was anderes, mit jemandem zu drehen, der das wirklich hat. Man weiß ja nicht, wie man auf einen Behinderten  zugeht oder so. Für die anderen war es die Schwierigkeit die Behinderung spielen zu müssen. Und ich glaube, das war eine der Situationen, dass es für sie ein bisschen schwieriger war, als für mich", sagt Luisa.

Ihr Vater Stefan Wöllisch sieht es als großes Glück an, dass seine Tochter so gut kommunizieren kann, sagt er zu stern TV. Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das nicht selbstverständlich. Obwohl sie schon immer ehrgeizig und durchsetzungsstark war, habe in der Familie niemand so wirklich mit einem beruflichen Erfolg gerechnet, so Stefan Wöllisch: "Das freut mich unheimlich, weil es natürlich nicht zu erwarten war, dass sie so eine Karriere macht. Und sie macht es total super! Das Schönste ist dabei, zu sehen, dass sie das alles selber macht – ohne dass wir da groß hinterher sein müssen."

Der Weg ihrer Tochter sei aber auch für die Eltern nicht immer einfach gewesen, erzählt die Mutter. Sie hätten viel dafür kämpfen müssen, dass Luisa die Dinge machen konnte, die für ihren Bruder ganz normal waren – wie zum Beispiel die Einschulung. "Bei Luisa war das ein jahrelanger Kamp, zu erreichen, dass sie dahin gehen kann. Und so zieht sich vieles durch das ganze Leben durch", so Eva Wöllisch. Zurzeit lebt ihre Tochter noch bei ihr in Tutzing. Ihre Mutter übernimmt für Luisa behördliche Erledigungen, beantwortet E-Mails und schreibt Briefe. Dennoch möchte die 22-Jährige vieles auch ohne die Hilfe der Eltern schaffen. Sie möchte gerne ausziehen – ein ganz normaler Prozess, sagt Eva Wöllisch selbst. "Wir haben das schon probiert in zwei verschiedenen inklusiven WGs. Aber für Luisa hat das nicht funktioniert, weil sie ein bisschen zu fit ist für diese WGs. Und weil sie vom Lebensstil als Schauspielerin nicht diesen total geregelten Tagesrhythmus hat, wie die anderen Bewohner."

Eine fast normale Schauspielerin mit Down-Syndrom

Luisas Eltern sind erleichtert, dass ihre Tochter nicht in einer Werkstatt für Behinderte arbeiten muss, sondern mit der Schauspielerei einen Beruf gefunden hat, der ihr wirklich Freude bereitet. In ihrer jetzigen Hauptrolle im Kinofilm spielt sie eine junge Frau, die auf Glitzer und Glamour steht. Eine Beeinträchtigung wie das Down-Syndrom lässt sich auch im Kino nicht spielen. Die Rolle sei nicht einfach zu besetzen gewesen, sagt der "Die Goldfische"-Regisseur Alireza Golafshan. Er habe lange nach jemandem wie Luisa suchen müssen: "Sie ist wirklich eine hervorragende Schauspielerin, die zufällig das Down-Syndrom hat." Sie habe vor allem bei Improvisationen großes Talent, das könne selbst er nicht so gut.

Der Film "Die Goldfische" kommt am 21. März in die deutschen Kinos. In ihrer Hauptrolle spielt Luisa Wöllisch dort an der Seite von Axel Stein, Tom Schillig, Jella Haase und Birgit Minichmayr.  Weitere Informationen zum Film

Der Film "Die Goldfische" kommt am 21. März in die deutschen Kinos. In ihrer Hauptrolle spielt Luisa Wöllisch dort an der Seite von Axel Stein, Tom Schillig, Jella Haase und Birgit Minichmayr.

Weitere Informationen zum Film

An der Freien Bühne München, wo behinderte und nicht behinderte Schauspieler angestellt sind,  konnte die 22-Jährige ebenso überzeugen. Dort wird sie jetzt sogar zur Dozenten-Assistenz ausgebildet. Im Deutschen Film gibt es nicht viele Rollen für Schauspieler mit Down-Syndrom. Luisa Wöllisch sagt: "Ich hoffe natürlich, dass durch die Goldfische jetzt Anfragen für weitere Filme kommen. Es muss jetzt nicht unbedingt der nächste Blockbuster sein, aber dass es so weiter geht."

Die Schauspielerei habe für sie Priorität, doch später wünsche auch sie sich ein Familienleben, sagt Luisa Wöllisch: "Das hört sich jetzt ein wenig doof an: Aber ich als Down-Syndrom-Mädchen will eigentlich normal sein. Deswegen will ich auch einen normalen Freund haben." Und ein bisschen Glamour...